The National Times - UNHCR-Sprecher: Nie dagewesene Flüchtlingssituation in Ukraine-Nachbarländern

UNHCR-Sprecher: Nie dagewesene Flüchtlingssituation in Ukraine-Nachbarländern


UNHCR-Sprecher: Nie dagewesene Flüchtlingssituation in Ukraine-Nachbarländern
UNHCR-Sprecher: Nie dagewesene Flüchtlingssituation in Ukraine-Nachbarländern

Der Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Deutschland, Chris Melzer, sieht in der großen Zahl von Flüchtlingen aus der Ukraine eine nie dagewesene Situation. Binnen einer Woche seit Kriegsbeginn seien mehr als eine Million Flüchtlinge registriert worden - "das haben wir so noch nicht gehabt nach 1945", sagte er am Donnerstag bei einer Online-Pressekonferenz. Allein am Sonntag seien in Polen rund 100.000 Menschen eingetroffen.

Textgröße ändern:

Melzer hält sich derzeit im polnisch-ukrainischen Grenzgebiet auf. Die Situation beschrieb er als "dramatisch". Viele Neuankömmlinge hätte 50 oder 60 Stunden Autofahrt hinter sich. Allein aus der ukrainischen Hauptstadt Kiew mit dem Auto herauszukommen, dauere teils zwölf Stunden. Dann würden die Menschen weiterfahren bis zur Grenze, während die Temperaturen nachts auf minus fünf Grad sinken würden. Viele hätten nur eine Tasche dabei. Die Menschen "versuchen, ihr blankes Leben zu retten".

Wegen der Generalmobilmachung dürfen männliche Staatsbürger der Ukraine das Land derzeit nicht verlassen. Somit kämen Frauen und Kinder an die Grenze "in dem Wissen, dass der Ehemann, dass der Papi zurückgeblieben ist", beschrieb Melzer die Situation.

Körperlich seien die Eintreffenden laut Ärzten vor Ort in recht gutem Zustand. Sie seien lediglich "durchgefroren und müssen dringend was essen". Die psychische Belastung allerdings sei extrem.

"So herzzerreißend es auf der östlichen Seite der Grenze ist, so herzerwärmend ist es auf der westlichen", berichtete Melzer weiter. Die Menschen in Polen zeigten "unglaubliche Solidarität", böten Unterkünfte, brächten Sachspenden zur Grenze. Manche würden den Flüchtlingen anbieten, sie in eine Stadt ihrer Wahl zu fahren, wo die Ukrainer beispielsweise Verwandte hätten.

Sehr viele der eintreffenden Flüchtlinge hätten familiäre Verbindungen in Polen, führte Melzer aus. Daher kämen sie oft "auf eigene Faut" unter. Die staatlich organisierten Erstaufnahmeeinrichtungen seien deswegen trotz der hohen Zahl von Flüchtlingen nicht voll.

Zur weiteren Entwicklung der Zahlen wollte Melzer keine Prognose abgeben. Die hänge vom Verlauf des Krieges ab. Seinem Eindruck nach flaue die erste Welle der Fluchtbewegungen derzeit langsam ab. Melzer betonte, das UNHCR habe keine Anzeichen dafür, dass es an der polnischen Grenze Zurückweisungen gegeben hätte. Die polnischen Behörden würden "jeden" hereinlassen.

Den Menschen, die den Flüchtlinge helfen wollten, riet Melzer in erster Linie zu Geldspenden an das UNHCR oder andere Hilfsorganisationen. Seine Organisation sei "für jeden Cent dankbar". Wer Sachspenden zur Verfügung stellen oder selbst aktiv mithelfen wolle, könne sich beispielsweise an das Rote Kreuz wenden.

A.Wood--TNT

Empfohlen

Bundesinnenministerium: Bis zu 14.000 Beamte bei Grenzkontrollen im Einsatz

Die Bundespolizei muss bis zu 14.000 Beamtinnen und Beamte einsetzen, um die von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) vor einem Jahr angeordneten flächendeckenden Grenzkontrollen und die damit verbundenen pauschalen Zurückweisungen von Asylbewerbern zu gewährleisten. Das ergibt sich aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion, die den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND, Mittwochsausgaben) vorlag.

Trump: US-Armee setzt Einsatz in Straße von Hormus aus

US-Präsident Donald Trump hat eine Aussetzung des US-Militäreinsatzes zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus bekanntgegeben. Das "Projekt Freiheit" werde "für eine kurze Zeit pausiert, um zu sehen, ob das Abkommen finalisiert und unterzeichnet werden kann oder nicht", erklärte Trump mit Blick auf ein mögliches Friedensabkommen mit dem Iran am Dienstag (Ortszeit) in seinem Onlinedienst Truth Social. Die US-Armee hatte den Einsatz erst am Montag begonnen.

Steinmeier besucht neue Nato-Partner Schweden und Finnland

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht am Mittwoch und Donnerstag die beiden nordischen Staaten Schweden und Finnland, die nach dem Beginn des Ukraine-Krieges der Nato beigetreten sind. Nach Angaben seines Amtes will sich der Bundespräsident in beiden Ländern über deren Sicherheitsmodelle informieren, die als "Vorbilder" für eine gesamtgesellschaftliche Verteidigungsbereitschaft dienen könnten.

CDU und SPD in Rheinland-Pfalz unterzeichnen Koalitionsvertrag

CDU und SPD in Rheinland-Pfalz unterschreiben am Mittwoch (12.00 Uhr) in Mainz ihren gemeinsamen Koalitionsvertrag für die neue Landesregierung. Der designierte Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) und der bisherige Amtsinhaber Alexander Schweitzer (SPD) unterzeichnen das Dokument gemeinsam mit den Mitgliedern der Verhandlungsgruppe. Das ausgehandelte Papier sieht unter anderem mehr Stellen bei der Polizei und ein verbindliches Kindergartenjahr vor.

Textgröße ändern: