The National Times - Bundesgerichtshof berät über Stornokosten für Reiserücktritt zu Pandemiebeginn

Bundesgerichtshof berät über Stornokosten für Reiserücktritt zu Pandemiebeginn


Bundesgerichtshof berät über Stornokosten für Reiserücktritt zu Pandemiebeginn
Bundesgerichtshof berät über Stornokosten für Reiserücktritt zu Pandemiebeginn / Foto: © AFP/Archiv

Zahlreiche Touristen sagten zu Beginn der Coronapandemie ihre Urlaubsreise ab - nun hat sich erstmals der Bundesgerichtshof (BGH) mit einem solchen Fall befasst. Am Dienstag ging es in Karlsruhe um eine Reise nach Japan, die im April 2020 stattfinden sollte. Der Kläger stornierte sie aber am 1. März, nachdem in Japan erste Corona-Schutzmaßnahmen in Kraft getreten waren, und zahlte 1500 Euro Stornokosten. (Az. X ZR 53/21)

Textgröße ändern:

Am 26. März verhängte Japan ein Einreiseverbot. Daraufhin wollte der Kläger das Geld zurück. Das Amtsgericht München gab ihm recht, auf die Berufung des Reiseveranstalters hin wies das Landgericht die Klage aber zurück.

Grundsätzlich können Reisende jederzeit vom Vertrag für eine Pauschalreise zurücktreten. Der Veranstalter kann jedoch eine Entschädigung verlangen - es sei denn, "unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände" würden die Reise erheblich beeinträchtigen.

Dem BGH stellten sich nun zwei Fragen, wie der Vorsitzende Richter Klaus Bacher in der Verhandlung sagte: Erstens ob am 1. März 2020 bereits solche außergewöhnlichen Umstände vorlagen. Und zweitens, ob das überhaupt der entscheidende Zeitpunkt war - oder ob es nicht vielmehr auf die spätere Entwicklung ankam. "Wäre der Rücktritt am 27. März erfolgt, säßen wir jetzt nicht hier", fasste Bacher zusammen.

Den Zehnten Zivilsenat am BGH störte, dass das Landgericht sich vor allem auf die Infektionszahlen konzentrierte. Vielleicht habe schon die Ungewissheit, ob eine große Gefahr drohe, die Reise unzumutbar gemacht, sagte Bacher. Er deutete an, dass der BGH den Fall nicht selbst entscheiden, sondern zur neuen Verhandlung an das Landgericht zurückverweisen könnte.

Womöglich wenden sich die Karlsruher Richterinnen und Richter aber auch an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg: Deutschland hat mit seiner Regelung nämlich eine europäische Richtlinie in nationales Recht umgesetzt. Bei Unklarheiten, wie genau zu entscheiden ist, können nationale Gerichte den EuGH um Auslegung des EU-Rechts bitten. Kollegen aus Österreich hätten dies in einem ähnlichen Fall schon getan, sagte Bacher.

Unmittelbar nach der Verhandlung hatte der Senat eine Entscheidung für den Nachmittag angekündigt. Diese wurde aber später vertagt. Womöglich werden die Argumente der beiden Anwälte noch genauer besprochen: Der Klägeranwalt argumentierte, dass es erstens auf das Gefahrenpotenzial ankomme, das schon am 1. März bestanden habe - und dass zweitens ohnehin der vorgesehene Reisezeitraum entscheidend gewesen sei.

Der Anwalt des Reiseveranstalters wiederum fand, dass die vertraglichen Beziehungen genau mit der Stornierung der Reise endeten und sie darum nicht nachträglich durch außergewöhnliche Umstände unmöglich gemacht werden könne.

Der BGH will seine Entscheidung nunmehr am 2. August verkünden.

F.Lim--TNT

Empfohlen

Streit um Erbe von Dolly Parton zwischen Manager und Neffen entbrannt

Nur wenige Wochen nach dem Tod der Country-Musik-Legende Dolly Parton ist zwischen ihrem ehemaligen Manager und ihrem Neffen ein Streit um das millionenschwere Erbe ausgebrochen. Wie am Mittwoch bekannt wurde, beantragte Partons langjähriger Manager Danny Nozell eine einstweilige Verfügung gegen ihren Neffen Bryan Seaver, dem er eine "eskalierende Drohkampagne" vorwarf, um Geld aus den Unternehmen der verstorbenen Sängerin zu erpressen.

Anwältin: In Russland inhaftierte Regisseurin Berkowitsch auf 42 Kilo abgemagert

Die in Russland inhaftierte Theaterregisseurin und Kriegsgegnerin Jewgenija Berkowitsch ist nach Angaben ihrer Anwältin im Gefängnis auf 42 Kilogramm abgemagert. "Sie ist wieder in eine Strafzelle gesteckt worden", sagte Ksenia Karpinskaja der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch. Ihren Angaben zufolge ist es das dritte Mal, dass die 41-Jährige in Isolationshaft musste.

Linke in der Defensive: Massive Kritik im Bundestag wegen Antisemitismus-Verdacht

Wenige Tage nach ihrem Wahlsieg in Berlin ist die Linkspartei wegen Clan-Kontakten und Antisemitismus-Vorwürfen in die Defensive geraten. In einer Aktuellen Stunde im Bundestag erhoben am Mittwoch Abgeordnete aller anderen Fraktionen schwere Vorwürfe. Union, SPD, Grüne und AfD warfen der Linken eine mangelnde Abgrenzung zu Antisemiten vor und warnten vor einer Unterwanderung durch die Organisierte Kriminalität. Die Linke wertete die Kritik als Manöver, sie nach dem Wahlsieg von der Übernahme der Landesregierung in Berlin abzuhalten.

Sexueller Missbrauch: Ex-Hollywood-Produzent Weinstein zu 15 Jahren Haft verurteilt

Der frühere Hollywood-Produzent Harvey Weinstein ist wegen sexueller Übergriffe auf eine Produktionsassistentin zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Das New Yorker Gericht bliebt damit am Mittwoch hinter der Forderung der Staatsanwaltschaft von 20 Jahren Haft zurück. Geschworene hatten den heute 74-jährigen Weinstein vor gut einem Jahr schuldig gesprochen, seine Assistentin Miriam Haley im Jahr 2006 missbraucht zu haben. Nun wurde das Strafmaß verkündet.

Textgröße ändern: