The National Times - Sexvideos eines Politikers: Russischer Künstler in Paris verurteilt

Sexvideos eines Politikers: Russischer Künstler in Paris verurteilt


Sexvideos eines Politikers: Russischer Künstler in Paris verurteilt
Sexvideos eines Politikers: Russischer Künstler in Paris verurteilt / Foto: © AFP

Wegen der Veröffentlichung eines Sexvideos eines französischen Politikers hat ein Gericht in Paris einen russischen Künstler zu sechs Monaten Haft in Form einer elektronischen Fußfessel verurteilt. Seine Partnerin, die ursprüngliche Adressatin des Videos, wurde am Mittwoch zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Der frühere Regierungssprecher Benjamin Griveaux hatte nach Bekanntwerden des Videos 2020 seinen Wahlkampf um das Pariser Rathaus aufgegeben, für das er als Kandidat der Partei von Präsident Emmanuel Macron ins Rennen gegangen war.

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Der 39 Jahre alte Piotr Pavlenski hatte die Verbreitung des Videos als Kunstaktion verteidigt. Er habe damit die "ekelhafte Heuchelei" des Politikers anprangern wollen, der "seine Familie benutzt, um sich als Vater und Ehemann zu stilisieren", sagte er nach Bekanntwerden der Affäre. Während des Prozesses machte Pavlenski von seinem Schweigerecht Gebrauch. Griveaux, der eine Weile als Aufsteiger im Umfeld von Macron galt und sich inzwischen aus der Politik verabschiedet hat, erschien nicht zum Prozess.

Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte Griveaux das Video 2018 an Alexandra de Taddeo geschickt, mit welcher der Politiker einige Monate lang liiert war. Die 32-Jährige erklärte während des Prozesses, dass sie das Video behalten habe, um sich zu schützen, falls die Affäre bekannt werden würde. Sie habe Griveaux nicht reinlegen wollen.

Ihrer Aussage nach wusste sie nicht, dass Pavlenski das Video veröffentlichen wollte. Sie unterstütze ihn aber seine künstlerische Aktion, sagte sie. Taddeo war während der Gerichtsverhandlung in einem bodenlangen hellblauen Paillettenkleid aufgetreten und hatte die Gelegenheit genutzt, um ihr eben erschienenes Buch in die Kamera zu halten, in dem es unter anderem um die Affäre mit Griveaux geht. Laut Klappentext hatte dieser sie - im Unterschied zu Pavlenski - nicht weiter beeindruckt.

Die Affäre hatte Macron in Schwierigkeiten gebracht. Nachdem Griveaux als Kandidat zurückgetreten war, schickte er die damalige Gesundheitsministerin Agnès Buzyn ins Rennen um das Pariser Rathaus. Buzyn wollte ihren Posten angesichts der Corona-Pandemie zunächst nicht abgeben, trat dann widerstrebend an und verlor gegen die sozialistische Amtsinhaberin Anne Hidalgo.

Pavlenski war durch extreme Performance-Aktionen in Russland bekannt geworden, die meist mit Selbstverletzungen verbunden waren. Dabei trat er etwa mit zusammengenähten Lippen oder nackt in Stacheldraht gewickelt auf. 2013 nagelte er seinen Hoden auf dem Roten Platz in Moskau fest. Seit 2017 ist er in Frankreich als politischer Flüchtling anerkannt. Im selben Jahr legte er einen Brand an einer Filiale der Banque de France, wofür er später zu drei Jahren Haft, davon zwei auf Bewährung verurteilt wurde.

L.Graham--TNT

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