The National Times - Fast alle Armenier aus Bergkarabach nach Armenien geflohen

Fast alle Armenier aus Bergkarabach nach Armenien geflohen


Fast alle Armenier aus Bergkarabach nach Armenien geflohen
Fast alle Armenier aus Bergkarabach nach Armenien geflohen / Foto: © AFP

Zehn Tage nach dem aserbaidschanischen Sieg in Bergkarabach sind nahezu alle Armenier aus der Kaukasusregion geflohen. 100.417 Flüchtlinge seien in Armenien registriert worden, teilte eine Sprecherin des armenischen Regierungschefs Nikol Paschinjan am Samstag mit - das sind fast alle der geschätzt 120.000 armenischen Einwohner von Bergkarabach. In Eriwan gingen derweil zahlreiche Menschen auf die Straße, um ihre Unterstützung mit Bergkarabach zu bekunden.

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Nach Angaben eines früheren Behördenvertreters der selbsternannten Republik Bergkarabach waren am Samstag die "letzten" Flüchtlingsgruppen Richtung Armenien unterwegs. Höchstens "ein paar hundert" Menschen, darunter hauptsächlich Beamte oder Mitarbeiter von Rettungsdiensten und Freiwillige, befänden sich laut inoffiziellen Informationen noch in Bergkarabach, schrieb Artak Beglarjan im Onlinedienst X, ehemals Twitter. Eriwan beschuldigt Baku der "ethnischen Säuberung" in der Region.

Am Grenzübergang Kornidsor sah ein AFP-Journalist einige Krankenwagen ankommen, während die armenischen Grenzbeamten nach eigenen Angaben auf letzte Busse warteten. Währenddessen hofften in der nächstgelegenen Stadt Goris hunderte erschöpfte Flüchtlinge mit ihrem Gepäck auf dem zentralen Platz auf eine Unterkunft von der Regierung.

Die Vereinten Nationen haben für das Wochenende die erste UN-Mission seit über 30 Jahren für Bergkarabach angekündigt, vor allem für humanitäre Hilfe. Frankreich kritisierte diese "begrenzte" und verspätete Genehmigung der UN-Mission durch Aserbaidschan. Sie sei erst nach der Massenflucht der Menschen "unter dem komplizenhaften Blick Russlands" erteilt worden, erklärte das Außenministerium in Paris am Samstag. Zugleich bekräftigte es Frankreichs "Engagement zur Unterstützung der Souveränität und territorialen Integrität Armeniens, wohin diese Menschen geflohen sind".

Zuvor hatte Armenien den Internationalen Gerichtshofs (IGH) in Den Haag aufgefordert, Sofortmaßnahmen zum Schutz der Bewohner in Bergkarabach zu ergreifen. Der IGH solle sicherstellen, dass Baku die verbliebenen ethnischen Armenier nicht aus der Region vertreiben oder die "sichere und schnelle Rückkehr" derjenigen verhindern darf, die bereits geflohen sind.

Aserbaidschan hatte am 19. September eine großangelegte Militäroffensive in der Region gestartet. Bereits einen Tag später erklärten die dortigen pro-armenischen Kämpfer ihre Kapitulation. Am Donnerstag dann wurde die Auflösung der selbsternannten Republik Bergkarabach zum 1. Januar 2024 verkündet. Bergkarabach, das überwiegend von Armeniern bewohnt war, werde damit "aufhören zu existieren", hieß in einem Dekret.

Der Schritt markiert vorerst das Ende eines der längsten und scheinbar unlösbarsten "eingefrorenen Konflikte" der Welt - den das autoritär regierte Aserbaidschan schließlich für sich entschied, während Armeniens langjähriger Verbündeter Russland die aserbaidschanischen Truppen gewähren ließ.

Bergkarabach gehört völkerrechtlich zu Aserbaidschan, es lebten dort bislang aber überwiegend ethnische Armenier. Die Region hatte sich 1991 nach einem international nicht anerkannten und von der aserbaidschanischen Minderheit boykottierten Referendum für unabhängig erklärt.

Aserbaidschan und Armenien stritten seit dem Zerfall der Sowjetunion um die Region und führten deshalb zwei Kriege, zuletzt 2020. Damals hatte Russland nach sechswöchigen Kämpfen mit mehr als 6500 Toten ein Waffenstillstandsabkommen vermittelt, das Armenien zur Aufgabe großer Gebiete zwang.

Armeniens Regierungschef Paschinjan sieht sich nach dem Verlust der seit Jahrhunderten von Armeniern bewohnten Region verstärktem innenpolitischen Druck ausgesetzt. Am Samstag bekundeten rund 2000 Demonstranten in Eriwan ihre Unterstützung für den von Aserbaidschan inhaftierten Anführer der pro-armenischen Kräfte in Bergkarabach, Ruben Wardanjan.

B.Cooper--TNT

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