The National Times - Gefangenenaustausch des Westens mit Russland: Scholz spielte entscheidende Rolle

Gefangenenaustausch des Westens mit Russland: Scholz spielte entscheidende Rolle


Gefangenenaustausch des Westens mit Russland: Scholz spielte entscheidende Rolle
Gefangenenaustausch des Westens mit Russland: Scholz spielte entscheidende Rolle / Foto: © POOL/AFP

Beim größten Gefangenenaustausch zwischen Russland und dem Westen seit dem Kalten Krieg hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nach Angaben der US-Regierung eine entscheidende Rolle gespielt. US-Präsident Joe Biden habe dafür "mehrere Gespräche" mit Scholz geführt, sagte der Nationale Sicherheitsberater Jake Sullivan am Donnerstag in Washington. Der "Schlüssel" sei die deutsche Zustimmung zur Freilassung des sogenannten Tiergarten-Mörders Vadim Krasikow gewesen.

Textgröße ändern:

"Im Verlauf der Verhandlung sind wir zu dem Schluss gelangt, dass Krasikow ein Schlüssel war", sagte Sullivan. Über den Gefangenenaustausch wurde nach seinen Angaben monatelang verhandelt, ursprünglich sollte nach den Plänen der US-Regierung auch der dann im Februar in russischer Lagerhaft gestorbene Kreml-Kritiker Alexej Nawalny in die Vereinbarung einbezogen werden.

Scholz erteilte nach Angaben aus US-Regierungskreisen Anfang des Jahres die Zustimmung zur Freilassung Krasikows, um den Deal mit Moskau zu ermöglichen. "Für Dich werde ich das machen", habe der Bundeskanzler zu Biden gesagt, berichtete ein hochrangiger US-Regierungsmitarbeiter.

Über den Gefangenenaustausch sprach laut Sullivan auch US-Vizepräsidentin Kamala Harris mit Scholz am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar.

Biden lobte am Donnerstag die "kühnen und tapferen Entscheidungen" Deutschlands und anderer Verbündeter, die zu Recht Inhaftierte freigelassen hätten. "Insbesondere dem Bundeskanzler schulde ich eine große Empfindung des Dankes", erklärte der US-Präsident.

Um die russischen Bedingungen für einen Gefangenenaustausch zu erfüllen, seien "bedeutende Zugeständnisse von Deutschland" nötig gewesen, welche die Bundesregierung ursprünglich nicht habe machen wollen, hob Biden hervor. Grundlage der Gespräche mit dem Kanzler sei die "aufrichtige Freundschaft" zwischen Scholz und Biden gewesen, sagte der Sicherheitsberater Sullivan.

Russland und Belarus sowie auf der anderen Seite die USA, Deutschland und drei weitere Nato-Staaten hatten den Gefangenenaustausch am Donnerstagnachmittag vollzogen. Russland ließ 15 Inhaftierte frei, unter ihnen den US-Reporter Evan Gershkovich und vier Gefangene mit deutschem Pass. Auch die Freilassung eines in Belarus zunächst zum Tode verurteilten und später begnadigten Deutschen konnte erreicht werden.

Der freigelassene "Tiergarten-Mörder" Krasikow war Ende 2021 zu lebenslanger Haft in Deutschland verurteilt worden, weil er nach Überzeugung des Berliner Kammergerichts im August 2019 einen tschetschenischstämmigen Georgier im Kleinen Tiergarten in der Hauptstadt erschossen hatte. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Krasikow den Mord im Auftrag staatlicher russischer Stellen begangen hatte.

"Niemand hat sich die Entscheidung einfach gemacht, einen zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilten Mörder nur nach wenigen Jahren der Haft abzuschieben", sagte Scholz in der Nacht zum Freitag. Für die Bundesregierung sei entscheidend gewesen, "dass wir eine Schutzverpflichtung haben gegenüber deutschen Staatsangehörigen sowie auch die Solidarität mit den USA".

S.Ross--TNT

Empfohlen

Schülerproteste in Frankreich: Mehr als 5000 Festnahmen seit Montag

Bei den landesweiten Schülerprotesten in Frankreich sind nach Angaben der Regierung seit Montag mehr als 5000 Menschen festgenommen worden. Innenminister Laurent Nuñez sagte am Freitagabend im Sender TF1, allein am Freitag habe es 1747 Festnahmen gegeben. "Es gab Ausschreitungen in der Nähe von 158 Einrichtungen: Wurfgeschosse, Angriffe auf Ordnungskräfte, Lehrkräfte, Journalisten, Passanten."

Nach Angriff auf SPD-Politiker Ecke in Dresden: Drei Angeklagte kommen vor Gericht

Knapp drei Jahre nach dem Angriff auf den SPD-Europaabgeordneten Matthias Ecke in Dresden kommen drei Tatverdächtige vor Gericht. Das Amtsgericht der sächsischen Landeshauptstadt ließ die Anklage der Staatsanwaltschaft zu, wie es am Freitag mitteilte. Ecke war im Mai 2024 beim Aufhängen von Wahlplakaten angegriffen und dabei so schwer verletzt worden, dass er operiert werden musste.

Sonderermittlerin soll mutmaßliche Gruppenvergewaltigung an US-Eliteuni untersuchen

Rund zwei Jahre nach einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung an der US-Eliteuniversität Cornell hat der Bundesstaat New York eine Sonderermittlerin berufen. Gouverneurin Kathy Hochul betraute die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James mit dem Fall. Beide wollten am Freitag vor die Presse treten.

Bayern: Mehr als sechs Jahre Haft für Syrer wegen Einschleusens von Ausländern

Wegen der mehrfachen Schleusung von illegalen Einwanderern ist ein 32-jähriger Syrer in Bayern zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und zwei Monaten verurteilt worden. Das Landgericht Traunstein sprach ihn unter anderem des banden- und gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern schuldig, wie ein Gerichtssprecher am Freitag mitteilte. In das Strafmaß wurde auch ein Urteil vom April mit einbezogen.

Textgröße ändern: