The National Times - Pistorius für Verlängerung der Amtszeit Stoltenbergs als Nato-Generalsekretär

Pistorius für Verlängerung der Amtszeit Stoltenbergs als Nato-Generalsekretär


Pistorius für Verlängerung der Amtszeit Stoltenbergs als Nato-Generalsekretär
Pistorius für Verlängerung der Amtszeit Stoltenbergs als Nato-Generalsekretär / Foto: © AFP

Knapp vier Wochen vor dem Nato-Gipfel in Litauen zeichnet sich für den langjährigen Generalsekretär Jens Stoltenberg eine weitere Verlängerung seiner Amtszeit ab. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sprach sich am Donnerstag beim Bündnistreffen in Brüssel klar für den 64-jährigen Norweger aus. Pentagonchef Llloyd Austin dankte Stoltenberg für seinen "weiteren Einsatz". Die Ukraine erhielt derweil weitere Waffenzusagen für ihren Kampf gegen Russland.

Textgröße ändern:

Pistorius nahm beim Verteidigungsministertreffen in Brüssel kein Blatt vor den Mund: Wenn sich die Allianz nicht auf eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für Stoltenberg einigen könne, sei er "natürlich für eine Verlängerung, zumal ich die Zusammenarbeit schätze", sagte der deutsche Verteidigungsminister. Pentagonchef Austin ließ ebenfalls keinen Zweifel an seiner Unterstützung. Er lobte Stoltenbergs "beeindruckende Führungsstärke" und dankte ihm für seine fortgesetzte "Opferbereitschaft".

Nach Einschätzung von Diplomaten mehrerer Mitgliedsländer gilt es inzwischen als wahrscheinlich, dass die Staats- und Regierungschefs Stoltenberg im Juli in der litauischen Hauptstadt Vilnius offiziell bitten werden, bis zum Nato-Jubiläumsgipfel in Washington im Juli 2024 im Amt zu bleiben. In der US-Hauptstadt feiert die Allianz ihr 75-jähriges Bestehen. Der dann 65-Jährige Stoltenberg käme auf fast zehn Jahre als Nato-Generalsekretär.

Stoltenberg hatte zuvor US-Präsident Joe Biden in Washington besucht. Danach erklärte er, über seine Nachfolge müssten die 31 Bündnisländer entscheiden. Der frühere norwegische Regierungschef Stoltenberg hat den Nato-Posten seit Oktober 2014 inne.

Damals hatte Russland gerade die ukrainische Krim-Halbinsel annektiert. Bereits nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 ließ sich Stoltenberg zu einem Verbleib in der Nato überreden, obwohl er eigentlich an die Spitze der norwegischen Zentralbank wechseln wollte.

Zuletzt waren unter anderen die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen, der britische Verteidigungsminister Ben Wallace und der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte als Nachfolger im Gespräch, ein Konsens zeichnete sich aber nicht ab. Frederiksen selbst nannte eine Verlängerung für Stoltenberg nach Angaben der "Copenhagen Post" eine "sehr sehr gute Lösung".

In Brüssel berieten zudem rund 50 Länder der sogenannten Ukraine-Kontaktgruppe unter Austins Leitung über weitere Waffenlieferungen. Gemeinsam mit den USA kündigten Großbritannien, Dänemark und die Niederlande danach "hunderte" Luftabwehrraketen kurzer und mittlerer Reichweite für die Ukraine an. Sie sollen nach britischen Angaben helfen, russische Raketen- und Drohnenangriffe auf ukrainische Städte abzuwehren.

Norwegen und Dänemark wollen gemeinsam 9000 Schuss Artilleriemunition an die Ukraine liefern, wie der norwegische Verteidigungsminister Björn Arild Gram mitteilte. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dankte beiden Ländern und erklärte im Kurzbotschaftendienst Twitter, die Munition werde "auf dem Schlachtfeld dringend benötigt".

An den Brüsseler Beratungen nahm der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow teil. Die Niederlande und Dänemark sagten ihm zu, dass die Ausbildung ukrainischer Piloten an F-16-Kampfjets starten könne. Resnikow äußerte sich "absolut sicher" hinsichtlich einer Lieferung solcher Kampfjets an sein Land. Die Ukraine könne damit künftig als "östlicher Schutzschild Europas" dienen, sagte er.

Die Nato-Verteidigungsminister kamen zudem erstmals mit den Chefs von 25 Rüstungskonzernen zusammen, darunter auch das Düsseldorfer Unternehmen Rheinmetall. Pistorius sagte, Ziel sei "eine Ausweitung der Industriekapazitäten durch klare Nachfragesignale".

S.Ross--TNT

Empfohlen

Bundeskabinett beschließt Pflegereform - Beitragserhöhung für 2027 abgewendet

Mit einem in letzter Minute gefundenen Kompromiss will die schwarz-rote Koalition weitere Beitragserhöhungen in der Pflegeversicherung für kommendes Jahr abwenden. Eine tiefer greifende Reform verschob die Bundesregierung aber auf Mitte 2027 - der am Mittwoch vom Bundeskabinett verabschiedete Reformentwurf zielt vor allem auf eine kurzfristige Stabilisierung der Pflegekassen ab. Zentrale Fragen sind weiter zwischen Union und SPD umstritten.

Elterngeldreform: Prien bereit für nochmalige Prüfung der Sparmaßnahmen

Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) hat Bereitschaft signalisiert, ihre Elterngeldreform noch einmal auf den Prüfstand zu stellen. Sie plädiere nach den Debatten des Sommers dafür, "dass wir uns nochmal zusammensetzen und schauen, ob die Sparmaßnahmen beim Elterngeld in diesem Umfang zielführend und gerechtfertigt sind", sagte sie den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Mittwoch. Offen zeigte sie sich auch dafür, die maximale Bezugsdauer von 14 Monaten doch beizubehalten.

Antisemitismusvorwurf gegen Bardella: Macron nennt Äußerungen "inakzeptabel"

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat die dem Rechtspopulisten Jordan Bardella zugeschriebenen antisemitischen Äußerungen als "äußerst schlimm und inakzeptabel" bezeichnet. Er forderte die Verantwortlichen der Partei Rassemblement National (RN) am Mittwoch auf, "ihre Linie zu klären". Die antisemitischen Äußerungen, die Bardella nach einem Bericht des Investigativmagazins "Mediapart" im Alter von 17 oder 18 Jahren gemacht haben soll, "müssen schärfstens verurteilt werden", sagte Macron am Rande seines Staatsbesuchs in der spanischen Hauptstadt Madrid.

Krise in Rumänien: Wahl von neuem Regierungschef im Parlament erneut gescheitert

In Rumänien hat das Parlament den pro-europäischen Politiker Siegfried Muresan als neuen Regierungschef abgelehnt und damit die seit Monaten anhaltende politische Krise in dem EU- und Nato-Land weiter verschärft. Der Europaabgeordnete erhielt am Mittwoch 182 Stimmen, nötig gewesen wären 233 Stimmen für die Bestätigung seiner Regierung.

Textgröße ändern: