The National Times - Mehr als 100 Tote in Rio bei blutigstem Polizeieinsatz in Brasiliens Geschichte

Mehr als 100 Tote in Rio bei blutigstem Polizeieinsatz in Brasiliens Geschichte


Mehr als 100 Tote in Rio bei blutigstem Polizeieinsatz in Brasiliens Geschichte

Es ist der blutigste Polizeieinsatz in der brasilianischen Geschichte: 119 Menschen sind nach jüngsten Behördenangaben bei dem Großeinsatz gegen Drogenhändler in zwei Armenvierteln in Rio de Janeiro getötet worden. Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva zeigte sich am Mittwoch "entsetzt" über die hohe Opferzahl. Eine Justizbehörde sprach sogar von mehr als 130 Toten.

Textgröße ändern:

Die Polizei war am Dienstag mit einem Großaufgebot gegen eine berüchtigte Drogenbande in zwei Armenvierteln nahe dem internationalen Flughafen von Rio vorgegangen. Dabei spielten sich kriegsähnliche Szenen ab. Nach Angaben der Behörden in Rio waren unter den Opfern vier Polizisten. Eine Justizbehörde, die bedürftigen Menschen Rechtsbeistand leistet, hatte die Gesamtzahl der Toten zuvor mit 132 angegeben.

Bei dem Einsatz gegen die mächtigste Drogenbande von Rio, das Comando Vermelho (Rote Kommando), seien mehr als hundert Verdächtige festgenommen worden, erklärte der Gouverneur des Bundesstaates Rio de Janeiro, Cláudio Castro. Zudem seien zahlreiche Waffen und eine große Menge Drogen beschlagnahmt worden. Der Einsatz sei ein "Erfolg" gewesen.

Justizminister Ricardo Lewandowski sagte jedoch über die Reaktion von Staatschef Lula auf die Razzien: "Der Präsident ist entsetzt über die Zahl der tödlichen Vorfälle."

Auch UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich "sehr besorgt" über die hohe Zahl der Toten bei den Razzien. Guterres habe unterstrichen, dass der Gewalteinsatz bei Polizeieinsätzen "dem internationalen Recht und Standards bei den Menschenrechten entsprechen" müsse, sagte sein Sprecher Stéphane Dujarric in New York. Der UN-Generalsekretär forderte demnach eine "unverzügliche Untersuchung" des Polizeieinsatzes.

Bei Menschenrechtsorganisationen und Vertretern der brasilianischen Zivilgesellschaft löste der blutige Polizeieinsatz in den als Favelas bezeichneten Armenvierteln ebenfalls schockierte Reaktionen aus. 30 Organisationen der Zivilgesellschaft, darunter Amnesty International, verurteilten in einer gemeinsamen Erklärung den Polizeieinsatz, der "das Scheitern" der brasilianischen Sicherheitspolitik offenlege.

Bewohner der von dem Polizeieinsatz betroffenen Favelas erhoben den Vorwurf, dass die Polizei bei dem Einsatz willkürlich Menschen hingerichtet habe. Viele der Toten seien "exekutiert" worden, sagte der 36-jährige Einwohner und Aktivist Raul Santiago. Sie seien in den Hinterkopf und Rücken geschossen worden.

Der Anwalt Albino Pereira Neto, der die Angehörigen von bei dem Einsatz getöteten Menschen vertritt, sagte der AFP, einige der Leichen seien gefesselt gewesen, als sie erschossen wurden. Manche Opfer seien "kaltblütig ermordet" worden.

"Der Staat ist für ein Massaker hierhin bekommen", beklagte eine Trauernde, die ihren Namen nicht nennen wollten. "Sie kamen direkt hierhin, um zu töten, um Leben zu nehmen." Auf einem Platz in der Favela Penha hatten trauernde Angehörige am Mittwochmorgen (Ortszeit) mindestens 50 Leichen auf einer Straße nebeneinander aufgereiht, wie AFP-Reporter sahen.

Bei den Razzien am Vortag in den Favelas Penha und Alemão waren rund 2500 Beamte in Kampfmontur, 32 gepanzerte Fahrzeuge, zwölf Räumfahrzeuge, Drohnen und zwei Hubschrauber im Einsatz. Es kam zu heftigen Schusswechseln mit mutmaßlichen Drogenhändlern, an verschiedenen Stellen der Favelas brachen Feuer aus. Die Behörden warfen den Drogenkriminellen vor, Busse als Barrikaden verwendet und Drohnen eingesetzt zu haben, um Sprengsätze auf die Polizei abzufeuern.

Die Polizei geht in den dicht besiedelten Favelas von Rio immer wieder mit großer Härte gegen kriminelle Banden vor. Der zuvor folgenschwerste Polizeieinsatz in der Stadt mit sechs Millionen Einwohnern hatte während der Corona-Pandemie im Jahr 2021 stattgefunden. Damals wurden an einem Tag 28 Menschen in einer Favela getötet.

W.Phillips--TNT

Empfohlen

Neue Vorwürfe gegen Reform-UK-Chef Farage wegen nicht offengelegter Geschenke

Der rechtspopulistische britische Parteichef Nigel Farage sieht sich mit neuen Vorwürfen wegen nicht offengelegter Zuwendungen konfrontiert. Die "Sunday Times" berichtete am Sonntag, ein wegen Betrugs verurteilter Krypto-Unternehmer habe vor Farages Einzug ins Parlament für dessen Sicherheit und Mitarbeiter gezahlt. Ein Abgeordneter der Liberaldemokraten forderte daraufhin eine Untersuchung durch den Ethikbeauftragten des Unterhauses. Gegen den Chef der Partei Reform UK läuft bereits eine Untersuchung wegen einer nicht deklarierten Millionenspende eines anderen Krypto-Milliardärs.

Bei Rot über die Ampel: Zwei Tote bei Verkehrsunfall in Niedersachsen

Bei einem schweren Verkehrsunfall im niedersächsischen Papenburg sind zwei Menschen ums Leben gekommen. Ein 21-jähriger Autofahrer missachtete in der Nacht zum Sonntag nach derzeitigen Ermittlungen eine rote Ampel und prallte mit seinem Wagen auf ein anderes, von einem 66-Jährigen geführtes Fahrzeug, wie die Polizei in Lingen berichtete. Durch die Wucht des Aufpralls wurde der Wagen gegen ein weiteres Auto geschleudert.

Unbeschwerte Freizeit für alle: Spender zahlt in Schwalmstadt Freibad für Kinder

Ein anonymer Spender aus dem hessischen Schwalmstadt, der in den Sommerferien für alle Kinder unter 16 Jahren den Eintritt in das örtliche Freibad zahlt, hat das mit eigenen Kindheitserinnerungen begründet. Der Zeitung "Hessisch-Niedesächsische Allgemeine" sagte er nach einem Bericht vom Sonntag, dass ein Schwimmbadbesuch bei keinem Kind aus finanziellen Gründen scheitern sollte.

Zahl der Todesopfer durch Erdbeben in Venezuela steigt auf mehr als 2900

Die offizielle Zahl der Todesopfer durch das verheerende Doppel-Erdbeben in Venezuela ist auf mehr als 2900 gestiegen. Es seien bisher 2954 Todesopfer geborgen worden, teilte die Regierung am Samstag mit. Zudem seien fast 16.600 Menschen verletzt worden. 856 Häuser seien bei den Beben beschädigt worden, mehr als 16.000 Menschen verloren den Angaben zufolge ihr Zuhause.

Textgröße ändern: