The National Times - Gefechte im Sudan gehen trotz internationaler Appelle unvermindert weiter

Gefechte im Sudan gehen trotz internationaler Appelle unvermindert weiter


Gefechte im Sudan gehen trotz internationaler Appelle unvermindert weiter
Gefechte im Sudan gehen trotz internationaler Appelle unvermindert weiter / Foto: © AFP

Im Sudan sind die seit fast einer Woche anhaltenden Kämpfe zwischen Armee und Paramilitärs auch an Eid al-Fitr, dem Fest zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan, weitergegangen. Seit den frühen Morgenstunden war am Freitag in der Hauptstadt Khartum andauernder Gefechtslärm zu hören, seit Beginn der Auseinandersetzungen am vergangenen Samstag sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 400 Menschen getötet und 3500 weitere verletzt worden.

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Gegen Mittag erschütterten erneut Luftangriffe das Stadtzentrum von Khartum, Augenzeugen zufolge wurde dabei die Umgebung des Hauptquartiers der Armee ins Visier genommen. Bei den Gefechten in Khartum wurden mehrere Krankenhäuser stark beschädigt. In der 350 Kilometer südlich der Hauptstadt gelegenen Großstadt El Obeid wurden der sudanesischen Ärztegewerkschaft zufolge vier Kliniken getroffen. Insgesamt seien 70 Prozent der Krankenhäuser im Kampfgebiet "außer Betrieb", erklärte die Gewerkschaft.

Südlich von El Obeid wurde am Donnerstag ein sudanesischer Mitarbeiter der Internationalen Organisation für Migration (IOM) getötet. Der 49-jährige Mann sei während einer Autofahrt mit seiner Familie in einen Schusswechsel geraten und getroffen worden, erklärte IOM-Generaldirektor António Vitorino. Am Sonntag waren im Sudan bereits drei Mitarbeiter des Welternährungsprogramms (WFP) getötet worden.

Unterdessen gingen die diplomatischen Bemühungen um eine Feuerpause weiter. Der britische Außenminister James Cleverly unterbrach eine Reise im Pazifikraum nach Angaben aus London "aufgrund der Lage im Sudan". In Berlin sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts, Deutschlands Ziel sei eine Waffenruhe, um humanitäre Hilfe leisten zu können.

Die Bundesregierung bemüht sich nach Angaben von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) insbesondere um eine Evakuierung der im Sudan befindlichen deutschen Staatsbürger. "Wir sind in den Überlegungen, wie wir die Menschen da rausholen können", sagte Pistorius am Freitag am Rande eines Treffens der Ukraine-Kontaktgruppe auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein. Eine "niedrige dreistellige Zahl" deutscher Staatsbürger hat dem Auswärtigen Amt zufolge bisher um eine Evakuierung aus dem Sudan gebeten.

Auch auf EU-Ebene gehen die Bemühungen um eine Feuerpause und die Evakuierung von rund 1500 Bürgern aus EU-Staaten weiter. Diese müsse wegen der Schließung des Flughafens in Khartum "über den Landweg" erfolgen, erklärte ein EU-Vertreter gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Am Donnerstag hatten unter anderem UN-Generalsekretär António Guterres und US-Außenminister Antony Blinken zu einer dreitägigen Feuerpause aufgerufen. Eine Waffenruhe zu Eid al-Fitr, das auch als Zuckerfest bekannt ist, müsse eine "erste Etappe" sein und einen dauerhaften Waffenstillstand ermöglichen. Sowohl die Armee unter dem Kommando von De-Facto-Machthaber Abdel Fattah al-Burhan als auch die paramilitärischen RSF-Kämpfer unter Anführer Mohamed Hamdan Daglo ignorierten die Appelle jedoch.

Unterdessen kündigten die USA an, Soldaten in die Region zu schicken, um eine mögliche Evakuierung ihrer Staatsbürger zu erleichtern. Südkorea und Japan wollten ihre Staatsbürger nach Angaben aus Tokio und Seoul mit Militärflugzeugen aus dem Sudan bringen.

Im Land selbst trat Armeechef und De-facto-Machthaber al-Burhan erstmals seit Beginn der Kämpfe wieder im Fernsehen auf. In einer Ansprache zum Zuckerfest sagte er, statt Freude herrsche "Zerstörung und Verzweiflung" im Land. "Wir hoffen, dass wir aus dieser Prüfung geeinter hervorgehen werden", sagte er.

Die Kämpfe sind das Ergebnis eines tiefen Risses zwischen der Armee und der RSF, die 2013 von dem Langzeit-Herrscher Omar al-Baschir gegründet worden war. Armeechef al-Burhan und RSF-Anführer Daglo waren seit der Machtübernahme 2019 Verbündete.

P.Murphy--TNT

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