The National Times - Bundesländer warnen vor Überlastung bei Flüchtlingen - Thüringen "am Limit"

Bundesländer warnen vor Überlastung bei Flüchtlingen - Thüringen "am Limit"


Bundesländer warnen vor Überlastung bei Flüchtlingen - Thüringen "am Limit"
Bundesländer warnen vor Überlastung bei Flüchtlingen - Thüringen "am Limit" / Foto: © AFP

Aus immer mehr Bundesländern kommen Warnungen vor einer Überlastung durch steigende Flüchtlingszahlen. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sagte am Donnerstag, die Kommunen in Thüringen seien "am Limit". Angesichts der Lage kommen aus der Union Rufe nach einer Verschärfung der Asylpolitik nach dänischem Vorbild.

Textgröße ändern:

Die Erstaufnahmeeinrichtung im thüringischen Suhl habe "längst mehr Menschen aufgenommen, als das von uns als vertretbar angesehen wird", sagte Ramelow der "Rheinischen Post" vom Donnerstag. "Der Regelbetrieb geht dort von 800 Menschen aus, wir liegen bei über 1000. Und wir haben weiter einen starken Zulauf."

Die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens (SPD) sieht Länder und Kommunen "vor einem schwierigen Herbst". Viele Unterbringungseinrichtungen in Niedersachsen seien bereits in die Notbelegung gegangen, erklärte sie am Donnerstag. Dies führe dazu, "dass die Qualität der Unterbringung und damit auch die Lebenssituation der Menschen, die zu uns kommen, leidet. Es wird enger, es wird voller und damit steigt die Belastung für alle Beteiligten."

Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) forderte erneut feste Grenzkontrollen zu Polen. "Die Bundespolizei muss von der Innenministerin unmittelbar auf die Grenzlinie gesetzt werden, auf die Grenzübergänge", sagte er im Deutschlandfunk. Die von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) favorisierte Schleierfahndung im Hinterland reiche nicht aus, um das Schleuser-Problem unter Kontrolle zu bekommen.

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) warf Russland und Belarus vor, Flüchtlinge zu instrumentalisieren, um Deutschland zu destabilisieren. "Hinter den wachsenden Migrationszahlen über Osteuropa steht eine gezielte Kampagne von Russland und Belarus", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Donnerstag. Maier zufolge werden etwa syrische Flüchtlinge aus der Türkei "organisiert" nach Russland geflogen, um dann über Belarus und Polen nach Deutschland zu kommen.

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) verwies auch auf die finanziellen Folgen ungesteuerter Migration. Diese koste Deutschland "viele Milliarden Euro", sagte er den Zeitungen der Ippen-Media-Gruppe. "Dieses Geld fehlt für Investitionen." Nötig sei deshalb "eine Wende in der Migrationspolitik".

Der Vorsitzende der Jungen Union (JU), Johannes Winkel, fordert eine grundlegende Reform der deutschen Asylpolitik nach dem Vorbild Dänemarks. So müssten auch hierzulande Brennpunkt-Bezirke ausgewiesen werden. Ziel müsse es sein, "Parallelgesellschaften" aufzulösen, sagte er der "Bild"-Zeitung. So solle nach dänischem Vorbild der Kita-Besuch für Kinder mit Migrationshintergrund verpflichtend werden.

Der parlamentarischen Geschäftsführer der Unions-Fraktion im Bundestag, Thorsten Frei (CDU), verwies im Fernsehsender Welt darauf, dass es mit dem Asylkurs in Dänemark gelungen sei, "die Rechtspopulisten von über 20 Prozent auf 2,6 Prozent in den letzten sieben Jahren zu reduzieren". Dies sei überzeugend.

Dänemark fährt seit Jahren einen restriktiven Kurs in der Asylpolitik. So ist den Behörden seit 2016 erlaubt, Neuankömmlinge zu durchsuchen und ihnen alle Wertgegenstände oberhalb eines Wertes von 10.000 Kronen (1342 Euro) abzunehmen. Zudem müssen Flüchtlinge drei Jahre warten, bis sie einen Antrag auf Familiennachzug stellen können.

Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) sprach sich gegen "Denkverbote" mit Blick auf das dänische Modell aus. "Wir müssen einerseits natürlich humanitären Pflichten nachkommen, wir müssen aber auch dafür sorgen, dass wir uns als Land nicht überfordern", sagte er dem TV-Sender Welt.

D.Cook--TNT

Empfohlen

Zweites Treffen: Rot-Grün-Rot in Berlin verständigt sich auf "gemeinsamen Weg"

Die Berliner Landesverbände von Linken, Grünen und SPD haben sich bei einem zweiten Treffen nach der Wahl "auf einen weiteren gemeinsamen Weg verständigt". Dies geht aus einer gleichlautenden Erklärung hervor, welche die drei Parteien am Samstag verbreiteten. "In der kommenden Woche werden wir die aktuellen Gespräche zu einem Ergebnis führen", hieß es darin weiter.

Bilanz mit pessimistischen Untertönen: Steinmeier warnt vor Gefahr für Demokratie

Besorgte Mahnungen zum Ende einer langen Amtszeit: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat wenige Monate vor seinem Ausscheiden aus dem Amt vor einer ernsthaften Gefährdung für Demokratie und Zusammenhalt in Deutschland gewarnt. In seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit beklagte Steinmeier am Samstag in Bremen eine "unerträgliche politische Demagogie extremistischer Kräfte", die an den Grundfesten des Staates rüttle. Er rief die Bundesregierung auf, trotz allen Widerstands ihren Reformkurs fortzusetzen.

Lettland wählt neues Parlament unter dem Eindruck russischer Bedrohung

In Lettland haben die Bürger am Samstag unter dem Eindruck der russischen Bedrohung und wachsender wirtschaftlicher Sorgen ein neues Parlament gewählt. Sicherheit und Verteidigung prägten den Wahlkampf in dem baltischen Staat ebenso wie steigende Lebenshaltungskosten, niedrige Löhne und Probleme im Gesundheitssystem. Die ersten Teilergebnisse wurden für Samstagabend erwartet, das vorläufige amtliche Ergebnis für Sonntag.

Grünen-Fraktionschefinnen erklären bisherige Strategie gegen AfD für gescheitert

Die Vorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion haben die bisherige Strategie ihrer Partei gegen die AfD für gescheitert erklärt und eine Kurskorrektur gefordert. "Alle bisherigen Versuche, der AfD etwas entgegenzusetzen, haben nicht gereicht", schrieben die Fraktionschefinnen Katharina Dröge und Britta Haßelmann in einem "Impulspapier", aus dem der "Spiegel" am Samstag zitierte. Für das Erstarken der in Teilen rechtsextremen AfD trügen alle demokratischen Parteien, auch die Grünen, Verantwortung.

Textgröße ändern: