The National Times - Australische Regierung will nach antisemitischem Anschlag in Sydney Waffengesetze verschärfen

Australische Regierung will nach antisemitischem Anschlag in Sydney Waffengesetze verschärfen


Australische Regierung will nach antisemitischem Anschlag in Sydney Waffengesetze verschärfen
Australische Regierung will nach antisemitischem Anschlag in Sydney Waffengesetze verschärfen / Foto: © AFP

Die australische Regierung hat als Reaktion auf den tödlichen Anschlag auf eine jüdische Feier am berühmten Bondi Beach in Sydney eine Verschärfung der Waffengesetze angekündigt. Premierminister Anthony Albanese berief laut seinem Büro am Montag ein Treffen mit den Regierungschefs der Bundesstaaten und Territorien ein, um über entsprechende Gesetzesverschärfungen zu beraten. Bei dem Angriff auf Teilnehmer einer Feier zum jüdischen Lichterfest Chanukka hatten ein 50-Jähriger und sein Sohn am Sonntag 15 Menschen erschossen. Unter den Opfern war ein zehnjähriges Kind und ein Holocaust-Überlebender.

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Die beiden Angreifer feuerten am Sonntag am Bondi Beach gezielt auf eine Menge von mehr als tausend Menschen, die sich unter freiem Himmel zum Anzünden der ersten Kerze am jüdischen Lichterfest Chanukka versammelt hatten, darunter viele Familien.

Jüngsten Angaben zufolge zielten die Angreifer von einem erhöhten Bürgersteig aus mindestens zehn Minuten lang mit Waffen wie Langlaufgewehren in die Menge am Strand. Die australischen Behörden stufen die Attacke als antisemitischen "Terrorangriff" ein.

Bei den beiden Tatverdächtigen handelt es sich nach Angaben der Polizei um einen 50 Jahre alten Vater und seinen 24 Jahre alten Sohn. Einer der Täter wurde von Polizisten erschossen, bei ihm handelt es sich nach Polizeiangaben um den Vater. Der zweite Angreifer, sein Sohn, wurde festgenommen. Er liegt demnach schwer verletzt im Krankenhaus.

Unter den 15 Toten ist auch der 41-jährige Rabbiner Eli Schlanger, der die Chanukka-Feier mitorganisiert hatte. Der vierfache Familienvater "war ein Mensch, der jeden Tag mit der einfachen Mission aufstand, Gutes zu tun", erklärte der Exekutivrat australischer Juden. Auch ein aus der Ukraine stammender Holocaust-Überlebender, Alex Kleytman, wurde getötet. "Er starb, als er sie (seine Frau Larissa) vor den Kugeln des Schützen schützte", teilte eine Organisation chassidischer Juden mit.

Zu den Todesopfern gehört nach Angaben von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zudem ein französischer Staatsbürger. "Mit tiefer Trauer habe ich vom Tod unseres Landsmannes Dan Elkayam bei dem antisemitischen Terroranschlag in Sydney erfahren", erklärte Macron in Onlinediensten.

42 Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt, darunter zwei Polizisten. Fünf Verletzte schwebten der Polizei zufolge am Montag noch in Lebensgefahr.

Als Zeichen der Trauer um die Opfer wurden am Montag in ganz Australien die Flaggen auf Halbmast gesetzt. Premierminister Albanese sprach bei einem Besuch am Anschlagsort von einem "Akt des puren Bösen, einem Akt des Antisemitismus, einem Terrorakt", der ausgerechnet den berühmten Bondi Beach getroffen habe, einen Ort, der "mit Freude, Familientreffen und Feiern verbunden ist".

Die Polizei durchsuchte eigenen Angaben zufolge zwei Häuser in Sydney, in denen die beiden Attentäter gewohnt haben sollen. Der Vater besaß nach Angaben der Polizei sechs registrierte Schusswaffen, die er offenbar alle bei dem Anschlag benutzte.

Albaneses Büro zufolge einigten sich der Premierminister und die Regierungschefs der Bundesstaaten am Montag darauf, Möglichkeiten zur Verbesserung der Hintergrundkontrollen von Waffenbesitzern zu prüfen und die legalen Waffenarten einzuschränken. Wer keine australische Staatsangehörigkeit besitzt, solle zudem keinen Waffenschein erwerben dürfen.

Wie der Sender ABC berichtete, hatte der australische Geheimdienst vor sechs Jahren mögliche Verbindungen des 24-jährigen Täters zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) überprüft. Anti-Terror-Ermittler gehen demnach davon aus, dass Vater und Sohn dem IS einen Treueschwur leisteten. In dem Auto der Angreifer sollen zwei IS-Flaggen gefunden worden sein, die Polizei bestätigte dies bisher aber nicht.

Für Aufsehen sorgte derweil das mutige Eingreifen eines Passanten. Auf Videos in Onlinenetzwerken ist zu sehen, wie der unbewaffnete Zivilist einen der beiden Angreifer von hinten umklammert und ihm sein Gewehr entreißt. Australiens Premierminister Albanese feierte ihn als "Helden".

Der Angriff in Sydney löste auch international Entsetzen aus. "Das war ein furchtbarer Anschlag", sagte US-Präsident Donald Trump am Sonntag bei einer Weihnachtsfeier im Weißen Haus. "Und es war ganz offensichtlich ein antisemitischer Anschlag." Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigte sich bestürzt. "Der antisemitische Anschlag am Bondi Beach zu Chanukka lässt mich fassungslos zurück", schrieb der Kanzler auf X.

Papst Leo XIV. betete am Montag für die Opfer des Anschlags und und rief zu einem Ende antisemitischer Gewalt auf. "Genug von dieser antisemitischen Gewalt – wir müssen den Hass in unseren Herzen überwinden", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche während einer Audienz im Vatikan.

Seit dem Hamas-Angriff auf Israel und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg wird Australien immer wieder von antisemitischer Gewalt erschüttert. Israels Regierungschef Netanjahu erinnerte an einen Brief, den er Albanese im August geschrieben hatte. Darin habe er ihn davor gewarnt, dass seine Politik "Öl ins Feuer des Antisemitismus gießt", sagte Netanjahu in einer Rede am Sonntag. Netanjahu nahm mit seiner Kritik Bezug auf Australiens Anerkennung eines Palästinenserstaats.

F.Harris--TNT

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