The National Times - Israel meldet Besetzung von Hamas-Regierungsgebäuden

Israel meldet Besetzung von Hamas-Regierungsgebäuden


Israel meldet Besetzung von Hamas-Regierungsgebäuden
Israel meldet Besetzung von Hamas-Regierungsgebäuden / Foto: © AFP

Mehr als fünf Wochen nach dem Großangriff der islamistischen Hamas auf Israel hat die israelische Armee nach eigenen Angaben die Kontrolle über mehrere Hamas-Regierungsgebäude im Gazastreifen übernommen. Dazu gehörten das Hamas-Parlament und das Hauptquartier der Polizei in Gaza, erklärte das israelische Militär am Dienstag. Unterdessen war die Lage am Al-Schifa-Krankenhaus, der größten Gesundheitseinrichtung im Gazastreifen, nach Augenzeugenberichten weite dramatisch.

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Die israelische Armee erklärte zu ihrem Vordringen im Gazastreifen weiter, auch die Kontrolle über eine Ingenieursfakultät übernommen zu haben. Diese habe als "Institut für die Produktion und Entwicklung von Waffen" gedient. In Onlinemedien waren Bilder zu sehen, auf denen israelische Soldaten die israelische Flagge am Podium des Parlamentschefs ausbreiteten.

Der hochrangige Hamas-Vertreter Bassem Naim bezeichnete das israelische Vordringen in die Regierungsgebäude als einen "erbärmlichen Versuch, einen Sieg und angebliche Kontrolle" über "leere" oder "zerstörte" Orte zu erlangen.

Derweil saßen am Dienstag nach UN-Angaben weiterhin mindestens 2300 Menschen - Patienten, Angestellte und Flüchtlinge - auf dem Gelände des Al-Schifa-Krankenhauses in Gaza fest. Leichen lägen in den Gängen des Krankenhauskomplexes, die Leichenhalle werde nicht mehr mit Strom versorgt, sagte Krankenhausdirektor Mohammed Abu Salmija.

Nach seinen Worten wurden am Dienstag 179 Tote in einem Massengrab beigesetzt, darunter auch sieben Babys, die aufgrund fehlenden Stroms nicht am Leben hätten gehalten werden können. Ein Zeuge berichtete von einem erdrückenden Verwesungsgeruch in dem Klinikkomplex.

Die israelische Armee wirft der Hamas vor, ihr militärisches Hauptquartier in Tunneln unter dem Al-Schifa-Krankenhaus errichtet zu haben. Die Hamas weist das zurück.

Hunderte Kämpfer der Hamas waren am 7. Oktober nach Israel eingedrungen und hatten Gräueltaten überwiegend an Zivilisten verübt. Israelischen Angaben zufolge wurden etwa 1200 Menschen in Israel getötet und rund 240 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.

Seitdem greift das israelische Militär Ziele im Gazastreifen an, inzwischen kämpfen auch Bodentruppen in dem Palästinensergebiet. Nach Angaben der Hamas, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden im Gazastreifen bislang mehr als 11.300 Menschen getötet.

Die Hamas bestritt indes Vorwürfe der israelischen Armee, sie habe im Keller eines Kinderkrankenhauses Geiseln festgehalten. Am Montagabend von der israelischen Armee in einem Video aus dem Keller der Al-Rantisi-Kinderklink gezeigte Gegenstände wiesen lediglich darauf hin, dass sich dort geflüchtete Einwohner aufgehalten hätten, erklärte das von der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium im Gazastreifen.

Israels Armeesprecher Daniel Hagari hatte in einem Video unter anderem ein Babyfläschchen und ein an einem Stuhl befestigtes Seil gezeigt, die von israelischen Soldaten in dem Krankenhaus-Keller gefunden worden seien. Die Hamas erklärte, der Keller sei im Krankenhaus-Grundriss als Lagerraum eingezeichnet. Vertriebene hätten dort Unterschlupf gefunden.

Die israelische Armee bestätigte unterdessen den Tod einer 19-jährigen Hamas-Geisel. Die Soldatin Noa Marciano werde "von der Armee für tot erklärt", teilte das Militär mit. "Sie war von der Terrororganisation Hamas entführt worden." Angaben zur Todesursache machte die israelische Armee nicht.

In Genf sagte der israelische Außenminister Eli Cohen nach einem Gespräch mit der Präsidentin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Mirjana Spoljaric, bislang habe kein Vertreter des Roten Kreuzes eine der Geiseln sprechen können: "Wir haben keine Lebenszeichen."

Das Golfemirat Katar drängte die Hamas und Israel dazu, unter seiner Vermittlung eine Vereinbarung über die Freilassung von Geiseln abzuschließen. Es gebe "keine andere Chance als diese Vermittlung", um einen "Hoffnungsschimmer in dieser fürchterlichen Krise zu sehen", erklärte ein Sprecher des katarischen Außenministeriums. Sein Land bleibe aber "optimistisch".

Katar ist seit Wochen als Vermittler in der Region tätig. Das Land beherbergt einerseits die größte US-Militärbasis im Nahen Osten, andererseits ist dort Ismail Hanijeh, der politische Anführer der Hamas, sowie das Hamas-Politbüro ansässig.

Zuversichtlich über eine mögliche Freilassung von Geiseln äußerte sich auch US-Präsident Joe Biden. "Ich glaube, es wird passieren, aber ich will nicht ins Detail gehen", sagte Biden vor Journalisten in Washington.

L.Johnson--TNT

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