The National Times - Biontech will drei deutsche Standorte schließen und massiv Stellen abbauen

Biontech will drei deutsche Standorte schließen und massiv Stellen abbauen


Biontech will drei deutsche Standorte schließen und massiv Stellen abbauen
Biontech will drei deutsche Standorte schließen und massiv Stellen abbauen / Foto: © AFP

Das Biotechnologieunternehmen Biontech will drei seiner Standorte in Deutschland schließen, darunter den des erst kürzlich übernommenen Konkurrenzen Curevac. "Biontech plant, die Produktionsstandorte in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur sowie an den Standorten von Curevac zu schließen", erklärte das Mainzer Pharmaunternehmen am Dienstag. Davon betroffen sein könnten demnach "bis zu rund 1860 Stellen" - rund ein Viertel der Belegschaft. Die Industriegewerkschaft IGBCE kritisierte einen "skrupellosen" Kahlschlag.

Textgröße ändern:

Die Biontech-Standorte in Idar-Oberstein und Marburg sowie die ehemaligen Curevac-Standorte in Tübingen sollen demnach bis Ende 2027 "teilweise oder vollständig" verkauft werden, wie das Unternehmen ausführte. Biontech hatte die Tübinger Firma erst im vergangenen Jahr für rund eine Milliarde Euro übernommen. Der Betrieb in Singapur soll den Angaben nach im ersten Quartal 2027 eingestellt werden.

Im ersten Quartal fuhr Biontech einen weiteren Millionenverlust ein, wie das Unternehmen weiter mitteilte. Zuletzt waren die Umsätze mit Corona-Impfstoffen deutlich zurückgegangen, während die Forschungs- und Entwicklungskosten weiter anstiegen. Im ersten Quartal blieb bei einem Umsatz von etwa 118 Millionen Euro ein Nettoverlust von rund 532 Millionen Euro.

Die Standortschließungen sollen nun jährlich Einsparungen in Höhe von rund 500 Millionen Euro bringen. Das Geld will das Unternehmen nutzen, um die Entwicklung von Krebsmedikamenten und deren Kommerzialisierung voranzutreiben. "Wir werden uns weiterhin auf die beschleunigte Entwicklung unserer wichtigsten strategischen Programme konzentrieren, während wir an unserer Vision festhalten, die Gesundheit von Patientinnen und Patienten mit Krebs auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zu verbessern", erklärte Biontech-Chef und Ko-Gründer Ugur Sahin.

Biontech hatte den ersten zugelassenen Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt und war in der Folge zu einem der wertvollsten Unternehmen in Deutschland aufgestiegen. Auch Curevac hatte an der Entwicklung von Impfstoffen auf Basis der mRNA-Technologie gearbeitet, schaffte es trotz staatlicher Förderung aber nicht, einen Impfstoff zur Zulassung zu bringen. Zusammen mit Curevac hat sich Biontech der Erforschung neuer Medikamente gegen Krebs, ebenfalls auf mRNA-Basis, verschrieben.

Sahin und seine Frau und Biontech-Mitgründerin Özlem Türeci hatten im März angekündigt, sich aus dem Unternehmen zurückziehen und ein neues Unternehmen gründen zu wollen. Die neue Firma soll sich Innovationen im Bereich mRNA widmen. Sie soll weiterhin Verbindungen zu Biontech haben, welches sich auf die Entwicklung und Vermarktung seiner Medikamente, insbesondere im Bereich der Onkologie, konzentrieren soll.

"Im Konzern haben offenbar endgültig die Rechenschieber das Regiment übernommen", kommentierte Roland Strasser von der IGBCE die Entwicklung. "Aus kurzfristigem finanziellem Kalkül streichen sie radikal Produktionskapazitäten zusammen und schaden damit der Resilienz des Pharma- und Biotech-Standorts Deutschland."

F.Jackson--TNT

Empfohlen

TK-Chef schlägt Radikalreform vor: "Private und gesetzliche Kassen abschaffen"

Der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, spricht sich für einen Umbau des dualen Systems in der Krankenversicherung aus. "Wir sollten die private Krankenversicherung abschaffen, die gesetzliche aber auch", sagte Baas dem "Spiegel" laut Meldung vom Freitag. Die TK ist mit mehr als zwölf Millionen Versicherten die größte Krankenkasse in Deutschland. Baas schlägt ein System vor, in dem das Beste aus beiden Welten genutzt werden könnte.

Vier Einsatzkräfte sterben im Kampf gegen Waldbrände in Indonesien

Im Kampf gegen die schweren Waldbrände in Indonesien sind vier Einsatzkräfte ums Leben gekommen. Die Männer wurden beim Löscheinsatz in einem Nationalpark auf der Insel Java von Flammen und dichtem Rauch eingeschlossen, wie die Behörden am Freitag berichteten. Zwei weitere Menschen erlitten schwere Verbrennungen. Die Regierung in Singapur kündigte derweil an, juristisch gegen für die Waldbrände verantwortliche Unternehmen vorzugehen. Singapur leidet wie weitere Staaten Südostasiens seit Tagen unter dem durch die Waldbrände verursachten giftigen Smog.

Linnemann verteidigt Reform von Notfallversorgung: "Notaufnahmen werden entlastet"

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hat die geplante Reform der Notfallversorgung verteidigt. "Die Notaufnahmen werden entlastet und können sich in Zukunft auf die Fälle konzentrieren, die wirklich schnelle Hilfe brauchen", sagte Linnemann am Donnerstag im Bundestag. Kernstück der Reform seien die Integrierten Notfallzentren, die an vielen Kliniken angedockt werden sollen.

Bundestag entscheidet über Reform von Notfallversorgung

Der Bundestag stimmt am Donnerstag (09.00 Uhr) abschließend über die geplante Reform der Notfallversorgung ab. Mit dieser sollen sogenannte Integrierte Notfallzentren aufgebaut werden, bestehend aus der Notaufnahme eines Krankenhauses, einer Notdienstpraxis und einer Ersteinschätzungsstelle. Zudem soll die Rufnummer 116117 der Kassenärztlichen Vereinigungen ausgebaut werden. Ziel ist eine Entlastung der Rettungsdienste und Notaufnahmen sowie eine effektivere Versorgung von Patientinnen und Patienten.

Textgröße ändern: