The National Times - Tausende erweisen den drei in Paris erschossenen Kurden die letzte Ehre

Tausende erweisen den drei in Paris erschossenen Kurden die letzte Ehre


Tausende erweisen den drei in Paris erschossenen Kurden die letzte Ehre
Tausende erweisen den drei in Paris erschossenen Kurden die letzte Ehre / Foto: © AFP

Tausende Kurden aus Frankreich und anderen europäischen Ländern haben am Dienstag in Villiers-le-Bel bei Paris an einer Trauerfeier für drei kurdischen Aktivisten teilgenommen, die kurz vor Weihnachten im Zentrum von Paris erschossen worden waren. Viele Kurden gehen von einem vom türkischen Staat gesteuerten Anschlag aus, die französischen Ermittler sprechen hingegen bisher von der Tat eines französischen Rassisten. Die Polizei war mit einem Großaufgebot bei der hochpolitischen Trauerfeier vor Ort.

Textgröße ändern:

Eingehüllt in Fahnen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) wurden die drei Särge durch die Menschenmenge in einen Festsaal gebracht, begleitet von Weinen und Rufen wie "Die Märtyrer leben ewig!". Tausende Menschen verfolgten die Trauerfeier außerhalb des Saals auf Großleinwänden, drinnen war ein Bild des in der Türkei inhaftierten PKK-Führers Abdullah Öcalan aufgebaut.

"Wir sind hier, weil es unsere Pflicht ist. Unsere Eltern führen seit Jahren den Kampf, und wir führen ihn weiter", sagte die etwa 30 Jahre alte Celik mit Blick auf die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden, die in der Türkei, aber auch in Syrien, dem Nordirak und im Iran als Minderheit leben.

Aus mehreren europäischen Ländern waren Kurden in Sonderbussen nach Villiers-le-Bel gereist, um Abdurrahman Kizil, dem kurdischen Sänger Mir Perwer und Emine Kara die letzte Ehre zu erweisen. Die Toten sollten später in ihre kurdische Heimat überführt und dort bestattet werden, teilte der in Frankreich ansässige Kurdenverband CDK-F mit.

Der 69 Jahre alte Täter war nach den Schüssen kurz vor Weihnachten in der Nähe des kurdischen Kulturzentrums in Paris überwältigt und festgenommen worden. Er räumte bei seinem Verhör ein, einen "krankhaften Hass auf Ausländer" zu haben. Die französische Justiz ermittelt gegen ihn unter anderem wegen Mordes aus rassistischen Gründen. Die Terrorstaatsanwaltschaft wurde nicht eingeschaltet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass der mutmaßliche Täter einer extremistischen Ideologie anhänge.

Der ehemalige Lokführer war erst kurz zuvor aus der Untersuchungshaft entlassen worden, weil er im Dezember 2021 mit einem Säbel auf Migranten in einem Pariser Lager losgegangen war. Dabei hatte er zwei Menschen verletzt und mehrere Zelte zerschnitten. Auslöser seines Hasses soll ein Einbruch in seiner Wohnung 2016 gewesen sein.

Vertreter der kurdischen Gemeinde kritisieren, dass die Justiz den Fall nicht als Terrorakt einstuft. "Schon die Tatsache, dass unsere Vereinigung das Ziel war, zeigt den terroristischen und politischen Charakter", sagte Agit Polat, Sprecher des Kurdenverbands CDK-F in Frankreich. Er gab zu Bedenken, dass der Täter während seiner fast einjährigen Untersuchungshaft von Mithäftlingen manipuliert worden sein könnte.

Viele Kurden sehen zudem eine Verbindung zu dem Dreifachmord an kurdischen Aktivistinnen vor fast genau zehn Jahren im selben Pariser Bezirk. Damals war ein Türke festgenommen worden, der unter Verdacht stand, mit dem türkischen Geheimdienst zusammengearbeitet zu haben. Er starb 2016 in Untersuchungshaft, noch bevor es zum Prozess kam.

Zum Zeitpunkt der jüngsten Tat wurde in dem Kurdenzentrum im zehnten Pariser Arrondissement gerade eine Großdemonstration zum zehnten Jahrestag des bis heute nicht vollständig geklärten Dreifachmordes geplant. Die Trauerfeier für die Opfer vom 23. Dezember fand am selben Ort statt wie die der drei Opfer vom Januar 2013.

Der kurdische Verband CDK-F hatte bereits kurz nach der Tat den türkischen Staat und dessen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan beschuldigt, für die Morde verantwortlich zu sein. Die türkische Regierung bestellte daraufhin den französischen Botschafter ein, um zu protestieren, dass französischen Behörden nicht genug gegen "anti-türkische Propaganda" unternommen hätten.

F.Harris--TNT

Empfohlen

Social-Media-Sucht: Tiktok wendet Prozess in USA durch 100-Millionen-Vergleich ab

Die Videoplattform Tiktok hat mit einem Vergleich einen für Montag geplanten Prozess im US-Bundesstaat Alabama wegen mutmaßlich mangelhaften Schutzes Minderjähriger vor Social-Media-Sucht abgewendet. Wie Generalstaatsanwalt Steve Marshall am Freitag (Ortszeit) mitteilte, soll das Unternehmen im Rahmen der Einigung mindestens 100 Millionen Dollar zahlen und die tägliche Nutzungszeit für junge Nutzer auf zwei Stunden begrenzen.

Social-Media-Sucht: Tiktok in den USA ab Montag erstmals vor Gericht

Die Videoplattform Tiktok soll sich ab Montag erstmals vor einem US-Gericht verantworten. Bei dem Verfahren in Montgomery im Bundesstaat Alabama geht es um den Vorwurf, Tiktok schütze Kinder und Jugendliche nicht ausreichend vor Social-Media-Sucht. Ähnliche geplante Gerichtsprozesse - unter anderem in Los Angeles - hatte Tiktok mit außergerichtlichen Vergleichen abgewendet.

US-Justiz: Pentagon darf Sanktionen gegen Anthropic aufrecht erhalten

Im Konflikt mit dem US-Verteidigungsministerium um seine Einstufung als "Sicherheitsrisiko" hat das US-Unternehmen Anthropic eine juristische Niederlage erlitten. Ein US-Berufungsgericht in Washington bestätigte am Freitag die Maßnahmen gegen das Unternehmen durch das Pentagon. Zwar habe Anthropic nicht in böser Absicht gehandelt. In den USA obliege es aber dem "Präsidenten und dem Verteidigungsminister, zu entscheiden, wie die Risiken gegeneinander abgewogen werden", fügte Richter Gregory Katsas hinzu.

Papst Leo XIV. grüßt von Papamobil aus Menschenmengen in Paris

Papst Leo XIV. hat von seinem Papamobil aus jubelnde Menschenmengen in der französischen Hauptstadt Paris gegrüßt. Nach einer rund zweieinhalb Kilometer langen Fahrt zwischen dem Viertel Montparnasse und dem Place Saint-Michel kam der Pontifex am Freitagnachmittag an der Kathedrale Notre-Dame an, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP beobachteten. Leo XIV. ist der erste Papst, der das Pariser Wahrzeichen seit seiner Wiedereröffnung im Dezember 2024 nach dem verheerenden Brand besucht.

Textgröße ändern: