The National Times - Pro-armenische Kämpfer in Berg-Karabach geben ihre Waffen ab

Pro-armenische Kämpfer in Berg-Karabach geben ihre Waffen ab


Pro-armenische Kämpfer in Berg-Karabach geben ihre Waffen ab
Pro-armenische Kämpfer in Berg-Karabach geben ihre Waffen ab / Foto: © AFP

Nach der erfolgreichen aserbaidschanischen Offensive in Berg-Karabach haben die pro-armenischen Kämpfer in der umstrittenen Kaukasusregion mit der Abgabe ihrer Waffen begonnen. Die einer Kapitulation gleichkommende Aktion wurde von der russischen Armee vermeldet, zugleich wurde am Samstag weiter über einen Rückzug der pro-armenischen Kämpfer verhandelt. Derweil forderte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) eine Sicherheitsgarantie für die mehrheitlich armenische Bevölkerung in der Region.

Textgröße ändern:

Am Dienstag hatte Aserbaidschan eine großangelegte Militäroffensive in Berg-Karabach gestartet. Am Mittwoch wurde eine Waffenstillstandsvereinbarung geschlossen, am Freitag begannen die pro-armenischen Kämpfer russischen Angaben zufolge mit der Waffenabgabe. Es seien zunächst sechs Panzer und mehr als 800 leichte Waffen abgegeben wurden.

Wie das Verteidigungsministerium in Moskau mitteilte, wurden unter der Kontrolle der russischen "Friedenstruppen" vor Ort auch 5000 Schuss Munition übergeben. Zuvor hatten die pro-armenischen Kräfte bekanntgegeben, mit Aserbaidschan über einen Rückzug ihrer Truppen aus Berg-Karabach zu verhandeln. Diese Verhandlungen dauerten am Samstag an, die vereinbarte Waffenruhe hielt derweil.

Bundeskanzler Scholz forderte eine Sicherheitsgarantie für die armenischen Einwohner der völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehörenden Region. Für eine nachhaltige Lösung des Konflikts müssten "die Rechte und die Sicherheit der Bevölkerung in Karabach gewährleistet werden", erklärte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Freitag nach einem Telefonat zwischen Scholz und dem armenischen Regierungschef Nikol Paschinjan. In dem Gespräch sei es vor allem um die Lage in Berg-Karabach sowie die akute humanitäre Versorgung der Menschen vor Ort gegangen.

Der Bundeskanzler habe seine "Ablehnung der Anwendung militärischer Gewalt" geäußert und betont, dass die Bundesregierung sich "mit Nachdruck" für eine Verhandlungslösung und einen dauerhaften Frieden zwischen den seit Jahrzehnten verfeindeten Ex-Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan einsetze, hieß es weiter. Zudem habe Scholz "die Bedeutung der Achtung der territorialen Integrität und Souveränität Armeniens" hervorgehoben.

Ähnliche Besorgnis äußerten US-Vertreter bei einem Besuch in der armenischen Hauptstadt Eriwan. Die Kongressdelegation unter der Leitung des demokratischen Senators Gary Peters warf Aserbaidschan "unprovozierte" Angriffe gegen sein Nachbarland vor. Die autoritäre Führung von Präsident Ilham Alijew verübe "eine humanitäre Katastrophe in Berg-Karabach", schrieb Peters am Freitag in den Onlinenetzwerken.

Nach Angaben der US-Botschaft in Eriwan waren Gespräche der US-Abgeordneten mit der armenischen Regierung über "die Auswirkungen der jüngsten Militäraktionen Aserbaidschans auf die armenische Bevölkerung von Berg-Karabach" geplant.

Der Grünen-Politiker Anton Hofreiter forderte angesichts des aserbaidschanischen Großangriffs sofortige EU-Sanktionen gegen Baku. Die Europäer müssten sich "zu wirtschaftlichen Sanktionen durchringen, auch wenn es schwerfällt", sagte der Vorsitzende des Europaausschusses im Bundestag den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Wir sollten so schnell wie möglich aufhören, Gas aus Aserbaidschan zu kaufen."

Es wiederhole sich im Vorgehen Aserbaidschans "im Kleinen das, was wir im Großen mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine erlebt haben", führte der Grünen-Politiker aus. Der Angriff des ölreichen, autoritär geführten Kaukasus-Staats auf Berg-Karabach sei "ein weiteres Beispiel dafür, dass es eine große Gefahr ist, sich von Diktaturen abhängig zu machen".

V.Bennett--TNT

Empfohlen

Zweites Treffen: Rot-Grün-Rot in Berlin verständigt sich auf "gemeinsamen Weg"

Die Berliner Landesverbände von Linken, Grünen und SPD haben sich bei einem zweiten Treffen nach der Wahl "auf einen weiteren gemeinsamen Weg verständigt". Dies geht aus einer gleichlautenden Erklärung hervor, welche die drei Parteien am Samstag verbreiteten. "In der kommenden Woche werden wir die aktuellen Gespräche zu einem Ergebnis führen", hieß es darin weiter.

Bilanz mit pessimistischen Untertönen: Steinmeier warnt vor Gefahr für Demokratie

Besorgte Mahnungen zum Ende einer langen Amtszeit: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat wenige Monate vor seinem Ausscheiden aus dem Amt vor einer ernsthaften Gefährdung für Demokratie und Zusammenhalt in Deutschland gewarnt. In seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit beklagte Steinmeier am Samstag in Bremen eine "unerträgliche politische Demagogie extremistischer Kräfte", die an den Grundfesten des Staates rüttle. Er rief die Bundesregierung auf, trotz allen Widerstands ihren Reformkurs fortzusetzen.

Lettland wählt neues Parlament unter dem Eindruck russischer Bedrohung

In Lettland haben die Bürger am Samstag unter dem Eindruck der russischen Bedrohung und wachsender wirtschaftlicher Sorgen ein neues Parlament gewählt. Sicherheit und Verteidigung prägten den Wahlkampf in dem baltischen Staat ebenso wie steigende Lebenshaltungskosten, niedrige Löhne und Probleme im Gesundheitssystem. Die ersten Teilergebnisse wurden für Samstagabend erwartet, das vorläufige amtliche Ergebnis für Sonntag.

Grünen-Fraktionschefinnen erklären bisherige Strategie gegen AfD für gescheitert

Die Vorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion haben die bisherige Strategie ihrer Partei gegen die AfD für gescheitert erklärt und eine Kurskorrektur gefordert. "Alle bisherigen Versuche, der AfD etwas entgegenzusetzen, haben nicht gereicht", schrieben die Fraktionschefinnen Katharina Dröge und Britta Haßelmann in einem "Impulspapier", aus dem der "Spiegel" am Samstag zitierte. Für das Erstarken der in Teilen rechtsextremen AfD trügen alle demokratischen Parteien, auch die Grünen, Verantwortung.

Textgröße ändern: