The National Times - Schienennutzung: Regionale Verkehrsunternehmen schlagen nach EuGH-Urteil Alarm

Schienennutzung: Regionale Verkehrsunternehmen schlagen nach EuGH-Urteil Alarm


Schienennutzung: Regionale Verkehrsunternehmen schlagen nach EuGH-Urteil Alarm
Schienennutzung: Regionale Verkehrsunternehmen schlagen nach EuGH-Urteil Alarm / Foto: © AFP/Archiv

Nach einem aktuellen Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Nutzung von Bahnschienen befürchten regionale Verkehrsverbände und Unternehmen hohe Mehrkosten und warnen vor drohenden Folgen auch für Fahrgäste. Der EuGH kippte am Donnerstag in Luxemburg den deutschen Preisdeckel für die Schienennutzung im Nahverkehr. Das Bundesverkehrsministerium kündigte in einer ersten Reaktion eine baldige Reform an. (Az. C-770/24)

Textgröße ändern:

Für die Nutzung der Schienen zahlen Bahnunternehmen an die Bahn-Töchter DB InfraGO und DB RegioNetz Infrastruktur. Sie kritisieren das System seit Langem, weil die Preise stark steigen, die Steigerungen im Regionalverkehr aber gedeckelt sind. In der Praxis wurden die Steigerungen bislang vor allem an den Fern- und Güterverkehr weitergereicht. Eine Reform des Systems ist seit Längerem geplant.

Im Fall, der dem EuGH nun vorlag, ging es um das Jahr 2025. Die Bundesnetzagentur genehmigte die Gebühren nur mit Änderungen, kürzte die Gebühren für den Personennahverkehr und erhöhte sie stattdessen für Fern- und Güterverkehr. Denn nach deutschem Recht müssen die Entgelte sämtliche Kosten des Schienenbetreibers decken.

DB InfraGO und DB RegioNetz Infrastruktur zogen vor das Verwaltungsgericht Köln. Dieses fragte den EuGH, ob das deutsche System mit EU-Recht vereinbar ist. Nein, antworteten die europäischen Richterinnen und Richter nun - der Betreiber habe nicht genug Spielraum.

Verkehrsunternehmen und Stimmen aus der Politik warnten nach dem Urteil vor möglichen Folgen wie weniger Nahverkehrslinien, höheren Ticketpreisen oder längeren Wartezeiten im Regionalverkehr. Vom Verkehrsministerium forderten sie mehr Tempo bei den Neuerungen. "Durch die Untätigkeit des Bundes ist das Problem jetzt akut geworden", kritisierte Jan Görnemann, der Geschäftsführer des Bundesverbands Schienennahverkehr.

Im Namen des Verkehrsverbands Rhein-Ruhr (VRR) forderte dessen Vorstandssprecher Oliver Wittke, dass der Bund eine neue Lösung finanzieren müsse. "Massive Reduzierungen des Regionalbahnangebots wären andernfalls die unausweichliche Folge - weniger Züge, längere Wartezeiten, ausgedünnte Takte. Kurz gesagt: spürbare Einschnitte in der eigenen Mobilität", warnte er.

"Bund und Länder müssen nun schnell gemeinsam mit der Branche eine Lösung finden", erklärte Martin Becker-Rethmann, der Präsident des Interessenverbands von Privatbahnen Mofair.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) wandte sich an Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU). Dieser müsse "endlich handeln", forderte EVG-Chef Martin Burkert. Das EuGH-Urteil sei der "allerletzte Warnschuss" für Schnieder. "Bleibt er weiter untätig, explodieren die Preise und die Bahnkunden zahlen die Quittung." Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) forderte, das Verkehrsministerium müsse "schnell handeln, weil die Kosten für Regionalzüge sonst erheblich steigen".

Das Verkehrsministerium selbst teilte mit, dass es sich "intensiv in Vorbereitung der Trassenpreisreform" befinde. "Zeitnah" würden "mögliche Ansätze" beteiligten Akteuren vorgelegt. Demnach soll das neue System im kommenden Jahr in Kraft treten.

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) verwies darauf, dass die Bundesländer den Nahverkehr auf der Schiene mitfinanzieren. Allein für Bayern könnten nun jährliche Mehrkosten im dreistelligen Millionenbereich entstehen, warnte er. Er will das Thema nächste Woche bei der Verkehrsministerkonferenz in Lindau "mit hoher Priorität behandeln".

Für die Grünen-Bundestagsfraktion erklärte der Abgeordnete Matthias Gastel: "Für den Regionalverkehr müssen entweder die Trassenpreise gedeckelt werden oder die Regionalisierungsmittel, die der Bund für die Bestellverkehr der Länder bereitstellt, erhöht werden". Angebote für die Fahrgäste müssten "in jedem Fall abgesichert werden".

P.Barry--TNT

Empfohlen

Würzburger Bischof Jung verurteilt Religionsmissbrauch für "Allmachtsfantasien"

Beim Deutschen Katholikentag hat der Würzburger Bischof Franz Jung einen Missbrauch von Religion durch Politiker verurteilt. Es brauche "Widerspruch gegen alle Machthaber dieser Welt, die sich in Allmachtsfantasien ergehen und diese auch noch religiös verbrämen", sagte Jung am Donnerstag im Festgottesdienst zu Christi Himmelfahrt auf dem Residenzplatz der bayerischen Stadt. "Überall da, wo Menschen für sich in Anspruch nahmen, in Gottes Namen zu herrschen, haben sie Blutbäder angerichtet."

Fußball-WM: Kalifornien prüft mögliche Verstöße beim Ticket-Verkauf

Der US-Bundesstaat Kalifornien hat vom Weltfußballverband Fifa Klarstellungen wegen möglicher Verstöße im Zusammenhang mit dem Ticketverkauf für die Fußball-Weltmeisterschaft verlangt. Das teilte Generalstaatsanwalt Rob Bonta am Mittwoch mit. Einem Medienbericht zufolge sollen Fußballfans Tickets der teuersten Kategorie 1 gekauft haben, bevor sie dann Plätze erhielten, die zuvor in einer günstigeren Kategorie ausgewiesen worden waren.

"Unerschrockener Verkünder": Steinmeier verteidigt Papst gegen Trumps Kritik

Zum Auftakt des Deutschen Katholikentags hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Papst gegen Kritik von US-Präsident Donald Trump verteidigt. "Wenn Papst Leo in einer Zeit von Krisen und Kriegen öffentlich größere Anstrengung für den Frieden fordert, dann verdient ein solcher Aufruf Unterstützung, nicht Kritik - auch nicht die von den Mächtigsten der Welt", sagte Steinmeier am Mittwoch in seiner Eröffnungsansprache in Würzburg.

Tötungsdelikt in Wassenberg: 37-Jähriger von maskiertem Unbekannten erschossen

Zwei Tage nach tödlichen Schüssen auf einen Mann im nordrhein-westfälischen Wassenberg haben die Ermittler weitere Einzelheiten bekannt gegeben. Bei dem Opfer handelt es sich um einen 37-Jährigen Mann, wie Polizei und Staatsanwaltschaft in Aachen am Mittwoch mitteilten. Nach bisherigen Erkenntnissen soll ein bislang unbekannter Maskierter am Montagabend mehrere Schüsse auf das Opfer abgegeben haben.

Textgröße ändern: