The National Times - US-Reporter in Russland wegen Spionagevorwürfen festgenommen

US-Reporter in Russland wegen Spionagevorwürfen festgenommen


US-Reporter in Russland wegen Spionagevorwürfen festgenommen
US-Reporter in Russland wegen Spionagevorwürfen festgenommen / Foto: © AFP

Die russischen Behörden haben einen US-Reporter des "Wall Street Journal" wegen Spionagevorwürfen festgenommen. Der russische Geheimdienst FSB erklärte am Donnerstag, er habe die "illegalen Aktivitäten des US-Bürgers Evan Gershkovich" gestoppt. Die Zeitung wies die Anschuldigungen gegen den 31-Jährigen "vehement" zurück, die Organisation Reporter ohne Grenzen zeigte sich "beunruhigt".

Textgröße ändern:

Der beim russischen Außenministerium akkreditierte Korrespondent des Moskauer Büros des "Wall Street Journal" stehe im Verdacht der "Spionage im Interesse der amerikanischen Regierung", hieß es vom FSB. Der 31-Jährige werde verdächtigt, Informationen "über ein Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes" in Russland gesammelt zu haben. Bei einer Anklage können laut dem russischen Strafgesetzbuch zehn bis 20 Jahre Haft drohen.

Dem FSB zufolge wurde Gershkovich in Jekaterinburg festgenommen, "als er versuchte, geheime Informationen zu beschaffen". Die Stadt liegt 1800 Kilometer östlich von Moskau.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, erklärte, Gershkovich sei "auf frischer Tat" gefasst worden. Auch Kreml-Sprecher Dmitri Peskow betonte, es gehe nicht um bloße Verdächtigungen, der US-Reporter sei vielmehr "ertappt" worden. Konkrete Angaben machte Peskow dazu nicht. Der Kreml-Sprecher warnte die USA vor Repressalien gegen russische Journalisten: "Wir hoffen, dass es nicht dazu kommt und es darf nicht dazu kommen."

Das "Wall Street Journal" wies die Anschuldigungen gegen seinen Reporter "vehement" zurück und erklärte, es sei "zutiefst in Sorge um die Sicherheit von Herrn Gershkovich". Reporter ohne Grenzen zeigte sich "beuhruhigt über das, was nach einer Vergeltungsmaßnahme aussieht". Der Organisation zufolge recherchierte der 31-Jährige "zum Militärunternehmen Wagner", eine Söldnergruppe, die eine wichtige Rolle bei Russlands Offensive in der Ukraine spielt.

Bevor Gershkovich im vergangenen Jahr zum "Wall Street Journal" wechselte, war er Korrespondent für die Nachrichtenagentur AFP in Moskau. Zuvor arbeitete er für die "Moscow Times", ein englischsprachiges Nachrichtenportal. Gershkovich ist gebürtiger Russe, seine Familie wanderte in die USA aus, als er noch ein Kind war.

Die Festnahme des 31-Jährigen stellt eine Eskalation in den Bemühungen des Kremls dar, vermeintliche Kritiker zum Schweigen zu bringen. Westliche Journalisten sind in Russland mit zunehmenden Einschränkungen konfrontiert.

Mitarbeiter westlicher Medien berichten teilweise von Beschattungen - besonders bei Reisen außerhalb der Ballungszentren Moskau und St. Petersburg. Viele Russen zögern, mit ausländischen Medien zu sprechen, da im Zuge der Offensive in der Ukraine strenge Zensurgesetze erlassen wurden.

Auch russische Journalisten sehen sich Spionagevorwürfen von russischen Behörden ausgesetzt. Im vergangenen Jahr wurde der frühere Investigativjournalist Iwan Safronow wegen angeblichen Verrats von Staatsgeheimnissen zu 22 Jahren Haft verurteilt.

"Das Problem ist die Tatsache, dass die Art und Weise, wie der FSB Spionage heute auslegt, bedeutet, dass jeder, der sich einfach nur für militärische Angelegenheiten interessiert, für 20 Jahre inhaftiert werden kann", erklärte die russische Politologin Tatiana Stanowaja im Onlinedienst Facebook. Dies betreffe auch die "militärische Spezialoperation (in der Ukraine)" und "private Militärgruppen (wie Wagner)".

Stanowaja zufolge könnte der FSB Gershkovich aber auch als "Geisel" für einen möglichen Gefangenenaustausch genommen haben. Derzeit sind mehrere US-Bürger in Russland in Haft. Washington und Moskau haben sich gegenseitig beschuldigt, politisch motivierte Festnahmen vorzunehmen. 2020 war der frühere US-Soldat Paul Whelan in Russland zu einer 16-jährigen Haftstrafe wegen des Vorwurfs der "Spionage" verurteilt worden. Die USA fordern seine Freilassung.

Den jüngsten Gefangenenaustausch zwischen Washington und Moskau gab es im vergangenen Dezember. Damals ließ Russland die US-Basketballerin Brittney Griner im Austausch gegen den russischen Waffenhändler Viktor Bout frei.

G.Morris--TNT

Empfohlen

Trump bestreitet Waffenangebot an China

US-Präsident Donald Trump hat bestritten, dem chinesischen Staatschef Xi Jinping den Verkauf von US-Waffen angeboten zu haben. Trump wies am Montag Angaben des US-Botschafters in China, David Perdue, zurück. Er habe mit Xi nicht über Rüstungsgeschäfte gesprochen, sagte der Präsident.

Putin ordnet weitere Aufstockung der russischen Armee an

Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Montag ein Dekret unterzeichnet, das die Personalstärke der Armee um weitere 15.500 Soldaten erhöht. "Die zulässige Personalstärke der russischen Streitkräfte wird auf 2.441.630 Menschen festgesetzt, darunter 1.550.500 Militärangehörige", hieß es in dem Dekret. Einen Grund nannte Putin nicht. Er hatte bereits im März, Juni und Juli eine Aufstockung der Armee verkündet.

USA: Keine Pläne für Waffenverkauf an China

Die USA halten nach Angaben aus Washington an ihrem langjährigen Waffenembargo gegen China fest. "Die US-Regierung hat keine Pläne, Waffen an China zu verkaufen", sagte ein Regierungsvertreter am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Er wies damit Angaben des US-Botschafters in China, David Perdue, zurück.

Eine Tote bei russischem Angriff auf Akademie der Wissenschaften in Kiew

Bei einem russischen Drohnenangriff auf die Akademie der Wissenschaften im normalerweise gut geschützten Zentrum der ukrainischen Hauptstadt Kiew ist nach ukrainischen Angaben eine Frau getötet worden. Sechs weitere Menschen seien verletzt worden, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Montag. Derweil wurde nach ukrainischen Angaben ein Grenzübergang zu Polen bei einem russischen Drohnenangriff beschädigt.

Textgröße ändern: