The National Times - Aufständische Wagner-Söldner rücken in Richtung Moskau vor

Aufständische Wagner-Söldner rücken in Richtung Moskau vor


Aufständische Wagner-Söldner rücken in Richtung Moskau vor
Aufständische Wagner-Söldner rücken in Richtung Moskau vor / Foto: © AFP

Im offenen Aufstand gegen die russische Militärführung sind die Söldner der Wagner-Truppe weiter nach Norden in Richtung Moskau vorgerückt. Die Wagner-Kämpfer nahmen ein wichtiges Armee-Hauptquartier in Südrussland ein und drangen laut einem Regionalgouverneur am Samstag bis in die russische Region Lipezk rund 400 Kilometer südlich der Hauptstadt vor. Moskaus Bügermeister kündigte angesichts einer "schwierigen Lage" einen arbeitsfreien Tag am Montag an. Der russische Präsident Wladimir Putin beschwor die Bevölkerung, einen Bürgerkrieg in Russland nicht zuzulassen.

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Für den Kreml-Chef ist es die ernsteste Herausforderung, seit er im Jahr 1999 an die Macht kam. Der schwelende Machtkampf zwischen dem russischen Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin und der Militärführung war am Freitag eskaliert. Prigoschin hatte erklärt, die Armeechefs in Moskau stoppen zu wollen, und rief die Russen dazu auf, sich seinen Wagner-Kämpfern anzuschließen.

Seitdem drangen Prigoschins Söldner nach Angaben des Regionalgouverneur Igor Artamonow bis in russische Region Lipezk rund 400 Kilometer südlich von Moskau vor. Im Onlinedienst Telegram rief er die Bürger von Lipezk auf, "ihre Häuser nicht zu verlassen oder irgendwelche Fahrten egal mit welchen Verkehrsmitteln zu machen".

In Moskau und mehreren russischen Regionen wurden am Samstag die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. "Die Lage ist schwierig", räumte Hauptstadt-Bürgermeister Sergej Sobjanin ein. Er rief daher die Einwohner auf, ihre Bewegungen so weit wie möglich einzuschränken, und erklärte kommenden Montag zu einem arbeitsfreien Tag.

Am Morgen hatten die Wagner-Söldner das wichtige Armee-Hauptquartier in der südrussischen Stadt Rostow eingenommen - und dies "ohne einen einzigen Schuss", erklärte Söldnerführer Prigoschin. Das Quartier ist ein wichtiger Standort für die russische Offensive in der Ukraine. "Warum unterstützt uns das Land? Weil wir einen Marsch für die Gerechtigkeit gehen", sagte Prigoschin bei Telegram.

Wenige Stunden danach wurden aus der auf halbem Weg zwischen Moskau und Rostow gelegenen Region Woronesch Kampfhandlungen zwischen der Armee und aufständischen Wagner-Söldnern sowie ein Brand in einem Treibstofflager gemeldet.

Putin nannte die aufständischen Wagner-Söldner am Samstag in einer Fernsehansprache "Verräter", die "unweigerlich bestraft" würden. Der Aufstand sei eine "tödliche Bedrohung" für Russland, warnte der Kreml-Chef. Er rief die Russen zur "Einigkeit" auf und betonte, er werde einen Bürgerkrieg in Russland nicht zulassen.

Rückendeckung bekam der Kreml-Chef von mehreren Verbündeten: Tschetschenen-Führer Ramsan Kadyrow schickte nach eigenen Angaben seine Truppen in die "Spannungsgebiete" in Russland. "Der Aufstand muss niedergeschlagen werden und wenn harte Maßnahmen nötig sind, sind wir bereit dazu!", erklärte er bei Telegram.

Belarus bezeichnete die bewaffnete Rebellion als "Geschenk an den Westen". "Das kann in einer Katastrophe enden", zitierte das Außenministerium in Minsk den belarussischen Sicherheitsrat. Nach Kreml-Angaben sicherte auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Putin in einem Telefonat seine "volle Unterstützung" zu.

Den Westen warnte Moskau indes davor, aus der Lage in Russland Profit zu schlagen. Alle Versuche der westlichen Länder, ihre "russlandfeindlichen Ziele zu erreichen", wären "nichtig", erklärte das russische Außenministerium.

Die ukrainische Vize-Verteidigungsministerin Hanna Maljar sprach mit Blick auf den Aufstand von einer "einmaligen Gelegenheit" für Kiew. Sie informierte zudem über neue Offensiven in der östlichen Region Donbass, dort gebe es "Fortschritte in allen Richtungen". Der Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Walery Saluschny, versicherte, die ukrainische Gegenoffensive zum Zurückdrängen der russischen Armee laufe "nach Plan".

"Die Schwäche Russlands ist offensichtlich. Vollständige Schwäche", erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Derweil vermeldeten die Rettungsdienste in der Ukraine drei Todesopfer und fast ein Dutzend Verletzte nach russischen Angriffen auf Kiew.

International wurde die Eskalation in Russland mit Besorgnis aufgenommen. Lettland kündigte an, die Grenzsicherung zu verstärken und Flüchtlinge des Chaos in Russland nicht einreisen zu lassen. US-Präsident Joe Biden telefonierte nach Angaben des Weißen Hauses mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und dem britischen Premierminister Rishi Sunak. Dabei hätten sie "ihre standhafte Unterstützung für die Ukraine" bekräftigt.

Prigoschin hatte dem russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Freitagabend vorgeworfen, Raketenangriffe auf seine Truppen angeordnet zu haben. Die Russen rief er auf, sich seinen 25.000 Kämpfern anzuschließen. Die russische Inlandsgeheimdienst FSB leitete daraufhin ein strafrechtliches Verfahren wegen "bewaffneter Meuterei" gegen ihn ein.

T.Ward--TNT

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