The National Times - Russische Städte rüsten sich für schwere Überschwemmungen - Seltene Proteste

Russische Städte rüsten sich für schwere Überschwemmungen - Seltene Proteste


Russische Städte rüsten sich für schwere Überschwemmungen - Seltene Proteste
Russische Städte rüsten sich für schwere Überschwemmungen - Seltene Proteste / Foto: © Kommersant Photo/AFP

In Russland drohen mehreren Regionen massive Überschwemmungen angesichts des Hochwassers in großen Flüssen. Bis Montag wurden bereits mehr als 10.000 Wohnhäuser in den Regionen Ural, Wolga und Westsibirien überflutet. Wegen hoher Temperaturen und der damit verbundenen Schneeschmelze rechneten die Behörden mit weiter steigenden Pegelständen. In der Stadt Orsk kam es zu einer Demonstration gegen den Umgang der Behörden mit der Situation - einer der seltenen Fälle von öffentlichem Protest in Russland.

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Die Regierung in Moskau hatte bereits am Sonntag den Katastrophenfall in der Region Orenburg ausgerufen. Am Freitag war ein Staudamm im Ural gebrochen, die in der Region Orenburg liegende Großstadt Orsk wurde zu großen Teilen überschwemmt. Tausende Menschen mussten evakuiert werden, neun Menschen mussten Lokalbehörden zufolge ins Krankenhaus. Den russischen Behörden zufolge waren dem Dammbruch sintflutartige Regenfälle inmitten der Schneeschmelze vorausgegangen.

In Orsk versammelten sich am Montag mehrere hundert Menschen vor dem Rathaus, wie aus einem Video des Lokalmediums orsk.ru hervorging. "Eine Schande! Eine Schande", riefen die Menschen laut einem vom russischen Medium RBK ausgestrahlten Video. Demnach verlangten einige Demonstranten den Rücktritt des örtlichen Bürgermeisters. Die Protestteilnehmer forderten mehr finanzielle Hilfe und waren wütend über den Bruch des Damms, der zum Schutz der Stadt gebaut worden war.

Öffentliche Demonstrationen gegen die Regierung sind aufgrund strenger Gesetze gegen Proteste illegal in Russland. Die Regionalstaatsanwaltschaft von Orenburg warnte die Bewohner explizit davor, dass ihnen die Festnahme drohe, sollten sie an "nicht genehmigten" Kundgebungen teilnehmen. Der Gouverneur von Orenburg sicherte am Montag zu, dass die Kosten der Schäden an Häusern vollständig erstatten würden.

In Orenburg stieg der Pegelstand laut Regionalregierung innerhalb von 24 Stunden um 16 Zentimeter und erreicht mit 8,72 Metern den höchsten Wert seit mehr als 80 Jahren. Der russische Wetterdienst erklärte, das Hochwasser im Fluss Ural werde frühestens am Mittwoch seinen Scheitelpunkt erreichen, vielen Stadtteilen von Orenburg drohe die Überflutung.

Auch in den westsibirischen Regionen Kurgan und Tjumen sind nach Angaben des Kremls Überschwemmungen "unvermeidlich". Die Katastrophenschutzbehörden warnten, Teilen der historischen Stadt Tobolsk in Sibirien drohe die Überflutung durch den gefährlich angeschwollenen Fluss Irtysch.

Die Gouverneure von Kurgan und Tjumen riefen den Notstand aus. "Die Hochwasservorhersage verschlechtert sich rapide, es kommt viel mehr Wasser an, und schneller", erklärte Wadim Schumkow, Gouverneur von Kurgan, im Onlinedienst Telegram. Er forderte die Bewohner in den Überschwemmungsgebieten entlang des Flusses Tobol zur Evakuierung auf: "Warten Sie nicht, bis das Wasser kommt. Es wird nachts und unerwartet kommen, schnell in Form einer großen Welle." Sein Amtskollege aus Tjumen gab an, der Notstand helfe, im Fall einer Zuspitzung der Lage schnell zu reagieren.

Dem Kreml zufolge ließ sich Präsident Wladimir Putin ständig über die Hochwasserlage auf dem Laufenden halten und ordnete die Einrichtung eines Krisenstabs an. Nachdem der Staatschef lange öffentlich Zweifel am menschengemachten Klimawandel geäußert hatte, hatte er die Regierung in den vergangenen Jahren angewiesen, die Vorkehrungen für den Fall von Extremwetterereignissen zu verstärken. Russland erlebte in jüngster Zeit mehrfach schwere Überschwemmungen und Waldbrände.

S.Cooper--TNT

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