The National Times - Getötete Elfjährige in Frankreich: Mutter von mutmaßlichem früheren Opfer kündigt Klage an

Getötete Elfjährige in Frankreich: Mutter von mutmaßlichem früheren Opfer kündigt Klage an


Getötete Elfjährige in Frankreich: Mutter von mutmaßlichem früheren Opfer kündigt Klage an
Getötete Elfjährige in Frankreich: Mutter von mutmaßlichem früheren Opfer kündigt Klage an / Foto: © AFP

Der Fall der getötete elfjährigen Lyhanna in Frankreich zieht weitere juristische Kreise: Die Mutter eines gleichaltrigen Mädchens, die den im Fall Lyhanna Verdächtigen Jérôme B. im vergangenen Jahr wegen Vergewaltigung Minderjähriger angezeigt hatte, will den Staat und den französischen Justizminister wegen grober Fahrlässigkeit verklagen.

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"Der Tod von Lyhanna hätte verhindert werden können, wenn die Justiz sich mit unserem Fall beschäftigt und ihre Arbeit gemacht hätte", sagte die Frau am Dienstag dem Sender RTL. "Wir werden ein Verfahren gegen den Staat einleiten, denn die Justiz hat versagt", sagte ihr Anwalt Pierre Debuisson. Die Verantwortlichkeiten müssten geklärt werden, daher wolle er auch Justizminister Gérald Darmanin verklagen.

Die Mutter hatte im August 2025 Anzeige gegen Jérôme B. erstattet und ihm vorgeworfen, ihre Tochter Rose zwischen September 2024 und Mai 2025 mehrfach bei sich zuhause vergewaltigt zu haben. Das Mädchen wurde ärztlich und psycholgisch untersucht und von Ermittlern vernommen - der mutmaßliche Täter allerdings nicht, weil die Akte monatelang von Behörde zu Behörde wanderte.

Justizminister Darmanin hatte im Fall Lyhanne jede Verantwortung zurückgewiesen und auf Fehlfunktionen im Justizsystem verwiesen. Die Staatsanwaltschaft habe seine Direktiven nicht befolgt, erklärte Darmanin. Er habe auch nicht das Recht, sich in einzelne Verfahren einzuschalten.

Aus den Reihen der Justiz wächst die Kritik an dem Minister. Die Justiz leide an Personalmangel und an einer großen Zahl von Anordnungen aus dem Ministerium, die sich in der Praxis kaum umsetzen lasse. "Es ist schwierig, zwischen all den Prioritäten die echten Prioritäten auszumachen", erklärte der Staatsanwalt von Béziers, Arnaud Faugère. Außerdem seien die Informatiksysteme von Polizei und Justiz nicht ausreichend vernetzt.

Am Montagabend gingen nach Angaben des Innenministeriums in Frankreich rund 60.400 Menschen auf die Straße, um gegen die schleppende Bearbeitung von Fällen von Kindesmissbrauch zu protestieren. Vor dem Justizministerium in Paris versammelten sich knapp 3000 Menschen zu einer nicht genehmigten Kundgebung.

Die Leiche der elf Jahre alten Lyhanna war sechs Tage nach ihrem Verschwinden in einem Getreidesilo gefunden worden. Der mutmaßliche Täter Jérôme B., in dessen Auto das Mädchen zuletzt gesehen wurde, war in der Vergangenheit mehrfach wegen Vergewaltigung Minderjähriger angezeigt worden. Ein Vergewaltigungsverfahren war eingestellt worden, in einem anderen war Jérôme B. nie verhört worden. Der Mann befindet sich in Untersuchungshaft und verweigert die Aussage.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft von Auch wurde am Montag auch der Bruder des Verdächtigen wegen Verdachts auf Vergewaltigung Minderjähriger sowie wegen Vergewaltigung in der Partnerschaft, Freiheitsentzugs und Morddrohungen festgenommen. Laut Medienberichten wurde der Mann von einer Ex-Freundin angezeigt, die während der Beziehung minderjährig war.

Die Versäumnisse der Justiz im Fall Lyhanna haben in Frankreich Empörung ausgelöst. Auch Präsident Emmanuel Macron räumte Missstände im französischen Justizsystem ein.

D.Kelly--TNT

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