The National Times - Oberstes Gericht der USA prüft Glyphosat-Klage gegen Monsanto

Oberstes Gericht der USA prüft Glyphosat-Klage gegen Monsanto


Oberstes Gericht der USA prüft Glyphosat-Klage gegen Monsanto

Im jahrelangen und milliardenschweren Streit um die gesundheitlichen Folgen des Pflanzenschutzmittels Glyphosat in den USA hat der Oberste Gerichtshof in Washington einen Berufungsfall des Chemie- und Agrarkonzerns Bayer verhandelt. Das Unternehmen strebt ein Grundsatzurteil dazu an, ob Warnhinweise nur bundesweit oder auch auf Ebene der US-Bundesstaaten vorgeschrieben werden dürfen. Eine Entscheidung des Supreme Courts wird bis Juni oder Anfang Juli erwartet.

Textgröße ändern:

In den USA sind mehrere zehntausend Klagen gegen den US-Konzern Monsanto, Hersteller des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup, wegen mutmaßlicher Gesundheitsschäden anhängig. Bayer hatte Monsanto 2018 gekauft. Der Konzern hat bereits mehr als zehn Milliarden Dollar zur Beilegung von Klagen gezahlt und weitere acht Milliarden Dollar dafür zurückgelegt.

Vor dem Obersten Gericht geht es konkret um den Fall John Durnell: Der Mann führt seine Blutkrebserkrankung auf die Verwendung von Roundup zurück. Eine Jury im Bundesstaat Missouri hatte dem Mann im Oktober 2023 eine Entschädigung von 1,25 Millionen Dollar zugesprochen, weil ein Warnhinweis fehlte.

Bayer ging in Berufung und wählte den Fall aus, um ein Grundsatzurteil zu erreichen. Der Supreme Court ist mit neun Richterinnen und Richtern besetzt. Sechs gelten als konservativ, drei als progressiv.

Die US-Umwelt- und Gesundheitsschutzbehörde EPA stuft Glyphosat als unbedenklich ein. Bayer macht geltend, dass es den Bundesstaaten untersagt sei, zusätzliche Gesundheitswarnungen vorzuschreiben. Das Unternehmen beruft sich dabei auf ein Bundesgesetz, den Federal Insecticide, Fungicide and Rodenticide Act (Fifra). Der Kongress habe das Gesetz verabschiedet, um bundesweit "einheitliche Sicherheitshinweise auf den Etiketten von Pestiziden" erreichen, argumentierte am Montag der Anwalt des Unternehmens, Paul Clement.

"Unternehmen sollten nicht auf Basis des Rechts einzelner US-Bundesstaaten haftbar gemacht werden können, wenn sie sich an die bundesweiten Regeln zu wissenschaftlich fundierten Produktkennzeichnungen halten", erklärte ein Sprecher von Bayer. "Wären solche Klagen zulässig, führt das zu einem Flickenteppich an Regelungen in den Bundesstaaten, was dem Ziel der Einheitlichkeit, das der Kongress im Gesetz festgelegt hat, widerspricht."

Zudem hänge "die sichere Versorgung mit bezahlbaren Lebensmitteln in den USA davon ab, dass sich Landwirte und Hersteller auf wissenschaftlich fundierte Bewertungen der Regulierungsbehörden auf Bundesebene verlassen können", fügte der Sprecher hinzu. Die Klärung durch den Supreme Court sei "sowohl für eine einheitliche und verbindliche Regulierung" nötig "als auch, um die Rechtsstaatlichkeit wieder herzustellen".

Die Vertreterin der US-Regierung, Sarah Harris, argumentierte bei der Anhörung ähnlich: Es brauche eine bundesweit einheitliche Regelung, sagte sie. Mehrere Richter zeigten sich diesem Argument gegenüber aufgeschlossen.

Der Vorsitzende Richter John Roberts dagegen wandte ein: Wenn sich herausstelle, dass einzelne Bundesstaaten mit einer Warnung Recht haben, "wäre es vielleicht besser gewesen, wenn sie die Möglichkeit gehabt hätten, die Öffentlichkeit auf diese Gefahr aufmerksam zu machen".

Der Anwalt von John Durnell, Ashley Keller, argumentierte, die Umweltbehörde EPA sei nicht "unfehlbar". Ihre Vorschriften hinkten manchmal dem wissenschaftlichen Stand hinterher.

Glyphosat kann die Umwelt beeinträchtigen und steht im Verdacht, krebserregend zu wirken. Verbraucher- und Umweltorganisationen protestieren deshalb seit Jahren gegen den Einsatz des Unkrautvernichters. Weltweit ist Glyphosat der am meisten verwendete Inhaltsstoff in Pestiziden und steckt vor allem in Unkrautbekämpfungsmitteln.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation stuft Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" beim Menschen ein. Bayer hält dem Studien und behördliche Genehmigungen entgegen, die bewiesen, dass das Unkrautvernichtungsmittel sicher sei. Die Europäische Kommission hatte Ende 2023 beschlossen, die Zulassung von Glyphosat um zehn Jahre zu verlängern.

Unternehmensanwalt Clement sagte am Montag, Umweltbehörden weltweit, darunter in der EU und Kanada, hätten Glyphosat nach Überprüfungen als ungefährlich eingestuft. "Es ist wahrscheinlich das am gründlichsten untersuchte Herbizid in der Geschichte der Menschheit", und alle seien zu dem Schluss gekommen, "dass hier kein Risiko besteht".

A.Robinson--TNT

Empfohlen

Haftstrafe wegen Veruntreuung für Ex-Mann von Schottlands früherer Regierungschefin Sturgeon

Der Ex-Mann von Schottlands ehemaliger Regierungschefin Nicola Sturgeon und frühere Chef der Regierungspartei SNP, Peter Murrell, ist am Dienstag wegen der Veruntreuung von Parteifinanzen zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Murrell hatte sich im vergangenen Monat schuldig bekannt, mehr als 400.000 Pfund (rund 464.000 Euro) der SNP veruntreut zu haben.

Polizist stirbt bei Fahrsicherheitstraining auf dem Hockenheimring

Bei einem dienstlichen Fahrsicherheitstraining auf dem Hockenheimring ist ein Polizist tödlich verunglückt. Der 53 Jahre alte Mann sei am Montagabend mit seinem Dienstmotorrad aus noch unklarer Ursache in einer Rechtskurve von der Fahrbahn abgekommen, teilte die Polizei am Dienstag im baden-württembergischen Aalen mit. Er sei dann mit einer Reifenwand kollidiert. Trotz sofortiger Rettungsmaßnahmen sei der Polizeibeamte noch vor Ort verstorben.

ARD und ZDF streiten vor Verfassungsgericht für höheren Rundfunkbeitrag

Der Dauerstreit über den Rundfunkbeitrag ist am Dienstag vor dem Bundesverfassungsgericht ausgetragen worden. Karlsruhe verhandelte über Beschwerden von ARD und ZDF. Sie wehren sich dagegen, dass der Beitrag 2025 nicht erhöht wurde - anders als es die unabhängige Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) empfohlen hatte. Das verstoße gegen die Rundfunkfreiheit, argumentieren sie. Die Sender hoffen, dass das Gericht nachträglich eine Beitragssteigerung anordnet. (Az. 1 BvR 2524/24 und 1 BvR 2525/24)

WM unter Wasser: Zehntausende Fans in Philadelphia müssen Stadionplätze verlassen

Blitze in der Nähe des Stadions, klatschnasse Fans und eine lange Unterbrechung: Ein Unwetter in Philadelphia hat den Zuschauern des WM-Spiels zwischen Frankreich und dem Irak einiges abverlangt. Zehntausende Fans mussten am Montagabend ihre Plätze verlassen und in geschützten Stadion-Bereichen Unterschlupf suchen. Erst nach mehr als zwei Stunden wurde die zur Halbzeit unterbrochene Partie fortgesetzt. Die Vorsichtsmaßnahme stieß bei einigen Fans auf Unverständnis.

Textgröße ändern: