The National Times - Impfpflicht-Befürworter im Bundestag einigen sich auf Impfpflicht ab 60 Jahren

Impfpflicht-Befürworter im Bundestag einigen sich auf Impfpflicht ab 60 Jahren


Impfpflicht-Befürworter im Bundestag einigen sich auf Impfpflicht ab 60 Jahren
Impfpflicht-Befürworter im Bundestag einigen sich auf Impfpflicht ab 60 Jahren

Im Streit um die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht haben zwei Abgeordnetengruppen eine Einigung erzielt. Der gemeinsame Gesetzentwurf sieht ab Oktober eine Impfnachweispflicht für alle Menschen ab 60 Jahren vor, wie der SPD-Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese am Dienstagabend mitteilte. Wiese zählte zur Gruppe der Befürworter einer Impfpflicht ab 18 Jahren, die ihr Vorhaben am Montag aufgegeben hatte. Nun sei ein Kompromiss mit der Gruppe erzielt worden, die eine optionale Impfpflicht ab 50 angestrebt hatte.

Textgröße ändern:

Beide Gruppen hätten entschieden, ihre Gesetzentwürfe zusammenzuführen, erklärte Wiese. An erster Stelle stehe dabei die Beratung und Überzeugung der bislang ungeimpften Menschen. Diese Beratung solle "unmittelbar" beginnen. Gleichzeitig werde mit der Impfnachweispflicht für alle über 60-Jährigen "praktische Vorsorge für den Herbst" getroffen. "Sie muss ab Oktober erfüllt sein", so Wiese.

Es sei aber vereinbart worden, dass diese Impfpflicht mit einem Bundestagsbeschluss im Juni ausgesetzt werden könne, "falls die Beratungsgespräche die Impfrate ausreichend steigern". Im Herbst werde der Bundestag vor dem Hintergrund der dann vorherrschenden Erkenntnisse und potenzieller Virusvarianten entscheiden, ob zusätzlich die Aktivierung der Impfnachweispflicht für Altersgruppen ab 18 Jahren greifen soll.

Der SPD-Abgeordnete forderte die CDU/CSU auf, "sich diesem Vorschlag anzuschließen". Der Vorschlag der beiden Gruppen sehe "dieselbe Altersgrenze vor, wie der Antrag der Union und schließt auch den Vorschlag der Union für ein Impfregister ein". Der Bundestag soll am Donnerstag über die verschiedenen Gesetzentwürfe zum Thema Impfpflicht abstimmen.

Die Unionsfraktion will eine Stufenregelung - eine Impfpflicht könnte demnach für bestimmte Alters- oder Berufsgruppen vorgeschrieben werden, was allerdings einen weiteren Bundestagsbeschluss erfordern würde.

Am Montag hatten die Befürworter einer Impfpflicht ab 18, hinter der Abgeordnete aus den drei Ampel-Fraktionen standen, dieses Vorhaben auf Eis gelegt. Die Einigung auf einen gemeinsamen Entwurf wurde nun mit der Gruppe um den FDP-Abgeordneten Andrew Ullmann erzielt.

Dessen Entwurf sah zunächst eine verpflichtende Beratung für alle ab 18 vor. Bis zum 15. September sollen sie entweder über einen Impf- oder Genesenennachweis oder über den Nachweis verfügen, dass sie die ärztliche Impfberatung wahrgenommen haben. Die Impfpflicht für alle ab 50 hätte der Ullmann-Gruppe zufolge dann durch einen gesonderten Beschluss des Bundestags zu einem späteren Zeitpunkt eingeführt werden können.

S.Arnold--TNT

Empfohlen

Koalition debattiert weiter über Pflegereform - Kosten steigen derweil weiter

Die Koalition debattiert weiter über Details einer Strukturreform der Pflegeversicherung - die Kosten steigen derweil weiter. Die Durchschnittslöhne in der Pflege legten in diesem Jahr abermals zu: um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf nun 24,50 Euro pro Stunde. Dies geht aus Berechnungen des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurden. Der Verband mahnte eine rasche Umsetzung von Reformen an, um einen weiteren Anstieg der von den Versicherten zu zahlenden Eigenanteile zu bremsen.

Eineinhalb Millionen Betroffene: Leopoldina fordert bessere Therapien bei Long-Covid

Auch mehrere Jahre nach dem Ende der Coronapandemie gibt es Experten zufolge erhebliche Versorgungslücken bei der Behandlung von Spätfolgen wie Long-Covid. Betroffene würden nach wie vor falsch diagnostiziert und fänden keine ausreichenden Therapiemöglichkeiten bei Ärzten und in Hochschulambulanzen, erklärte die Wissenschaftsakademie Leopoldina in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungsnahme zu postinfektiösen Erkrankungen.

Linnemann weist Pflege-Forderungen der SPD zurück: Kostendeckel wäre "gefährlich"

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hat die Forderung des Koalitionspartners SPD nach einer Deckelung der Eigenanteile bei der Pflege kategorisch zurückgewiesen. "Ein Deckel ist ja hochgradig gefährlich", sagte Linnemann am Mittwochabend im "heute journal" des ZDF. "Das muss man einfach so sagen." Ein solcher Deckel würde dazu führen, "dass die Kosten weiter ausarten", warnte der Minister.

Bundeskabinett beschließt Pflegereform - aber weiter Kritik

Bis zuletzt hatten Union und SPD um die Pflegereform gerungen, nun wurde sie im Bundeskabinett verabschiedet. Sie blieb dabei größtenteils so, wie sie Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) geplant hatte. Dieser sprach am Mittwoch von einem "ersten wichtigen Schritt" zur Stabilisierung des Pflegesystems. Die Hauptforderungen der SPD blieben hingegen unberücksichtigt - um sie soll sich eine neue Kommission kümmern.

Textgröße ändern: