The National Times - US-Justizministerium stellt Polizei von Minneapolis verheerendes Zeugnis aus

US-Justizministerium stellt Polizei von Minneapolis verheerendes Zeugnis aus


US-Justizministerium stellt Polizei von Minneapolis verheerendes Zeugnis aus
US-Justizministerium stellt Polizei von Minneapolis verheerendes Zeugnis aus / Foto: © GETTY IMAGES/AFP/Archiv

Rund drei Jahre nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis hat das US-Justizministerium der Polizei der Stadt ein verheerendes Zeugnis ausgestellt. Polizisten würden "routinemäßig übermäßige Gewalt" anwenden, in manchen Fällen auch "nicht gerechtfertigte tödliche Gewalt", heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Untersuchungsbericht des Ministeriums zur Polizeiarbeit in Minneapolis. Die Polizei würde außerdem "Schwarze und Indigene rechtswidrig diskriminieren".

Textgröße ändern:

Viele Beamte der Polizeibehörde von Minneapolis (MPD) würden ihre "schwierige Arbeit mit Professionalität, Mut und Respekt" ausüben, betont der Bericht. "Gleichwohl hat unsere Untersuchung ergeben, dass die systemischen Probleme im MPD das ermöglicht haben, was George Floyd passiert ist."

So habe die Polizeibehörde der Stadt im nördlichen Bundesstaat Minnesota über Jahre "gefährliche Techniken und Waffen" gegen Menschen eingesetzt, die nur Bagatelldelikte oder gar kein Delikt begangen hätten. Polizisten hätten auch Gewalt eingesetzt "um Menschen zu bestrafen, die Beamte wütend gemacht oder die Polizei kritisiert haben".

Die Polizei kontrolliere außerdem verschiedene Stadtteile abhängig von der Hautfarbe der Bevölkerung unterschiedlich und diskriminiere bei Durchsuchungen, dem Anlegen von Handschellen oder der Anwendung von Gewalt ebenfalls auf Grundlage der Hautfarbe, heißt es in dem Bericht weiter. Angeprangert wird auch der Einsatz von Polizisten gegen Menschen mit psychischen Problemen, "manchmal mit tragischen Folgen".

Das Justizministerium hatte seine Untersuchung zur Polizei von Minneapolis im April 2021 eingeleitet, knapp ein Jahr nach Floyds Tod. Das Ministerium forderte nun Reformen von Stadt und Polizei, um die Missstände abzuschaffen. Das Ministerium erkennt in seinem Bericht zugleich an, dass erste Reformen beschlossen worden seien. So habe Minneapolis der Polizei Würgegriffe verboten.

Floyds auf einem Handyvideo festgehaltener Tod am 25. Mai 2020 hatte international für Entsetzen gesorgt und in den USA landesweite Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst. Der weiße Polizist Derek Chauvin hatte dem wegen eines mutmaßlich gefälschten 20-Dollar-Scheins festgenommenen Schwarzen rund neuneinhalb Minuten lang das Knie in den Nacken gedrückt, obwohl Floyd wiederholt klagte, er bekomme keine Luft mehr.

Floyds Klage "I can't breathe" - "Ich kann nicht atmen" oder "Ich bekomme keine Luft" - ging um die Welt und wurde zu einem Motto der Anti-Rassismus-Bewegung Black Lives Matter.

Chauvin wurde im Juni 2021 wegen Mordes zweiten Grades - im deutschen Recht entspricht das in etwa einem Totschlag in einem schweren Fall - zu 22 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Die anderen drei an Floyds Festnahme beteiligten Polizisten wurden später wegen unterschiedlicher Anklagepunkte zu deutlich kürzeren Gefängnisstrafen verurteilt.

Bereits im April 2022 hatte die Menschenrechtsbehörde des Bundesstaates Minnesota der Polizei von Minneapolis in einem Bericht eine Kultur des Rassismus vorgeworfen. Es gebe bei der städtischen Polizei "ein Muster oder eine Praxis der diskriminierenden, auf Hautfarbe basierenden Polizeiarbeit".

In den USA gibt es immer wieder schockierende Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze und Angehörige anderer Minderheiten.

S.Lee--TNT

Empfohlen

Bischof Wilmer nennt Antisemitismus "Sünde" - Kritik an AfD und Linkspartei

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, hat nach den jüngsten Landtagswahlen mit scharfen Worten vor einem wachsenden Antisemitismus gewarnt. "Antisemitismus ist Sünde", sagte Wilmer am Montag zu Beginn der Herbstvollversammlung der Bischöfe im hessischen Fulda. Die katholische Kirche stehe an der Seite der jüdischen Bürger in Deutschland. "Antisemitismus untergräbt unsere Demokratie", warnte Wilmer.

Rehlinger würdigt Papstbesuch in deutsch-französischer Grenzregion

Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) hat den Papstbesuch in der deutsch-französischen Grenzregion als wichtige Geste gewürdigt. "Dass Papst Leo XIV. ausgerechnet Metz gewählt hat, um über Frieden und die Zukunft Europas zu sprechen, ist von großer Symbolkraft", sagte die Bevollmächtigte für die deutsch-französischen kulturellen Beziehungen am Montag der Nachrichtenagentur AFP.

Türkischer Komiker Göktas wegen Beleidigung Erdogans zu Haftstrafe verurteilt

Der beliebte türkische Komiker Deniz Göktas ist wegen Beleidigung von Staatschef Recep Tayyip Erdogan zu einer mehrmonatigen Haftstrafe verurteilt worden - kommt jedoch vorerst auf freien Fuß. Ein Gericht in Istanbul verurteilte den 32-Jährigen am Montag zu etwas mehr als 19 Monaten Haft, ordnete jedoch seine vorläufige Freilassung bis zum Abschluss des Berufungsverfahrens an, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Angriff mit Paintballpistole: 21-Jähriger in Bayern auf einem Auge blind

Unbekannte haben im bayerischen Edelsfeld einen 21-Jährigen durch Schüsse mit einer mutmaßlichen Paintballpistole schwer an den Augen verletzt. Die Polizei in Regensburg teilte am Montag mit, der 21-Jährige sei auf einem Auge erblindet. Auch die Sehkraft des zweiten Auges sei beeinträchtigt. Die Suche nach drei mutmaßlichen Tätern im geschätzten Alter von etwa 18 bis 22 Jahren dauerte an.

Textgröße ändern: