The National Times - Humanitäre Lage in Ukraine verschärft sich - Hafen von Mariupol unter "Blockade"

Humanitäre Lage in Ukraine verschärft sich - Hafen von Mariupol unter "Blockade"


Humanitäre Lage in Ukraine verschärft sich - Hafen von Mariupol unter "Blockade"
Humanitäre Lage in Ukraine verschärft sich - Hafen von Mariupol unter "Blockade"

Im Ukraine-Krieg spitzt sich die humanitäre Lage dramatisch zu. Nach tagelangem Beschuss stand am Samstag der strategisch wichtige Hafen von Mariupol unter russischer Blockade, wie Bürgermeister Wadym Boitschenko bei Telegram erklärte. Für Entsetzen sorgte international der Russland zugeschriebene Angriff auf das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland "nuklearen Terror" vor, die USA sprachen von einem möglichen "Kriegsverbrechen".

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"Seit fünf Tagen wird unsere Heimatstadt, unsere Familie mit einer halben Million Menschen, rücksichtslos angegriffen", schrieb Boitschenko. Sein Stellvertreter Sergej Orlow sprach in der BBC von einer "furchtbaren" humanitären Situation. In der Stadt seien auch Schulen und Krankenhäuser angegriffen worden.

Von augenscheinlich wahllosen Angriffen auf Wohngebiete berichteten AFP-Journalisten am Freitag auch aus der nahe Kiew gelegenen Stadt Irpin. Aus Vororten im Nordwesten Kiews stiegen am Freitagabend dichte schwarze Rauchwolken in den Himmel. Die russische Armee versuche, die Hauptstadt zu umzingeln, warnte die ukrainische Armee.

Das Welternährungsprogramm warnte am Freitag vor einer Ernährungskrise in der Ukraine. Der UN-Sicherheitsrat befasst sich am Montag mit der humanitären Lage in der Ukraine.

Russische und ukrainische Unterhändler hatten sich am Donnerstag auf die Schaffung humanitärer Korridore geeinigt, um Zivilisten aus Kriegsgebieten herausholen zu können. Allerdings blieb zunächst unklar, wie die Korridore genau funktionieren sollten. Boitschenko forderte am Samstag erneut einen humanitären Korridor für die Zivilbevölkerung von Mariupol.

Der Krieg war in der Nacht zum Freitag mit dem Angriff auf das Atomkraftwerk Saporischschja im Süden der Ukraine erneut massiv eskaliert. Die US-Botschaft in der Ukraine sprach von einem möglichen "Kriegsverbrechen". Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte, der Angriff auf das Akw zeuge von der "Rücksichtslosigkeit" Russlands in dem Krieg. Er warf Russland auch den völkerrechtswidrigen Einsatz von Streubomben vor.

Die russische Armee hatte die Anlage von Saporischschja in der Nacht zum Freitag mit Panzern angegriffen und dort einen Brand ausgelöst. Der Brand konnte gelöscht werden, das Gelände ist inzwischen von der russischen Armee besetzt.

Experten zufolge wurden keine radioaktiven Stoffe freigesetzt. Nach Angaben des ukrainischen Akw-Betreibers Energoatom wurden drei ukrainische Soldaten bei dem Angriff auf das Atomkraftwerk getötet. Moskau bestreitet den Beschuss und macht ukrainische "Saboteure" dafür verantwortlich.

Die Anlage von Saporischschja ist das größte Atomkraftwerk Europas und verfügt über sechs Reaktoren. Aktuell läuft nur ein Reaktor mit reduzierter Leistung. Bereits in der vergangenen Woche hatte es Kämpfe in der Nähe des Unglücksreaktors von Tschernobyl gegeben, wo sich 1986 das schwerste Atomunglück der Geschichte ereignet hatte. Die Atomruine wird nun von russischen Truppen kontrolliert.

Die heftigen Kämpfe in der Ukraine sowie Drohungen von Russlands Präsident Wladimir Putin schüren im Westen Ängste vor einer atomaren Eskalation des Konflikts. Wie das Pentagon am Freitag mitteilte, aktivierten die Streitkräfte Russlands und der USA eine direkte Telefonleitung, um Missverständnisse und damit Zusammenstöße von Soldaten beider Länder zu vermeiden.

Am Samstag sollte der ukrainische Staatschef Selenskyj per Videoschalte an einer Sitzung des U-Senats teilnehmen. Selenskyj hatte am Freitag scharfe Kritik an der Nato geübt, weil diese die Schaffung einer Flugverbotszone über der Ukraine ablehnt. Mit der Entscheidung gebe das Bündnis "grünes Licht" für die weitere Bombardierung ukrainischer Städte und Dörfer, sagte Selenskyj in einer Videobotschaft.

Das Auswärtige Amt erneuerte seinen Appell an deutsche Staatsbürger in der Ukraine, das Land zu verlassen. Eine Ausreise auf dem Landweg sei grundsätzlich möglich, hieß es in einer aktualisierten Reisewarnung.

H.Davies--TNT

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