The National Times - Dritte Nacht der Gewalt in Frankreich nach Tod von Jugendlichem durch Polizisten

Dritte Nacht der Gewalt in Frankreich nach Tod von Jugendlichem durch Polizisten


Dritte Nacht der Gewalt in Frankreich nach Tod von Jugendlichem durch Polizisten

Frankreich hat eine dritte Nacht gewaltsamer Proteste erlebt. Trotz massiven Polizeiaufgebots wurden in der Nacht zum Freitag erneut Autos angezündet, Gebäude verwüstet und Geschäfte geplündert. Landesweit wurden mehr als 400 Menschen festgenommen, wie aus dem Umfeld des Innenministeriums verlautete. Nach dem Tod des 17-jährigen Nahel M. bei einer Polizeikontrolle wurde der mutmaßliche Schütze der "vorsätzlichen Tötung beschuldigt" und in Untersuchungshaft genommen.

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Bis etwa 03.00 Uhr am Freitag wurden landesweit mindestens 421 Menschen festgenommen, wie es aus dem Umfeld von Innenminister Gérald Darmanin hieß. Die meisten von ihnen seien 14 bis 18 Jahre alt.

In einer Mitteilung der Geheimdienste hatte es nach Angaben aus Polizeikreisen geheißen, die Gewalt könne sich im Laufe der "nächsten Nächte ausweiten" und durch "gezielte Aktionen gegen Sicherheitskräfte und Symbole des Staates" gekennzeichnet sein.

Im südlichen Pau wurde nach Angaben der Präfektur ein Molotow-Cocktail auf eine Polizeiwache geschleudert. In Paris wurden in den "Halles" und auf der Rue de Rivoli, die zum Louvre führt, mehrere Geschäfte "verwüstet", "geplündert oder in Brand gesteckt", wie ein ranghoher Polizeivertreter sagte. Im nordfranzösischen Lille wurde das Rathaus eines Arbeiterviertels angezündet, ein Rathaus im Osten der Stadt wurde mit Steinen beworfen. In Marseille wurde eine Bücherei verwüstet, wie örtliche Behördenvertreter mitteilten.

Aufgrund weiterer erwarteter Proteste fuhren im Großraum Paris ab Donnerstagabend ab 21.00 Uhr keine Busse und Straßenbahnen mehr. Mindestens drei Städte am Rande von Paris hatten eine Ausgangssperre verhängt, darunter Clamart und Compiègne.

Nach dem tödlichen Schuss auf den 17-Jährigen bei einer Verkehrskontrolle im Pariser Vorort Nanterre wurde gegen den mutmaßlichen Schützen ein formelles Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Der Polizist sei der "vorsätzlichen Tötung beschuldigt" und in Untersuchungshaft genommen worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Der jugendliche Nahel M. war am Dienstag auf dem Fahrersitz eines Autos bei einer Verkehrskontrolle in Nanterre erschossen worden. In einem Video war zu sehen, wie der Polizist mit seiner Waffe auf den Fahrer zielt und aus nächster Nähe schießt, als das Auto plötzlich beschleunigt. Bei der Kontrolle war zuvor der Satz zu hören: "Du kriegst eine Kugel in den Kopf."

Nachdem es deswegen bereits zwei Nächte in Folge in mehreren Städten massive Proteste gegen Polizeigewalt gegeben hatte, wurden für die Nacht zum Freitag landesweit rund 40.000 Polizisten und Gendarme mobilisiert, um die Ausschreitungen einzudämmen. Zudem wurden nach Angaben aus Polizeikreisen Eliteeinheiten der Polizei und der Gendarmerie nach Toulouse, Marseille, Lyon, Lille und Bordeaux geschickt.

In Nanterre fand am Donnerstag ein Trauermarsch zu Ehren des getöteten 17-Jährigen statt. Nach Angaben der Polizei nahmen rund 6200 Menschen teil. Sie hielten eine Schweigeminute ab. Im Anschluss gab es jedoch Ausschreitungen und Brände, die Polizei setzte Tränengas ein.

In ihrem ersten Medieninterview seit dem Tod ihres Sohnes sagte die Mutter Mounia, sie gehe von einer rassistisch motivierten Tat aus, mache aber nicht die Polizei als Ganzes dafür verantwortlich. "Ich geben nicht der Polizei die Schuld, ich gebe einer Person die Schuld", sagte sie im Sender France 5. Der Polizist habe "das Gesicht eines Arabers gesehen, einen kleinen Bengel, und wollte ihm das Leben nehmen", sagte sie.

Nach Angaben seines Anwalts Laurent-Franck Liénard entschuldigte sich der Beamte im Polizeigewahrsam bei der Familie. "Die ersten Worte", die der Polizist gesagt habe, "waren, sich zu entschuldigen, und die letzten, die er gesagt hat, waren, sich bei der Familie zu entschuldigen", sagte der Anwalt im Fernsehsender BFMTV. Er kündigte an, am Freitag Widerspruch gegen die Untersuchungshaft einzulegen.

D.Kelly--TNT

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