The National Times - Fünf Palästinenser bei israelischer Razzia im Westjordanland getötet

Fünf Palästinenser bei israelischer Razzia im Westjordanland getötet


Fünf Palästinenser bei israelischer Razzia im Westjordanland getötet
Fünf Palästinenser bei israelischer Razzia im Westjordanland getötet / Foto: © AFP

Bei einem Armeeeinsatz im Westjordanland haben israelische Soldaten nach palästinensischen Angaben fünf Palästinenser getötet. Mehr als 90 weitere Menschen seien bei den Kämpfen am Montag ab den frühen Morgenstunden im Flüchtlingslager von Dschenin verletzt worden, teilte das palästinensische Gesundheitsministerium mit. Die israelische Armee feuerte von einem Hubschrauber aus Raketen ab. Am Nachmittag zogen sich die israelischen Soldaten zurück, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP vor Ort.

Textgröße ändern:

Die israelische Armee erklärte, Ziel des Einsatzes sei die Festnahme von "gesuchten Verdächtigen" der radikalislamischen Palästinenserorganisationen Islamischer Dschihad und Hamas gewesen. Dabei habe es einen "intensiven Schusswechsel" zwischen israelischen Soldaten und bewaffneten Palästinensern gegeben. Daraufhin hätten "Armeehubschrauber das Feuer eröffnet", um den Rückzug der Soldaten zu ermöglichen. Israelischen Angaben zufolge wurden bei den Kämpfen zwei der eigenen Soldaten und fünf israelische Grenzpolizisten verletzt.

Ein AFP-Fotograf beschrieb Zusammenstöße von selten gesehener Intensität, bei denen ein palästinensischer Journalist verletzt wurde. Ein Hubschrauber feuerte demnach zwei Raketen ab, was seit Jahren nicht mehr vorgekommen war.

"Wir werden alle uns zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen und Terroristen angreifen, wo auch immer sie sind", sagte der israelische Verteidigungsminister Yoav Gallant während der Razzia.

Bei den Getöteten handelte es sich nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums um einen 15-jährigen Jugendlichen sowie vier Männer im Alter zwischen 19 und 29 Jahren. Einer von ihnen sei ein Kämpfer des Islamischen Dschihad gewesen, erklärte die radikalislamische Miliz.

Vor dem Regierungskrankenhaus in Dschenin sammelte sich eine Menschenmenge, als die Beerdigungen der Getöteten begannen. Auch bewaffnete Palästinenser mischten sich unter die Menge.

Die palästinensische Gesundheitsministerin Mai al-Kaila forderte den "dringenden" Versand von medizinischen Hilfsgütern, Medikamenten und Blutkonserven nach Dschenin. Die "unaufhörlichen Massaker" seien ein Versuch, die Region "explodieren zu lassen und sie in eine Gewaltspirale zu ziehen", sagte der Sprecher von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Das Sekretariat der Arabischen Liga verurteilte "die von der Besatzungsarmee verübten Verbrechen, darunter die Bombardierung der Zivilbevölkerung".

In Berlin teilte die Bundesregierung mit, dass sie die angespannte Sicherheitslage im Westjordanland und die "hohe Zahl an Todesopfern, auch von Zivilisten und Minderjährigen", mit großer Sorge verfolge. "Der Schutz der Zivilbevölkerung sollte immer oberstes Gebot sein", sagte der Sprecher des Auswärtigen Amts, Christofer Burger.

"Extrem besorgt" äußerte sich die Europäische Union über die Geschehnisse in Dschenin. Brüssel erklärte, die Militäroperationen müssten "verhältnismäßig" sein und "mit dem internationalen Völkerrecht in Einklang stehen".

Auch UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk zeigte sich "äußerst besorgt über die sich verschlechternde Situation" im Westjordanland. "Die rechtswidrigen Tötungen von Palästinensern durch die israelischen Sicherheitskräfte haben zugenommen, darunter offenbar auch außergerichtliche Hinrichtungen", sagte er.

Die Gewalt im israelisch-palästinensischen Konflikt hat seit Jahresbeginn deutlich zugenommen. Bislang wurden in diesem Jahr laut Zählungen der Nachrichtenagentur AFP bereits mindestens 164 Palästinenser, 21 Israelis, eine Ukrainerin und ein Italiener getötet.

B.Cooper--TNT

Empfohlen

Großeinsatz an Luftwaffenstützpunkt: London sieht "starke Hinweise" auf iranische Beteiligung

Nach Angaben des britischen Premierministers Andy Burnham deutet einiges darauf hin, dass der Iran an verdächtigen Aktivitäten an einem auch von den USA genutzten britischen Militärstützpunkt im Südwesten Englands beteiligt war. "Es gibt starke Hinweise darauf, dass der Iran eine Rolle bei den Ereignissen gespielt hat, die sich an diesem Wochenende auf dem Stützpunkt der Royal Air Force in Fairford zugetragen haben", sagte der Labour-Politiker am Mittwoch in einem Interview mit der BBC.

Berliner SPD erwartet Erklärung zu Eralps Mitgliedschaft bei Roter Hilfe

Angesichts der Mitgliedschaft von Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp bei der vom Verfassungsschutz beobachteten Roten Hilfe wird auch das Thema Linksextremismus eine Rolle bei einem Vorgespräch für mögliche rot-grün-rote Sondierungen in Berlin spielen. "Wir werden das thematisieren", sagte SPD-Spitzenkandidat Krach am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Er erwarte, dass Eralp hierzu ihre Position erläutere und die Gründe sowohl für ihre am Dienstag bekannt gewordene Mitgliedschaft als auch für ihren Austritt im vergangenen Jahr nenne.

Bundeskabinett beschließt Pflegereform - Beitragserhöhung für 2027 abgewendet

Mit einem in letzter Minute gefundenen Kompromiss will die schwarz-rote Koalition weitere Beitragserhöhungen in der Pflegeversicherung für kommendes Jahr abwenden. Eine tiefer greifende Reform verschob die Bundesregierung aber auf Mitte 2027 - der am Mittwoch vom Bundeskabinett verabschiedete Reformentwurf zielt vor allem auf eine kurzfristige Stabilisierung der Pflegekassen ab. Zentrale Fragen sind weiter zwischen Union und SPD umstritten.

Elterngeldreform: Prien bereit für nochmalige Prüfung der Sparmaßnahmen

Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) hat Bereitschaft signalisiert, ihre Elterngeldreform noch einmal auf den Prüfstand zu stellen. Sie plädiere nach den Debatten des Sommers dafür, "dass wir uns nochmal zusammensetzen und schauen, ob die Sparmaßnahmen beim Elterngeld in diesem Umfang zielführend und gerechtfertigt sind", sagte sie den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Mittwoch. Offen zeigte sie sich auch dafür, die maximale Bezugsdauer von 14 Monaten doch beizubehalten.

Textgröße ändern: