The National Times - Klingbeil und Hubig wollen härter gegen Steuerhinterzieher vorgehen

Klingbeil und Hubig wollen härter gegen Steuerhinterzieher vorgehen


Klingbeil und Hubig wollen härter gegen Steuerhinterzieher vorgehen
Klingbeil und Hubig wollen härter gegen Steuerhinterzieher vorgehen / Foto: © AFP/Archiv

Wer Steuern hinterzieht, soll nach Willen von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Bundesjustizministerin Stefanie Hubig künftig schärfer bestraft werden. Die beiden SPD-Politiker legten am Donnerstag einen Aktionsplan gegen Steuer- und Finanzkriminalität vor, der unter anderem vorsieht, die Straffreiheit bei Selbstanzeige in heutiger Form abzuschaffen. "Kriminelle sollen sich nicht mehr so leicht freikaufen können", sagte Klingbeil bei der gemeinsamen Vorstellung des Plans in Berlin.

Textgröße ändern:

"Steuerkriminalität ist keine Kriminalität der kleinen Leute. Der Verkäufer an der Kasse kann seine Lohnsteuer nicht einfach in eine Briefkastenfirma verlagern und die selbstständige Physiotherapeutin erzielt nie genug Einnahmen für illegale Finanzgeschäfte", sagte Hubig. "Und genau deshalb ist es so fatal, wenn Steuerkriminalität im großen Stil ohne spürbare Konsequenzen bleibt. Steuerkriminalität untergräbt das Vertrauen, dass Regeln für alle in diesem Land gelten." Es fehle jeder hinterzogene Euro bei den Schulen, der Polizei, der Bahn und der Justiz.

Den Plänen zufolge soll etwa Steuerhinterziehung wieder als Verbrechenstatbestand verankert werden, um besonders schwere Fälle "härter zu ahnden". Damit gälte eine Mindeststrafe von einem Jahr Haft. "Wir nehmen die Staatsanwaltschaften dadurch stärker in die Pflicht. Sie müssen in diesen Verfahren ermitteln", sagte Hubig. "Sie können Verfahren nicht aus Ermessensgründen einstellen."

Für organisierte Steuerkriminalität soll der Strafrahmen laut Aktionsplan auf bis zu 15 Jahre erhöht werden, "um etwa Fällen bandenmäßiger Steuerhinterziehung mit der nötigen Härte zu begegnen". Zur Abschreckung wollen Klingbeil und Hubig auch "den systematischen Datenerwerb" ausbauen. Bisher seien dafür die Länder zuständig, aber vom Aktionsplan gehe das Signal aus, dass auch der Bund sich "zuständig" fühle und den Datenerwerb anstrebe, sagte Klingbeil.

Zugunsten "aller ehrlichen Steuerzahler" wollen die SPD-Minister mit den Ländern das Steuerrecht vereinfachen. Dazu soll es etwa Pauschalierungen für eine einfachere Steuererklärung geben.

Zudem wollen Klingbeil und Hubig "Instrumente" ausbauen, mit denen "dubios erlangte Vermögenswerte" beschlagnahmt werden können. "Der Porsche und die Rolex sind dann erstmal weg und das wird Tätern richtig wehtun", sagte Klingbeil. Zur Abschreckung solle zudem ein öffentliches Register für Unternehmen eingeführt werden, "die wegen schwerer Steuerstraftaten sanktioniert wurden".

Um Finanzkriminalität wirksam zu bekämpfen, soll auch der Zoll gestärkt werden. Dort soll ein Zentrum gegen Steuer- und Finanzkriminalität entstehen, in dem Steuerfahnderinnen und -fahnder aus den Ländern, Ermittler und Analysten der Bundesbehörden zusammenarbeiten. Klingbeil sagte, in diesem Jahr würden 1500 zusätzliche Stellen beim Zoll geschaffen - wobei einige der Arbeitsplätze auch auf die Zoll-Einheit Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) entfielen.

Der Finanzminister wollte allerdings keine Summe nennen, die durch die Maßnahmen des Aktionsplan fließen könnte - da könne er nur spekulieren, da "wir nicht mal wissen aus wissenschaftlichen Analysen, wie groß die Schäden sind, die dem Staat entstehen". "Wir sind aber fest davon überzeugt, dass es sich lohnt, diesen Kampf für Gerechtigkeit aufzunehmen, dass es sich lohnt, mit denen, die den Staat betrügen, den Kampf zu verschärfen."

Der Aktionsplan sieht auch die Einführung einer Registrierkassenpflicht vor, die Union und SPD bereits im Koalitionsvertrag "für Geschäfte mit einem jährlichen Umsatz von über 100.000 Euro" vereinbart hatten. Auch sollen die Aufbewahrungsfristen für Buchungsbelege auf 15 Jahre verlängert werden.

Eine Verlängerung solcher Fristen hatte unter anderem die Organisation Finanzwende gefordert. Finanzwende-Vorständin Anne Brorhilker erklärte, die Organisation begrüße "eine ganze Bandbreite an sinnvollen Maßnahmen" in dem Aktionsplan. Das "lässt vermuten, dass die Bundesregierung den Kampf gegen Steuerkriminalität endlich ernst nimmt und mit den notwendigen Ambitionen vorantreibt". Nun müssten in der "gesetzlichen Umsetzung möglichst zeitnah Taten folgen".

Linken-Fraktionsvorsitzender Sören Pellmann erklärte, Klingbeil müsse nun konkrete Gesetzesiniativen liefern. Er empfehle ihm aber, "mal mit dem Kanzler" oder Unionsfraktionschef Jens Spahn zu sprechen, die hätten eher andere Prioritäten: "Ich wünsche mir einmal die Härte, die gegen Grundsicherungsbezieher:innen gezeigt wird, bei der Verfolgung von Steuerhinterziehung."

W.Baxter--TNT

Empfohlen

Besuch von Papst Leo in Frankreich: Friedensbotschaft für Europa

Es ist der erste Staatsbesuch eines Papstes in Frankreich seit 18 Jahren: Papst Leo XIV. wird vom 25. bis 28. September in Paris, Lourdes und Metz erwartet. Der Umgang mit Missbrauch in der katholischen Kirche, das französische Sterbehilfe-Gesetz und eine politische Friedensbotschaft im Beisein europäischer Staats- und Regierungschefs prägen das Programm. Zur Messe auf der Pariser Place de la Concorde werden 600.000 Menschen erwartet.

Nach Tod von 15-Jährigem in Nordrhein-Westfalen: Tatverdächtige stellen sich

Nach dem Tod eines 15-Jährigen durch Messerstiche bei einer privaten Feier im nordrhein-westfälischen Marsberg haben sich die beiden gesuchten Tatverdächtigen am Dienstag der Polizei gestellt. Die nach früheren Angaben 22 und 23 Jahre alten Männer sollen am Mittwoch einem Haftrichter vorgeführt werden, wie die Polizei in Dortmund und die Staatsanwaltschaft Arnsberg mitteilten. Beide waren per Öffentlichkeitsfahndung gesucht worden.

Drohnenfund in Niedersachsen: Womöglich Sprengstoff in der Nähe entdeckt

Nach dem versuchten Anschlag mit einer Sprengstoffdrohne am Leipziger Flughafen rückt eine in der vergangenen Woche in Niedersachsen gefundene Drohne in den Fokus der Ermittler. Die Bundesanwaltschaft prüft bereits einen möglichen Zusammenhang zum Leipziger Vorfall. Jetzt zeigen Recherchen von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR, dass Beamte Tage später nur wenige Meter von der Fundstelle entfernt auf verdächtiges Material stießen. Sie gehen derzeit davon aus, dass es sich um Sprengstoff handelt, wie der Rechercheverbund am Dienstag unter Berufung auf Sicherheitskreisen berichtete.

Österreichischer Investor Benko erneut verurteilt: Haftstrafe um sechs Monate erhöht

Der österreichische Investor René Benko ist in einem neu aufgerollten Prozess erneut wegen Betrugs verurteilt worden. Eine Schöffenkammer des Landgerichts Innsbruck sprach den 49-Jährigen am Dienstag wegen Schädigung seiner Gläubiger schuldig und erhöhte seine Haftstrafe von zwei auf zweieinhalb Jahre, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA mitteilte. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.

Textgröße ändern: