The National Times - Zehn Tote bei Auseinandersetzungen zwischen israelischer Armee und Palästinensern

Zehn Tote bei Auseinandersetzungen zwischen israelischer Armee und Palästinensern


Zehn Tote bei Auseinandersetzungen zwischen israelischer Armee und Palästinensern
Zehn Tote bei Auseinandersetzungen zwischen israelischer Armee und Palästinensern / Foto: © AFP

Bei Auseinandersetzungen im Westjordanland hat die israelische Armee am Donnerstag zehn Menschen getötet. Neun davon starben bei einer israelischen Razzia im Flüchtlingslager Dschenin, ein Mann wurde dem palästinensischen Gesundheitsministerium zufolge von israelischen Soldaten in al-Ram nahe Jerusalem getötet. Unter Verweis auf die Razzia in Dschenin kündigte die Palästinenserbehörde ihre Sicherheitszusammenarbeit mit Israel auf.

Textgröße ändern:

Unter den Toten in Dschenin ist nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums eine ältere Frau, 20 weitere Menschen seien verletzt worden. Eine so hohe Opferzahl bei einem einzigen israelischen Einsatz im Westjordanland hat die UNO seit Beginn ihrer Zählungen im Jahr 2005 noch nicht festgehalten.

Die israelische Armee sprach mit Blick auf Dschenin von einer "Anti-Terrorismus-Operation". Die Palästinenser warfen der Armee vor, absichtlich Tränengas in die Kinderstation eines Krankenhauses geschossen zu haben, die israelische Armee bestritt dies.

Ein weiterer Palästinenser wurde später nach palästinensischen Angaben im zwischen Jerusalem und Ramallah gelegenen al-Ram erschossen. Der offiziellen palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa zufolge wurde der Mann während Protesten gegen die Razzia in Dschenin getötet.

Mit den Todesopfern von Donnerstag stieg die Zahl der in diesem Jahr bislang getöteten Palästinenser im Westjordanland auf 30. Die meisten von ihnen wurden bei Auseinandersetzungen mit der israelischen Armee erschossen.

Die Palästinenserbehörde setzte ihre Sicherheitszusammenarbeit mit Israel aus und begründete dies mit der Razzia in Dschenin. Angesichts "wiederholter Angriffe auf unser Volk" und der "Verletzungen unterzeichneter Abkommen insbesondere im Sicherheitsbereich" betrachte seine Behörde die Zusammenarbeit mit der "israelischen Besatzungsregierung" als beendet, erklärte das Büro von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas.

Die US-Regierung drückte ihr Bedauern über die Entscheidung aus. Es sei vielmehr wichtig, dass beide Seiten "die Sicherheitskoordinierung beibehalten und, wenn möglich, sogar noch vertiefen", erklärte Barbara Leaf, US-Chefdiplomatin für den Nahen Osten. Kommende Woche besucht US-Außenminister Antony Blinken Israel und die Palästinensergebiete. Unter anderem sind Treffen mit dem seit Januar wieder amtierenden israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Abbas geplant.

Die israelische Armee widersprach am Donnerstag palästinensischen Vorwürfen zu ihrem Einsatz in Dschenin. "Niemand hat absichtlich Tränengas auf ein Krankenhaus geschossen", sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur AFP. "Aber die Operation war nicht weit vom Krankenhaus entfernt und es ist möglich, dass etwas Tränengas durch ein offenes Fenster hineingelangte."

Die palästinensische Gesundheitsministerin Mai al-Kaila hatte zuvor mitgeteilt, "Besatzungstruppen" hätten ein Krankenhaus in Dschenin "gestürmt und absichtlich Tränengas auf die Kinderabteilung des Krankenhauses abgefeuert". Sie sagte auch, israelische Streitkräfte hätten Rettungswagen daran gehindert, die Verletzten zu erreichen.

Der Chef des Krankenhauses in Dschenin, Wisam Bakr, sprach zwar von israelischen Schüssen nahe seiner Klinik - jedoch nicht davon, dass gezielt auf das Krankenhaus gefeuert worden wäre.

Die israelische Armee sprach von einer "Anti-Terrorismus-Operation zur Festnahme einer Terrorgruppe des Islamischen Dschihads", die ein Attentat in Israel geplant habe. Bei dem Einsatz seien Soldaten unter Beschuss geraten und hätten ihrerseits mehrere Kämpfer erschossen. Israelische Soldaten seien nicht verletzt worden.

Ein AFP-Fotograf sah vor Ort junge Palästinenser, die Steine auf israelische Militärfahrzeuge warfen, bevor die Soldaten aus Dschenin abzogen. Das Flüchtlingslager aus dem Jahr 1953 ist eine Stadt in der Stadt, in der nach Angaben des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) 20.000 Menschen leben.

Die palästinensische Regierung rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Tausende kamen am frühen Nachmittag zu den Beerdigungen in Dschenin. Die sterblichen Überreste der neun Todesopfer waren in palästinensischen Flaggen eingehüllt.

Die Arabische Liga forderte internationales Handeln und verurteilte das "blutige Massaker" unter "den direkten Befehlen" der Regierung Netanjahu. Die den Gazastreifen kontrollierende radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas erklärte, Israel werde "den Preis für das Massaker von Dschenin zahlen".

Das vergangene Jahr war laut UNO im Westjordanland das Jahr mit den meisten Todesopfern seit dem Ende der Zweiten Intifada, dem Palästinenser-Aufstand von 2000 bis 2005. Der UN-Gesandte für den Nahen Osten, Tor Wennesland, erklärte, er sei "zutiefst beunruhigt und traurig über die kontinuierliche Spirale der Gewalt im besetzten Westjordanland".

F.Hammond--TNT

Empfohlen

Erste Begegnung seit Kriegsbeginn: Wadephul trifft russischen Außenminister Lawrow

Erstmals seit dem Beginn des Ukraine-Krieges vor viereinhalb Jahren haben sich die Außenminister aus Deutschland und Russland getroffen - eine Annäherung gab es aber nicht. Bei seinem Gespräch mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow am Samstag in New York seien die "fundamentalen Unterschiede" bei der Beurteilung des Krieges deutlich geworden, sagte Außenminister Johann Wadephul (CDU) der ARD. Bei gegenseitigen Angriffen in Russland und der Ukraine wurden am Wochenende mehr als 20 Menschen getötet.

Brantner und Banaszak kandidieren erneut als Grünen-Vorsitzende

Die Grünen-Vorsitzenden Franziska Brantner und Felix Banaszak streben eine zweite Amtszeit an. Beide wollen sich beim Parteitag Anfang Dezember erneut zur Wahl stellen, wie sie am Sonntag mitteilten. "Ich kandidiere erneut als euer Bundesvorsitzender, um mit euch allen unsere Partei für die nächste Bundestagswahl aufzustellen", schrieb Banaszak in einer Mail an seiner Unterstützer. Sie bewerbe sich "gemeinsam mit Felix erneut um den Co-Vorsitz unserer Partei", teilte Brantner auf Instagram mit.

Großbritannien: Ernster Vorfall nahe Luftwaffenbasis - Mehrere Festnahmen

Die britische Polizei hat in der Nähe eines Luftwaffenstützpunkts mehrere Männer wegen Verdachts des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz festgenommen. Experten für die Entschärfung von Bomben würden derzeit "mehrere Fahrzeuge untersuchen", teilte die Polizei der südwestlichen Grafschaft Gloucestershire am Sonntag mit und sprach von einem ernsten Vorfall. Medienberichten zufolge übernahm die Anti-Terror-Polizei die Ermittlungen. Die Royal Air Force-Basis Fairford wird auch von der US-Luftwaffe genutzt.

Schweizer lehnen strengere Auslegung von Neutralität ab

Die Menschen in der Schweiz haben mit großer Mehrheit gegen eine strengere Auslegung der politischen Neutralität ihres Landes gestimmt. Bei einer Volksabstimmung am Sonntag votierten laut Prognosen 71 Prozent der Stimmberechtigten dafür, die Neutralität in der bestehenden Form beizubehalten. Damit kann die Schweiz auch weiterhin Sanktionen der EU etwa gegen Russland übernehmen.

Textgröße ändern: