The National Times - Russische Armee verstärkt Druck auf die größten Städte der Ukraine

Russische Armee verstärkt Druck auf die größten Städte der Ukraine


Russische Armee verstärkt Druck auf  die größten Städte der Ukraine
Russische Armee verstärkt Druck auf die größten Städte der Ukraine

Die russische Armee hat am Dienstag den militärischen Druck auf die wichtigsten Städte der Ukraine weiter verstärkt: Die russischen Truppen griffen die zweitgrößte Stadt Charkiw an und zogen nahe der Hauptstadt Kiew zahlreiche Panzer und Militärfahrzeuge zusammen. Mindestens zehn Menschen wurden nach Angaben ukrainischer Rettungskräfte bei der Bombardierung von Charkiw getötet. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell verurteilte den Angriff als Verstoß gegen das Kriegsrecht.

Textgröße ändern:

"Heute hat unser Feind heimtückisch damit begonnen, das Stadtzentrum von Charkiw sowie Wohnviertel zu bombardieren", erklärte der Gouverneur der Region um Charkiw, Oleg Sinegubow, auf Telegram. Er warf Russland vor, "weiterhin schwere Waffen gegen die Zivilbevölkerung" einzusetzen.

In der Nacht hatten die ukrainischen Behörden von einer großen Explosion in der 1,4-Millionen-Einwohner-Stadt im Nordosten der Ukraine berichtet, bei der mindestens elf Menschen getötet wurden. Russische Panzer und gepanzerte Fahrzeuge seien "überall" in der Stadt zu sehen, sagte der Bürgermeister Ihor Terechow laut ukrainischen Medien.

Der EU-Außenbeauftragte Borrell erklärte auf Twitter: "Die russischen Bombenangriffe auf zivile Einrichtungen in Charkiw verstoßen gegen Kriegsrecht." Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach in einer Videobotschaft auf Telegram von "Kriegsverbrechen" und "Staatsterrorismus".

Gefechte und Bombenangriffe wurden auch aus mehreren Städten im Süden der Ukraine gemeldet. Ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums sagte, die russischen Streitkräfte hätten die Kontrolle über die Regionen entlang der Küste des Asowschen Meeres übernommen. Von der annektierten Krim-Halbinsel die Küste entlang vorrückende Streitkräfte seien bis zu den Truppen der pro-russischen Separatisten aus Donezk vorgestoßen.

Die Angaben waren nicht unmittelbar überprüfbar. Die ukrainische Armee hatte noch kurz zuvor vermeldet, sie habe diesen Truppenzusammenschluss verhindern können.

In der Küstenregion am Asowschen Meer liegen mehrere wichtige Großstädte, darunter die strategisch wichtige Hafenstadt Mariupol. Nach einer Offensive war dort am Dienstagmorgen die Stromversorgung ausgefallen. Eduard Bassurin, Kommandeur der separatistischen Kräfte aus Donezk, erklärte, sein Ziel sei es, Mariupol "vollständig" einzukreisen.

Die Stadt Wolnowacha, eine Autostunde nördlich von Mariupol, sei am Dienstag weitgehend "zerstört" worden, sagte der ukrainische Gouverneur der Region Donezk, Pawlo Kirilenko.

Derweil gab es Anzeichen dafür, dass eine Großoffensive der russischen Armee auf Kiew vorbereitet wurde. Satellitenbilder zeigten einen mehr als 65 Kilometer langen russischen Militärkonvoi in der Nähe von Kiew.

Der Konvoi "erstreckt sich von der Umgebung des Antonow-Flughafens (etwa 25 Kilometer vom Zentrum Kiews entfernt) im Süden bis zur Umgebung von Prybirsk" im Norden, teilte das US-Satellitenbildunternehmen Maxar am Montagabend mit.

Das US-Unternehmen veröffentlichte zudem Bilder, die neue Truppenverlegungen von Kampfhubschraubern und Fahrzeugen in Belarus zeigen, weniger als 30 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.

Ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums kündigte am Dienstag zudem Angriffe auf die Infrastruktur des ukrainischen Geheimdienstes in Kiew an und rief Anwohner auf, sich in Sicherheit zu bringen.

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu erklärte, Russland werde seine Angriffe so lange fortsetzen, "bis alle Ziele erreicht sind" - die "Entmilitarisierung" der Ukraine und die "Entnazifizierung" ihrer Führung. Dies hatte bereits Präsident Wladimir Putin immer wieder als Ziel ausgegeben.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte in Berlin, er rechne mit einer weiteren Eskalation des Krieges. "Die Ukraine kämpft buchstäblich um das Überleben", sagte er. "Wir dürfen uns nichts vormachen: Das wird jetzt noch eine ganz, ganz dramatische Zeit werden."

Auf ukrainischer Seite starben nach offiziellen ukrainischen Angaben 350 Zivilisten seit Beginn des russischen Angriffskriegs am vergangenen Donnerstag, darunter 14 Kinder. Russland hatte zunächst keine Angaben zu Verlusten in den eigenen Reihen gemacht. Inzwischen hat es Tote und Verletzte zugegeben, ohne jedoch eine genaue Zahl zu nennen.

Mehr als 660.000 Menschen sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR bereits wegen des Kriegs aus der Ukraine ins Ausland geflüchtet. Innerhalb des Landes sind nach UN-Angaben schätzungsweise eine Million Menschen auf der Flucht.

B.Cooper--TNT

Empfohlen

Merz zur AfD im Osten: Wahlentscheidung nicht getroffen

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich entschlossen gezeigt, der AfD trotz hoher Umfragewerte bei den Wahlen im Osten im September nicht das Feld zu überlassen. "Die Entscheidung ist nicht getroffen", sagte er am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Die Wählerinnen und Wähler entschieden in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September.

Merz: Nehmen Reformpläne ernst und setzen sie um

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat zugesichert, das vom Koalitionsausschuss erarbeitete Reformpaket entschlossen anzupacken. "Wir haben die Absicht, das, was wir da aufgeschrieben haben, nicht nur ernst zu nehmen, sondern auch umzusetzen", sagte er am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Im Koalitionsausschuss am Mittwoch hätten "ganz grundsätzliche Entscheidungen" getroffen werden müssen. "Und ich finde, wir haben die gut getroffen."

Mordfall Caruana Galizia: Mutmaßlicher Auftraggeber soll 150.000 Euro gezahlt haben

In dem Prozess gegen den mutmaßlichen Auftraggeber zur Ermordung der Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia in Malta hat die Staatsanwaltschaft am Donnerstag ihre Anklage dargelegt. Der Geschäftsmann Yorgen Fenech soll einen Bekannten damit beauftragt haben, Menschen zu finden, die die Journalistin "aus dem Weg räumen", wie die Zeitung "Times of Malta" unter Verweis auf die Anklageschrift berichtete. Der Plattform "Amphora Media" der Stiftung Daphne Caruana Galizia zufolge übergab Fenech über den Mittelsmann 150.000 Euro in bar an die späteren Mörder.

21 Tote bei bislang schwersten russischen Angriffen auf Kiew

Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist von den schwersten russischen Angriffen seit Kriegsbeginn getroffen worden: Nach Angaben der Behörden wurden durch den Beschuss in der Nacht zum Donnerstag mindestens 21 Menschen getötet, 85 weitere Menschen wurden verletzt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte Vergeltung an. Moskau seinerseits will indes den "Druck" auf Kiew noch weiter erhöhen.

Textgröße ändern: