The National Times - Russische Armee erhöht militärischen Druck auf ukrainische Großstädte

Russische Armee erhöht militärischen Druck auf ukrainische Großstädte


Russische Armee erhöht militärischen Druck auf ukrainische Großstädte
Russische Armee erhöht militärischen Druck auf ukrainische Großstädte

Eineinhalb Wochen nach ihrem Einmarsch in die Ukraine erhöhen die russischen Streitkräfte den militärischen Druck auf die Großstädte des Nachbarlandes. Heftige Angriffe gab es in der Nacht zum Sonntag nach ukrainischen Angaben rund um Kiew, Charkiw und Mykolajiw. Helfer bezeichneten die humanitäre Situation insbesondere in Mariupol als "katastrophal". Während Israels Regierungschef Naftali Bennett einen überraschenden Vermittlungsversuch startete, drohte Russlands Präsident Wladimir Putin mit einem Ende der "Staatlichkeit" der Ukraine.

Textgröße ändern:

In der Region Kiew hinterließen die russischen Angriffe eine Spur der Verwüstung. Wo am Freitag auf der Strecke zwischen den Städten Butscha nach Irpin noch eine Tankstelle und ein Supermarkt gestanden hatten, waren am Samstag nur noch Trümmer zu sehen.

In einem nördlich von Kiew gelegenen Krankenhaus berichtete der durch Granatsplitter verwundete ukrainische Soldat Mykola, wie seine Einheit während einer Aufklärungsfahrt auf eine "feindliche Kolonne" gestoßen sei. "Sie überschütteten uns mit Mörserfeuer", sagte der 29-Jährige zu AFP-Reportern.

Verheerend ist die humanitäre Situation derzeit insbesondere in der strategisch wichtigen Hafenstadt Mariupol. Der Notfalldirektor von Ärzte ohne Grenzen (MSF), Laurent Ligozat, sagte zu AFP, in der Stadt gebe es kein Wasser und keinen Strom mehr, die Lebensmittel würden knapp. Zivilisten müssten dringend über einen humanitären Korridor aus der Stadt gebracht werden.

Eine geplante Evakukierungsaktion in Mariupol war am Samstag gescheitert. Für die Aktion hatten Russland und die Ukraine eine Feuerpause vereinbart, die nach Angaben des Vize-Bürgermeisters von Mariupol, Serhij Orlow, aber nur 30 Minuten hielt.

Die russische Armee habe mit Artillerie und Raketen unter anderem auch die "Sammelstellen" beschossen, von denen aus tausende Zivilisten hätten in Sicherheit gebracht werden sollen, sagte Orlow in den ARD-"Tagesthemen". 20 von insgesamt 50 Evakuierungsbussen seien zerstört worden. Orlow warf Russlands Armee "Kriegsverbrechen" vor.

Russland hatte zuvor die ukrainische Armee für den Bruch der Feuerpause verantwortlich gemacht. Am Samstagabend erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau dann, die "Offensivaktionen" in Mariupol seien wieder aufgenommen worden.

Angesichts der sich verschärfenden Lage bat der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj erneut um westliche Unterstützung. Mit Blick auf finanzielle Hilfen und die "Fortsetzung von Sanktionen" gegen Russland habe er erneut mit US-Präsident Joe Biden telefonierte, twitterte er.

Kiew fordert von der westlichen Gemeinschaft noch härtere Strafmaßnahmen gegen Russland, insbesondere gegen dessen Energiesektor. Den Appell der ukrainischen Regierung an die Nato, eine Flugverbotszone einzurichten, hat das Westbündnis unter Verweis auf eine drohende weitere Eskalation des Konflikts abgelehnt.

Putin betonte am Samstag, dass die Schaffung einer Flugverbotszone über der Ukraine für Moskau eine rote Linie sei. Ein solcher Schritt würde "kolossale und katastrophale Folgen nicht nur für Europa, sondern für die ganze Welt" haben, sagte er bei einem Treffen mit Mitarbeitern der russischen Airline Aeroflot.

Die Ukraine warnte der russische Präsident mit drastischen Worten vor dem Verlust ihrer Souveränität. "Die derzeitigen Machthaber (in Kiew) müssen verstehen, dass sie die Zukunft der ukrainischen Staatlichkeit in Frage stellen, wenn sie weiterhin tun, was sie tun. Und wenn das passiert, werden sie die volle Verantwortung dafür tragen."

Seine Bereitschaft, in dem Konflikt zu vermitteln, erklärte am Samstag Israels Regierungschef Bennett bei einem dreistündigen Treffen mit Putin in Moskau. Das Treffen sei mit den USA, Deutschland und Frankreich abgestimmt gewesen, sagte ein israelischer Regierungsvertreter.

Bennett reiste noch am Samstagabend von Moskau weiter nach Berlin, wo er in der Nacht Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) über die Ergebnisse seiner Unterredung mit Putin informierte. Details des 90-minütigen Treffens von Scholz und Bennett wurden nicht bekannt. Ein Regierungssprecher erklärte, beide wollten "eng in Kontakt" bleiben. Gemeinsames Ziel bleibe es, "den Krieg in der Ukraine so schnell wie irgend möglich zu beenden".

Nach Angaben seines Büros telefonierte Bennett zudem zweimal mit Selenskyj sowie mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron. Selenskyj hatte Bennett kürzlich um Vermittlung gebeten. Israel unterhält gute Beziehungen sowohl zur Ukraine als auch zu Russland.

E.Reid--TNT

Empfohlen

Baden-Württemberg: Kind auf Laufrad von Zug erfasst und gestorben

In Baden-Württemberg ist ein vierjähriges Mädchen auf einem Laufrad von einem Zug erfasst worden und ums Leben gekommen. Das Kind befuhr am Samstagabend in Sipplingen im Bodenseekreis trotz geschlossener Halbschranken einen Bahnübergang und kollidierte mit einem Regionalexpress, wie das Polizeipräsidium Ravensburg am Sonntag mitteilte.

Festnahme nach Tötung eines Mannes in Köln Ehrenfeld

Nach einem mutmaßlichen Tötungsdelikt in Köln hat die Polizei einen tatverdächtigen 31-Jährigen festgenommen. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Samstag mitteilten, wurden am Morgen Einsatzkräfte zu einem Mehrfamilienhaus im Stadtteil Ehrenfeld gerufen, nachdem ein Anwohner einen lauten Streit bemerkt und dann einen Schwerverletzten im Hausflur entdeckt hatte. Der zunächst nicht zu identifizierende Mann starb trotz Reanimationsmaßnahmen noch vor Ort.

Hantavirus: WHO macht Evakuierung von Kreuzfahrtschiff zur Chefsache

Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf dem niederländischen Kreuzfahrtschiff "Hondius" macht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Evakuierung der noch rund 150 Menschen an Bord zur Chefsache. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus traf am Samstag in Spanien ein, um eine sichere Evakuierung zu beaufsichtigen. Laut WHO wurde mittlerweile in sechs von acht Verdachtsfällen eine Infektion mit dem von Mensch zu Mensch übertragbaren Andes-Virusstamm bestätigt. Zu den drei Todesopfern zählt eine Deutsche.

WHO: Bisher insgesamt sechs Hantavirus-Fälle bestätigt

Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf einem niederländischen Kreuzfahrtschiff im Atlantik mit drei Toten hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in sechs von acht Verdachtsfällen eine Infektionen mit dem Virus bestätigt. "Bis zum 8. Mai wurden insgesamt acht Fälle gemeldet, darunter drei Todesfälle", erklärte die WHO am Freitag. "Sechs Fälle wurden im Labor als Hantavirus-Infektionen bestätigt", hieß es weiter.

Textgröße ändern: