The National Times - Högl warnt vor "alarmierenden" Ausrüstungsmängeln bei Bundeswehr

Högl warnt vor "alarmierenden" Ausrüstungsmängeln bei Bundeswehr


Högl warnt vor "alarmierenden" Ausrüstungsmängeln bei Bundeswehr
Högl warnt vor "alarmierenden" Ausrüstungsmängeln bei Bundeswehr

Der russische Angriff auf die Ukraine macht eine rasche Beseitigung der hemmenden Ausrüstungsmängel bei der Bundeswehr dringlicher denn je: Mit diesem Appell verband die Wehrbeauftragte des Bundestags, Eva Högl (SPD), am Dienstag die Vorstellung ihres Jahresberichts. Högl bezeichnete die materiellen Defizite in der Truppe als "alarmierend". Angesichts wachsender Bedrohungen benötige die Bundeswehr nun aber "die besten Rahmenbedingungen" bei Material, Ausrüstung und Infrastruktur.

Textgröße ändern:

Die Bundeswehr werde nun "bei ihrem Kernauftrag, nämlich der Landes- und Bündnisverteidigung, so gefordert sein wird wie nie", sagte Högl mit Blick auf den Krieg in der Ukraine. Sie sei "optimistisch", dass die alljährlich von der Wehrbeauftragten vorgetragenen Forderung nach einer besseren Ausstattung diesmal nicht ungehört verhalle: Der "brutale Angriffskrieg in unserer unmittelbaren Nähe" schärfe das Bewusstsein dafür, "wie wichtig es ist, dass die Bundeswehr flott gemacht wird", sagte Högl.

Högl berichtete von gravierenden Ausrüstungsmängeln, die ihr bei Besuchen von Bundeswehrverbänden im Auslandseinsatz - etwa in Mali und Niger - aufgefallen seien. "Ich war entsetzt, dass nicht einmal im Einsatz alles parat ist", sagte sie. Trotz dieser Mängel sei die Bundeswehr grundsätzlich aber einsatzbereit und könne "ihre Verpflichtungen in der Nato übernehmen".

In ihrem Jahresbericht schreibt Högl: "Sehr bestürzt haben mich Berichte von Soldatinnen und Soldaten über materielle Defizite in allen drei Einsatzgebieten." Die Einsatzbereitschaft von Großgeräten habe "teilweise nur knapp 50 Prozent" betragen. "Alltägliche Ausrüstungsgegenstände wie Schutzwesten oder Winterjacken wurden mitunter erst in das Einsatzgebiet nachgeschickt. Das ist völlig inakzeptabel, und das muss verbessert werden."

Als "gute Nachricht" begrüßte Högl in der Pressekonferenz das geplante 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen für die Bundeswehr. "Diese enorme Summe ist eine Riesenchance", sagte sie. "Mit diesem Geld soll die volle Einsatzbereitschaft wiederhergestellt werden." Die neuen Mittel müssten "zügig" und "sinnvoll" eingesetzt werden, mahnte Högl. Angesichts der Dringlichkeit müsse die Bundeswehr außerdem bürokratische Hürden abbauen und die Beschaffungsprozesse deutlich beschleunigen - diese Forderung hatten Högl und ihre Vorgänger in den vergangenen Jahren bereits wiederholt erhoben.

Die Wehrbeauftragte forderte, dass die Bundeswehr ihre zivile Amtshilfe für Behörden - etwa in der Pandemiebekämpfung - nun einstellt. "Wir haben heute gerade auch angesichts des Kriegs in der Ukraine andere Aufgaben", sagte sie. Um zivile Einsätze müssten sich nun zivile Kräfte kümmern.

Als anhaltenden Problem bezeichnete Högl den Rechtsextremismus in der Bundeswehr. Der Militärische Abschirmdienst habe im Jahr 2021 insgesamt 589 rechtsextreme Verdachtsfälle registriert, sagte Högl. Im Vorjahr waren es noch 477 Fälle, im Jahr 2019 waren es 363 Fälle. Högl führte diesen Anstieg vor allem darauf zurück, "dass die Sensibilität in der Truppe gestiegen ist" und dass mehr Verdachtsfälle angezeigt würden.

Nicht jeder Verdacht bestätige sich, betonte Högl. Einzelprüfungen hätten 2021 ergeben, dass von den Verdachtsfällen insgesamt 252 als "meldepflichtig" eingestuft worden seien. Beispiele für solche Fälle seien etwa Hitlergrüße oder Hakenkreuzschmierereien.

Einer Debatte über die Wiedereinführung der Wehrpflicht vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs erteilte Högl eine Absage. Sie werde sich aber gerne in Zukunft an einer Debatte über die Frage beteiligen, "wie wir gutes Personal bekommen und junge Menschen sich engagieren können", sagte Högl. Dabei müsse gelten: "Je mehr Freiwilligkeit desto besser."

Die Wehrbeauftragte unterstützt den Bundestag bei der Kontrolle der Bundeswehr. Sie fungiert zugleich als Ansprechpartnerin für die aktuell knapp 184.000 Soldatinnen und Soldaten und kümmert sich darum, dass deren Grundrechte gewahrt werden.

R.Hawkins--TNT

Empfohlen

Selenskyj zu Treffen mit neuem Premier Burnham in Großbritannien

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist zu einem Treffen mit dem neuen britischen Premierminister Andy Burnham in Großbritannien eingetroffen. Nach seiner Landung erklärte Selenskyj am Montag, die Ukraine und Großbritannien hätten die "stärksten Beziehungen in der Geschichte der Zusammenarbeit" zwischen beiden Ländern aufgebaut. Burnham wollte Selenskyj als ersten ausländischen Staatschef seit seinem Amtsantritt empfangen. Der ukrainische Präsident reist dann zu einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in Washington weiter.

Neuer Verkehrsminister: Bilger soll Investitionen in Infrastruktur vorantreiben

Die Erwartungen sind groß: Der künftige Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) soll dafür sorgen, "dass wir schneller und besser werden beim Thema Aufbruch in Deutschland", forderte Kanzler Friedrich Merz (CDU) am Montag. Bilger müsse die "Chancen" nutzen, die das Investitionsprogramm aus dem Sondervermögen biete. Verbände forderten "den politischen Willen, Brücken, Straßen, Schienen und Wasserstraßen tatsächlich zu bauen" und eine wieder zuverlässige Bahn.

Tödlicher Angriff auf Waffenmesse nahe Kiew: Veranstalter in Untersuchungshaft

Ein ukrainisches Gericht hat am Montag Untersuchungshaft für den Veranstalter einer Waffenmesse angeordnet, die von Russland angegriffen worden war. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Leiter eines Waffenindustrieverbands, Wassyl Hontscharuk, fahrlässige Tötung vor. Bis zum Beginn des Prozesses kann er auch nicht gegen Kaution auf freien Fuß kommen. Bei dem Angriff vom Freitag nahe Kiew waren mindestens elf Menschen getötet worden, fast hundert wurden verletzt.

Bei CSD-Anschlag in Berlin getötete Frau war 65-jährige Mutter aus Polen

Die bei dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag beim Berliner Christopher Street Day (CSD) getötete Frau stammt aus Polen. Das bestätigte ein Sprecher der Berliner Senatskanzlei am Montag. Die polnische Staatsbürgerin war den Angaben zufolge 65 Jahre alt und hielt sich gemeinsam mit ihrer Tochter in der Hauptstadt auf.

Textgröße ändern: