The National Times - Mahnmal für im Nationalsozialismus verfolgte Zeugen Jehovas eingeweiht

Mahnmal für im Nationalsozialismus verfolgte Zeugen Jehovas eingeweiht


Mahnmal für im Nationalsozialismus verfolgte Zeugen Jehovas eingeweiht
Mahnmal für im Nationalsozialismus verfolgte Zeugen Jehovas eingeweiht / Foto: © AFP

Im Berliner Tiergarten ist am Mittwoch das Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas der Öffentlichkeit übergeben worden. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) nannte das Denkmal "eine Verbeugung vor den Opfern des Nationalsozialismus". Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) erklärte, mit dem Mahnmal werde eine Lücke in der deutschen Erinnerungskultur geschlossen.

Textgröße ändern:

Mitglieder der Religionsgemeinschaft leisteten Widerstand, lehnten den Militärdienst ab und traten keinen NS-Organisationen bei. Viele halfen anderen Verfolgten. Fast 14.000 Zeugen Jehovas wurden im Nationalsozialismus inhaftiert. Mehr als 1700 von ihnen starben nach Angaben der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, die auch dieses Mahnmal betreut.

"Sie wurden als sogenannte Kriegsdienstverweigerer hingerichtet. Oder sie kamen unter unmenschlichen Bedingungen in Haft ums Leben", sagte Bundestagspräsidentin Klöckner in ihrer Rede zur Einweihung des Denkmals.

Sie erinnerte daran, dass das Grundgesetz in der Bundesrepublik die Glaubensfreiheit schützt. "Es schützt religiöse Minderheiten, gerade auch Minderheiten, deren Überzeugungen vielen auch fremd sind", sagte Klöckner. "Und es schützt ebenso die Freiheit, einer Religionsgemeinschaft nicht anzugehören."

Kulturstaatsminister Weimer erklärte, mit dem Mahnmal erhalte eine lange Zeit weniger bekannte Opfergruppe des Nationalsozialismus einen sichtbaren Ort des Erinnerns und Gedenkens.

Für Jehovas Zeugen in Deutschland erklärte deren Sprecher Sebastian Stock: "Wir hoffen, dass das Mahnmal daran erinnert, dass man sein Gewissen und seine Menschenwürde niemals aufgeben darf – selbst unter den schwierigsten Umständen."

Etwa 400 Menschen hatten sich zur Übergabe des Denkmals an die Öffentlichkeit im Tiergarten versammelt. Einige von ihnen trugen eine kleine lila Blume auf ihrer Kleidung. In NS-Konzentrationslagern waren Zeugen Jehovas mit einem lila Winkel stigmatisiert worden.

Der Bundestag hatte 2023 für die Errichtung des Denkmals gestimmt. Die fünf Meter hohe Bronzeskulptur steht am Goldfischteich im Berliner Tiergarten. Gestaltet wurde sie von Matthias Leeck als "physischer Ausdruck unbeugsamer Haltung", wie der Künstler bei der Einweihung sagte. An der Stelle fand 1936 eine Verhaftungsaktion der Gestapo gegen die Zeugen Jehovas statt.

Die Verfolgung der Religionsgemeinschaft ist derzeit auch Thema am Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Für Freitag ist dort eine Entscheidung über das Familienarchiv von Annemarie Kusserow angekündigt. Sie überlebte Verfolgung und Krieg und dokumentierte die Verfolgung ihrer Familie im Nationalsozialismus.

Inzwischen sind einige Dokumente aus dem Archiv im Militärhistorischen Museum in Dresden ausgestellt. Denn Annemarie Kusserows Bruder verkaufte es 2009 nach ihrem Tod an den Staat. Wie es dazu kam, ist nicht ganz klar. Die Zeugen Jehovas wollen nicht, dass es in einem Museum der Bundeswehr ausgestellt ist, da sie Militärdienst ablehnen. Sie wollen das Archiv zurück und selbst ausstellen.

R.Evans--TNT

Empfohlen

Millionenbetrug in Corona-Testzentrum: Mehrjährige Haftstrafen in Hannover

Wegen Millionenbetrugs mit Coronaschnelltests während der Pandemie hat das Landgericht Hannover zwei Angeklagte zu Haftstrafen von fünfeinhalb und sechs Jahren verurteilt. Nach Angaben eines Sprechers vom Mittwoch sah es die zuständige Kammer als erwiesen an, dass die beiden Beschuldigten ein Testzentrum in Hannover betrieben und dort zwischen Ende 2021 und Anfang 2023 massenhaft tatsächlich gar nicht erfolgte Tests abrechneten.

Versuchte Sabotage von deutscher Gasversorgung: Razzia in Zusammenhang mit Gazprom

Der Generalbundesanwalt untersucht den Verdacht, dass der Verkauf der Berliner Gazprom-Tochter 2022 die Gasversorgung in Deutschland sabotieren sollte. Am Mittwoch wurden nach Angaben der Karlsruher Behörde Räumlichkeiten in Berlin und Frankfurt am Main durchsucht. Ermittelt wird demnach wegen versuchter verfassungsfeindlicher Sabotage und der Beihilfe zu Verstößen gegen das Außenwirtschaftsgesetz.

Versuchter Angriff auf deutsche Gasversorgung: Razzia in Zusammenhang mit Gazprom

Wegen des Verdachts eines versuchten Angriffs auf die deutsche Gasversorgung hat die Bundesanwaltschaft am Mittwoch Räumlichkeiten in Berlin und Frankfurt am Main durchsuchen lassen. Dabei geht es nach Angaben der Karlsruher Behörde um Verkauf und Liquidierung der früheren Tochter des russischen Gazprom-Konzerns, Gazprom Germania, Ende März 2022. Die Firma hielt damals mindestens 25 Prozent der Erdgasspeicherkapazitäten in Deutschland vor.

Bayern: Zwei Festnahmen bei Ermittlungen zu Sexual- und Drogenstraftaten an Kindern

Im Zusammenhang mit Ermittlungen zu Sexual- und Drogenstraftaten an Kindern sind in Nürnberg zwei Männer festgenommen worden. Die Verdächtigen im Alter von 24 und 26 Jahren kamen in Untersuchungshaft, wie die Polizei in der bayerischen Stadt am Mittwoch mitteilte. Gegen den 24-Jährigen ergab sich bei einer Durchsuchung der Verdacht des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern.

Textgröße ändern: