The National Times - Zahnarzt selbst zahlen: CDU-Wirtschaftsrat fordert Kahlschlag bei Sozialleistungen

Zahnarzt selbst zahlen: CDU-Wirtschaftsrat fordert Kahlschlag bei Sozialleistungen


Zahnarzt selbst zahlen: CDU-Wirtschaftsrat fordert Kahlschlag bei Sozialleistungen

Zahnarztbesuche werden nicht mehr von der Versicherung bezahlt, Arbeitslosengeld gibt es grundsätzlich nur noch ein Jahr lang, Mütterrente und Rente mit 63 werden gestrichen: Mit solchen Vorschlägen will der CDU-Wirtschaftsrat den Anstieg der Sozialabgaben verhindern. Der Unternehmensverband veröffentlichte am Sonntag seine "Agenda für Arbeitnehmer", die auf der Gegenseite auch Steuersenkungen für Beschäftigte vorsieht. Unter dem Strich würden Arbeitnehmer "deutlich entlastet", betonte der Verband.

Textgröße ändern:

"Wir fordern (...) eine echte Agenda für die Arbeitnehmer in diesem Land – eine Agenda, die Leistung belohnt, für bezahlbare Energie sorgt, die Bildung von Wohneigentum ermöglicht und eine Schneise durch die Bürokratie schlägt", sagte der Generalsekretär des Wirtschaftsrates, Wolfgang Steiger. Die Arbeitslosenrate, die im Januar auf über drei Millionen gestiegen war, sei ein "unmissverständliches Signal, dass die Politik jetzt endlich alles tun muss, um das Aufstiegsversprechen zu erneuern und Wachstumskräfte zu entfesseln".

Zu den Vorschlägen gehört, das Renteneintrittsalter "mittelfristig" an die Lebenserwartung zu koppeln und so über das Alter von 67 Jahren hinaus zu erhöhen. In der Pflegeversicherung müssten private Zusatzversicherungen "künftig eine größere Rolle spielen".

In der gesetzlichen Krankenversicherung solle der Leistungskatalog überprüft werden - "verschiedene Leistungen, etwa Zahnarztbehandlungen, lassen sich generell gut privat absichern und sollten nicht länger im Umlageverfahren den Beitragszahlern zur Last fallen". In der Unfallversicherung sollen demnach nicht länger Unfälle auf Arbeitswegen abgesichert sein.

Die "explodierenden Sozialabgaben" seien ein besonderes deutsches Problem, erklärte der Wirtschaftsrat. Sie lagen demnach bis 1985 unter 35 Prozent, durchbrachen 2023 die "Schallmauer" von 40 Prozent und laufen auf 45 Prozent zu. Umso wichtiger sei hier Sparsamkeit.

Die Steuerlast für Arbeitnehmer will der Unternehmensverband auf der anderen Seite deutlich senken. Dafür solle der Grundfreibetrag spürbar steigen, "inflationsbereinigt verharrt dieser seit 25 Jahren auf der Stelle". Die Einkommensschwelle für den Spitzensteuersatz müsse erhöht werden - die Schwelle von aktuell knapp 70.000 Euro sei "ein schlechter Witz". Bei der Einkommensteuer solle es einen automatischen Inflationsausgleich geben. Auch Gutverdiener sollen keinen Solidaritätszuschlag mehr zahlen.

Die Unternehmensteuer, fordert der Wirtschaftsrat, soll auf 25 Prozent sinken. Sie liegt derzeit laut Bundesfinanzministerium bei durchschnittlich 30 Prozent.

Weitere Vorschläge des Wirtschaftsrates sind, die Energiekosten für alle zu senken, den Kauf von Immobilien zu erleichtern, unter anderem durch eine Streichung der Grunderwerbsteuer, und Bürokratie abzubauen.

Der CDU-Wirtschaftsrat war 1963 auf Anregung von Ludwig Erhard gegründet worden. Er vertritt eigenen Angaben zufolge rund 13.000 Unternehmen.

Generalsekretär Steiger kritisierte, dass die SPD zu einer "Partei für die Belange der Transferempfänger mutiert" sei und "in erschreckendem Maße die Unterstützung der Arbeiter und Angestellten verloren" habe. Das drohe auch der CDU, "wenn sie weiterhin in so starkem Maße wie bislang die Vorstellungen der SPD mitträgt".

Der SPD-Politiker Bernd Rützel, Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit und Soziales im Bundestag, nannte die Vorschläge des Wirtschaftsrats einen "Schlag ins Gesicht von 90 Prozent der Deutschen". Er rate der CDU dazu, "solche Vorschläge schnell wieder zu vergessen", sagte er der "Augsburger Allgemeinen" (Montagsausgabe).

Der Linken-Politiker Fabio De Masi erklärte: "Wer den Zahnarztbesuch nicht mehr erstattet, wird nur mehr Folgekosten verursachen und die private Kaufkraft weiter schwächen." Eine Regierung, "die die Wirtschaft ins Koma versetzt und nicht einmal die Absenkung der Stromsteuer oder mehr Investitionen in die Infrastruktur auf die Reihe bekommt, sollte zum Zahnarzt schweigen", riet er.

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) nannte das Papier "unsozial" und "verstörend". Ein Ausschluss der Zahnversorgung aus der Krankenversicherung etwa würde die bereits bestehende Zwei-Klassen-Medizin noch befeuern, sagte Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Vermögende hätten schöne Zähne, Bedürftige noch mehr Lücken."

S.Lee--TNT

Empfohlen

Unions- und SPD-Politiker bringen Erhöhung der Tabaksteuer ins Spiel

Angesichts der finanziellen Schieflage der gesetzlichen Krankenkassen haben Unions- und SPD-Politiker eine Erhöhung der Tabaksteuer ins Spiel gebracht. Es müsse "bei Tabak als Verursacher der Kosten auch über höhere Tabaksteuern" gesprochen werden, sagte der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck (CDU) der "Bild" (Freitag). Tabakkonsum koste in Deutschland jedes Jahr rund 131.000 Menschen das Leben und verursache über 30 Milliarden Euro direkte Gesundheitskosten sowie fast 70 Milliarden Euro volkswirtschaftliche Folgekosten.

Britische Marine verschärft Vorgaben für Alkoholkonsum auf Schiffen

Die britische Marine verschärft ihre Vorgaben für den Alkoholkonsum an Bord ihrer Schiffe. Nach den in dieser Woche veröffentlichten neuen Vorgaben sind Angehörige der Royal Navy angehalten, unabhängig von ihrem Rang auf See nicht mehr als drei britische Alkoholeinheiten pro Tag und maximal 14 Alkoholeinheiten pro Woche zu konsumieren. Eine britische Alkoholeinheit entspricht gemäß den Vorgaben des nationalen Gesundheitsdiensts (NHS) acht Gramm reinem Ethanol - etwas weniger als der Alkoholgehalt von einem Achtel Weißwein.

Statistik: Annähernd jeder zweite Mensch erkrankt im Laufe des Lebens an Krebs

Annähernd jeder zweite Mensch in Deutschland erkrankt dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge im Laufe seines Lebens an Krebs. Wie das bundeseigene Institut am Donnerstag in Berlin unter Berufung auf statistische Risikoberechungen mitteilte, trifft die Krankheit 49 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen. Etwa jede sechste Frau und jeder siebte Mann erkrankt dabei vor dem 65. Lebensjahr. Laut neuesten verfügbaren Zahlen wurden demnach 2023 bundesweit knapp 518.000 Krebserkrankungen diagnostiziert.

Skandal um Säuglingsnahrung: Französische Familien und Foodwatch reichen Klage ein

Vor dem Hintergrund eines Skandals um verunreinigte Babymilch haben acht Familien und die Organisation Foodwatch in Frankreich Klage eingereicht. Sie werfen den betroffenen Unternehmen und Behörden vor, zu spät reagiert zu haben, erklärte Foodwatch am Donnerstag in Paris. Multinationale Konzerne hätten "Produkte in Umlauf gebracht, die die Gesundheit von Babys gefährden", betonte die Organisation.

Textgröße ändern: