The National Times - Ergebnisse von Spitzengespräch zur Flüchtlingspolitik stoßen auf breite Kritik

Ergebnisse von Spitzengespräch zur Flüchtlingspolitik stoßen auf breite Kritik


Ergebnisse von Spitzengespräch zur Flüchtlingspolitik stoßen auf breite Kritik
Ergebnisse von Spitzengespräch zur Flüchtlingspolitik stoßen auf breite Kritik / Foto: © AFP

Die Ergebnisse des Bund-Länder-Spitzengesprächs zur Flüchtlingspolitik sind auf breite Kritik gestoßen. Vertreter von Kommunen und Ländern bemängelten, dass keine längerfristige Lösung erreicht worden sei. Grüne und Nichtregierungsorganisationen wandten sich gegen Beschlüsse für einen restriktiveren Umgang mit Asylbewerbern. Positiv äußerte sich Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD).

Textgröße ändern:

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte mit den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder am späten Mittwochabend nach langem Ringen eine vorläufige Verständigung über die Finanzierung der Kosten für die Versorgung und Integration von Geflüchteten erzielt.

Demnach zahlt der Bund zunächst für das laufende Jahr eine Milliarden Euro zusätzlich. Zudem sind Maßnahmen vorgesehen, um den Zuzug von Geflüchteten zu begrenzen und Abschiebungen zu erleichtern und zu beschleunigen. Über eine längerfristige Lösung soll im November auf Grundlage von Empfehlungen einer Arbeitsgruppe entschieden werden.

"Dieses Treffen war für uns unterm Strich eine ziemliche Enttäuschung", sagte Städtetags-Präsident Markus Lewe der "Rheinischen Post". "Alle paar Monate einen fixen Betrag zugeschoben zu bekommen, das hilft uns bei steigenden Flüchtlingszahlen nicht weiter", kritisierte Lewe weiter.

"Da hätte mehr rauskommen müssen", erklärte auch der Präsident des Deutschen Landkreistages, Reinhard Sager. Auch fehlten "klare Aussagen zur sofortigen Beendigung freiwilliger Aufnahmeprogramme" und "zur Erweiterung der Liste sicherer Herkunftsstaaten". "Nicht zufrieden" äußerte sich in der ARD auch der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg.

Die Länder hatten eigentlich ein dynamisches oder "atmendes" Finanzierungssystem gefordert, das sich automatisch an die Asylbewerberzahl anpasst. Sie verwiesen ebenso wie die Kommunen auf die stark steigenden Zahlen Geflüchteter. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst bekräftigte dieses Ziel nach dem Spitzentreffen, räumte aber ein: "Mehr war eben nicht drin."

"Notwendig ist eine verlässliche, dauerhafte Lösung, ein atmendes System, das auf sich verändernde Flüchtlingszahlen reagiert", verlangte erneut auch die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD).

Deutlich schärfere Kritik äußerten in einer Protokollerklärung die Länder Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt. "Die vom Bund vorgesehene Erhöhung um eine Milliarde Euro ist völlig unzureichend", heißt es dort. "Der Bund entzieht sich hier seiner Verantwortung."

Von einem "Gipfel der verpassten Chancen" sprach Union-Fraktionsvize Andrea Lindholz (CSU) am Morgen in der ARD. Zwar sei die Ländern und Kommunen zugesagte zusätzliche Milliarde Euro positiv, doch "was die Kommunen eigentlich eingefordert haben, nämlich Planungssicherheit bei den Finanzen und eine Begrenzung der Zuwanderung - das ist nicht beschlossen worden", kritisierte Lindholz.

"Ohne wirksamen Grenzschutz, Druck auf die Herkunftsstaaten und eine echte Rückführungsoffensive schlittert Deutschland in eine neue Migrationskrise", warnte CDU-Chef Friedrich Merz in den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Die Ergebnisse des Flüchtlingsgipfels sind enttäuschend und werden dem akuten Handlungsbedarf nicht gerecht", kritisierte auch er. Notwendig sei "eine echte Rückführungsoffensive".

Aus den Reihen der im Bund mitregierenden Grünen wurden Vorbehalte gegen die Beschlüsse für einen restriktiveren Umgang mit Asylsuchenden laut. "Das Ergebnis aus der Ministerpräsidentenkonferenz überschreitet alle roten Linien, die ich mir als grüne Abgeordnete vorstellen kann", sagte die Bundestagsabgeordnete Karoline Otte der "Süddeutschen Zeitung".

Wiebke Judith von der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl äußerte sich "schockiert" dass der Gipfel "zu einer Finanzeinigung auf Kosten der Menschenrechte fliehender Menschen geführt hat".

Lob für die Beschlüsse äußerte Bundesinnenministerin Faeser. "Ich freue mich sehr über die Einigung, die zeigt, dass alle staatlichen Ebenen gemeinsam ihrer großen humanitären Verantwortung gerecht werden", erklärte sie in Berlin. Besonders pochte Faeser auf eine Begrenzung sogenannter "irregulärer Migration" durch effektivere Asylverfahren, schärfere Grenzkontrollen sowie mehr und schnellere Abschiebungen.

Aus der FDP wurde auch bereits die vereinbarte zusätzlich Einmalzahlung kritisiert. "Ich halte eine Mehr-Geld-Politik für eine falsche Politik und für nicht zielführend,", sagte Generalsekretär Bijan Djir-Sarai RTL und ntv.

L.Johnson--TNT

Empfohlen

Kasachstans Präsident preist bei Besuch in Berlin "exzellente" Beziehungen zu Putin

Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew hat bei einem Besuch in Berlin seine "exzellenten Beziehungen" zu Kreml-Chef Wladimir Putin gepriesen. "Was auch immer in der Ukraine passiert, wir werden niemals vergessen, dass Russland und die Ukraine unsere Freunde sind", sagte Tokajew am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).

Erste Regierungschefin Marokkos: König ernennt Fatima Ezzahra El Mansouri

In Marokko wird zum ersten Mal eine Frau Regierungschefin: König Mohammed VI. hat die Bürgermeisterin von Marrakesch, Fatima Ezzahra El Mansouri, am Dienstag zur Ministerpräsidentin des nordafrikanischen Landes ernannt. Wie sein Büro mitteilte, empfing er die 50-jährige Juristin, die zuletzt auch Bauministerin war, am Dienstag im Königspalast und beauftragte sie offiziell mit der Bildung der neuen Regierung.

Britischer Premier Burnham: "Der Brexit hat mehr geschadet als genutzt"

Der britische Premierminister Andy Burnham sieht im Brexit mehr Schaden als Nutzen für sein Land und prüft verschiedene Optionen für die künftigen Beziehungen Großbritanniens zur Europäischen Union. Beim nächsten EU-Großbritannien-Gipfel werde er darlegen, wie eine langfristige Zusammenarbeit aussehen könne, sagte Burnham am Dienstag auf dem Labour-Parteitag in Liverpool.

Merz: Russland "nicht an ernsthaften" Ukraine-Gesprächen interessiert

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sieht das jüngste Gespräch zwischen Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) und dem russischen Außenminister Sergej Lawrow als Beleg für Russlands fehlende Bereitschaft zu ernsten Friedensverhandlungen. "Die anschließende Bewertung dieses Gesprächs durch Russland hat gezeigt, dass Russland offensichtlich überhaupt nicht an ernsthaften Gesprächen zum jetzigen Zeitpunkt interessiert ist", sagte Merz am Dienstag in Berlin bei einer Pressekonferenz mit dem kasachischen Präsidenten Kassym-Schomart Tokajew.

Textgröße ändern: