The National Times - SPD stellt sich nach Russland-Debakel in Außen- und Sicherheitspolitik neu auf

SPD stellt sich nach Russland-Debakel in Außen- und Sicherheitspolitik neu auf


SPD stellt sich nach Russland-Debakel in Außen- und Sicherheitspolitik neu auf
SPD stellt sich nach Russland-Debakel in Außen- und Sicherheitspolitik neu auf / Foto: © AFP

Nach der Fehleinschätzung in den Beziehungen zu Russland will sich die SPD in der Außen- und Sicherheitspolitik grundlegend neu aufstellen. SPD-Chef Lars Klingbeil stellte am Montag einen 21-seitigen Entwurf für ein Positionspapier dem Parteipräsidium vor, das im Dezember beim Bundesparteitag beschlossen werden soll. Es sieht unter anderem eine Verringerung der Abhängigkeit von China vor, bekennt sich zum Zwei-Prozent-Ziel der Nato bei den Verteidigungsausgaben und fordert, dass Deutschland künftig international eine Führungsrolle einnimmt.

Textgröße ändern:

Europa müsse geopolitisch selbstbewusst auftreten und solle "Anker für eine wertegeleitete Interessenpolitik in einer multipolaren Welt sein", heißt es in dem Papier mit dem Titel "Sozialdemokratische Antworten auf eine Welt im Umbruch" weiter. Die EU müsse "mit starker Stimme für Frieden, Freiheit, Menschenrechte und die Verteidigung der regelbasierten Ordnung eintreten".

Deutschland müsse seinerseits seine "jahrzehntelange Zurückhaltung" auf internationaler Bühne aufgeben und "Führung übernehmen", sagte Klingbeil. Dies bedeute nicht, sich über andere hinwegzusetzen, sondern "kooperative Führung".

Voraussetzung dafür müsse "eigene Stärke" sein, sagte der SPD-Chef weiter. Dazu müsse Deutschland nicht nur mit dem 100 Milliarden Euro schweren Sondervermögen seine Bundeswehr ausbauen, sondern auch seine diplomatischen Fähigkeiten stärken.

Als Konsequenz aus der Abhängigkeit von Russland bei Energielieferungen fordert das Papier, für eine vorausschauende und strategische Außen- und Sicherheitspolitik künftig "in Szenarien" zu denken - also Möglichkeiten eines Bruchs von Beziehungen von vornherein einzubeziehen.

Klingbeil nannte als Beispiel einen möglichen Angriff Chinas auf Taiwan. Zwar sei es aus heutiger Sicht "illusorisch", die Beziehungen abzubrechen, sagte er. Deutschland müsse aber künftig einseitige Abhängigkeiten etwa bei Lieferketten für die Wirtschaft vermeiden und Alternativen schaffen. Bei der Rohstoff-Beschaffung müsse "nach dem Prinzip 'China plus eins'" vorgegangen werden, "bei dem wir neben China immer auch einen alternativen Lieferanten haben", heißt es in dem Papier. Klingbeil betonte, gleichzeitig müsse jede Möglichkeit genutzt werden, China vor einem Angriff auf Taiwan zu warnen.

Mit Blick auf Russland gehe es nun darum, "Sicherheit in Europa vor Russland (zu) organisieren", heißt es in dem Strategiepapier, das von der Kommission für Internationale Politik der SPD ausgearbeitet wurde. Klingbeil betonte, ihm fehle die Phantasie sich vorzustellen, wie nach dem russischen Angriff auf die Ukraine "in der jetzigen Kriegssituation" kooperative Beziehungen zu Russland aussehen könnten. "Das ist ein Bruch auch mit dem, was wir bisher als SPD formuliert hatten, wo es immer darum ging, Sicherheit und Stabilität in Europa mit Russland zu organisieren."

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), der an der Präsidiumssitzung teilgenommen hatte, habe das Strategiepapier "ganz gut" gefunden, sagte Klingbeil. Das sei "für einen Hanseaten schon Mal ein großes Kompliment".

Das Strategiepapier soll nun in der Partei mit Veranstaltungen in den Landes- und Bezirksverbänden und der Fraktion breit diskutiert werden, sagte Klingbeil. Er hoffe dann im Dezember auf "einen kraftvollen Beschluss beim Bundesparteitag".

T.Cunningham--TNT

Empfohlen

Nordirland: 2000 Menschen blockieren umstrittene Parade des Oranier-Ordens

In der nordirischen Stadt Portadown haben rund 2000 Menschen eine kurz zuvor genehmigte umstrittene Parade des protestantischen Oranier-Ordens blockiert. Sie marschierten am Sonntagmorgen im Gebiet der Garvaghy Road in einem katholischen Viertel der Stadt auf, um die geplante Kundgebung der Protestanten zu verhindern. Ein Gericht hatte dem Oranier-Orden in der Nacht zum Sonntag die Parade genehmigt.

Prognosen: Schweizer lehnen strengere Auslegung von Neutralität ab

Die Menschen in der Schweiz haben laut Prognosen in einer Volksabstimmung gegen eine strengere Auslegung der politischen Neutralität ihres Landes gestimmt. Wie das Meinungsforschungsinstitut gfs.bern am Sonntag nach Schließung der Wahllokale bekanntgab, deuten Nachwahlbefragungen auf eine Ablehnung der Neutralitätsinitiative hin.

Missbrauch in der Kirche: Papst Leo XIV. mahnt zu "höchster Wachsamkeit"

Papst Leo XIV. hat mit Blick auf sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche zu "höchster Wachsamkeit" aufgerufen. Bei einem Treffen mit den französischen Bischöfen am Sonntag in Lourdes sprach er von der "schmerzhaften Wunde des Missbrauchs an Minderjährigen, der von Mitgliedern des Klerus oder im kirchlichen Kontext begangen wurde".

Hälfte des Senats in Frankreich wird neu gewählt

In Frankreich werden am Sonntag Teilwahlen für den Senat, das Oberhaus des Parlaments, abgehalten. In rund 60 Départements traten die Wahlkollegien zusammen, um 178 der insgesamt 348 Senatoren für einen Zeitraum von sechs Jahren zu wählen. Bei den landesweit insgesamt mehr als 93.000 Wahlleuten in den Kollegien handelt es sich überwiegend um Kommunalpolitiker.

Textgröße ändern: