The National Times - Forschungsministerin Bär stellt Bafög-Erhöhung in Frage - SPD empört

Forschungsministerin Bär stellt Bafög-Erhöhung in Frage - SPD empört


Forschungsministerin Bär stellt Bafög-Erhöhung in Frage - SPD empört
Forschungsministerin Bär stellt Bafög-Erhöhung in Frage - SPD empört / Foto: © AFP

In der schwarz-roten Koalition ist ein offener Streit um die geplante Erhöhung der Ausbildungsförderung Bafög entbrannt. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) machte am Wochenende deutlich, dass sie nicht mehr mit einer schnellen Reform rechnet. Die SPD im Bundestag zeigte sich empört und pochte auf die vereinbarte Umsetzung zum Herbst. Scharfe Kritik an Bär kam auch aus der Opposition und vom Deutschen Studierendenwerk.

Textgröße ändern:

"Mein Haus hat alle Weichen gestellt für die Bafög-Reform und wir sind auch im Zeitplan", sagte Bär den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Ich habe aber auch gehört, dass die Reform von den Regierungsfraktionen nicht mehr unterstützt wird."

Im Koalitionsvertrag hatten sich CDU, CSU und SPD auf eine Bafög-Novelle geeinigt, die zum Wintersemester 2026/2027 eine Erhöhung der Wohnkostenpauschale von 380 auf 440 Euro pro Monat vorsieht. Der Grundbedarf für Studierende soll in zwei Schritten zum Wintersemester 2027/28 und 2028/29 an das Grundsicherungsniveau angepasst werden. Das Bundesforschungsministerium hatte Ende April mitgeteilt, dass sich die Koalition im Zuge der Haushaltsverhandlungen bei der Finanzierung der Erhöhung geeinigt habe.

Bär zeigte gegenüber den Funke-Zeitungen nun aber Verständnis für einen möglichen Stopp der Bafög-Reform. "Wenn Pflegebedürftige sparen sollen und beim Elterngeld Kürzungen vorgenommen werden, dann ist nachvollziehbar, dass man nicht gleichzeitig an anderer Stelle große zusätzliche Leistungen verspricht", sagte sie. "Politik besteht eben darin, Prioritäten zu setzen." Es bringe "auch nichts, Forderungen ins Parlament einzubringen, von denen man weiß, dass sie keine Mehrheit finden."

Dies stieß auf entschiedenen Widerspruch der SPD im Bundestag. Die Sozialdemokraten stünden "geschlossen" zur Umsetzung der Koalitionsvereinbarung zum Bafög, erklärte die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Wiebke Esdar. Bärs Äußerungen seien damit "schlicht falsch und nicht zutreffend".

Esdar forderte die Union auf, "hier kein Chaos zu verursachen", nachdem jüngst schon Unions-Fraktionschef Jens Spahn (CDU) gesagt hatte, das Bafög könne wie andere Leistungen absehbar nicht erhöht werden. Vereinbart in der Koalition sei eine Bafög-Reform, "die mehr Flexibilität, den Abbau von Bürokratie sowie eine Erhöhung der Wohnkostenpauschale und Regelsätze vorsieht", betonte die SPD-Politikerin. Eine "einseitige Aufkündigung" durch die Union schade nicht nur der Ausbildung von Nachwuchskräften für die Wirtschaft, sondern "auch der Koalition".

Bär beschrieb ihrerseits die Situation für Studenten in Deutschland als privilegiert, so gebe es keine Studiengebühren. Es sei auch "kein Drama, wenn Studierende neben dem Studium jobben - viele sammeln dabei sogar wichtige Erfahrungen fürs Leben und den Beruf". Semesterferien hätten alle Studenten. "Es wird kein Vollkaskostudium geben, jeder muss seinen Teil dazu beitragen."

Die Linken-Politikerin Nicole Gohlke warf Bär vor, sie verhöhne "die Lebensrealität von hunderttausenden Studierenden, die schon heute nicht mehr wissen, wie sie Miete und Lebensmittel bezahlen sollen". Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende warnte vor einem Studium, das sich nur diejenigen mit reichen Eltern leisten könnten. "Wer neben einer 40-Stunden-Woche im Studium noch nachts kellnern muss, um die Miete zu finanzieren, brennt psychisch aus oder bricht das Studium ab."

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Misbah Khan, sprach von einem "politischen Armutszeugnis". Die Bundesregierung lasse "Studierende mit horrenden Mieten und steigenden Lebenshaltungskosten allein". Dabei lebten schon jetzt "mehr als ein Drittel aller Studierenden in Armut". Und wer den Rotstift bei Bildung ansetze, "spart an Chancengerechtigkeit und den Fachkräften von morgen". Dies wäre "fatal".

"Die Bundesforschungsministerin hat offenbar jegliches Interesse an der jungen Generation verloren", erklärte der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Studierendenwerks (DSW), Matthias Anbuhl. "Ihre Argumentation zeigt vielmehr, dass sie sich von der Lebenswirklichkeit der Studierenden anscheinend völlig entkoppelt hat."

Anbuhl warnte CDU/CSU vor politischen Folgen: "Die Union hat bei den jüngsten Wahlen drastisch an Zustimmung bei jungen Wählerinnen und Wählern verloren", erklärte er. "Sollte die Koalition tatsächlich ihr Bafög-Versprechen brechen, dürfte sich dieser Trend fortsetzen."

M.A.Walters--TNT

Empfohlen

Schülerprotest in Frankreich: Gewerkschaft meldet landesweit 260.000 Teilnehmer

An einem weiteren großen Protesttag der französischen Schüler haben sich nach Gewerkschaftsangaben bereits landesweit 260.000 Menschen an Demonstrationen beteiligt. Das Innenministerium meldete zunächst 86.000 Teilnehmer. Die Zahlen beider Institutionen liegen üblicherweise sehr weit auseinander. In Paris rechneten die Sicherheitskräfte mit bis zu 40.000 Teilnehmern an einer Demonstration, zu der auch mehrere Gewerkschaften und Oppositionsparteien aufgerufen hatten.

Mehr als zwei Drittel der Studienanfänger bleiben im eigenen Bundesland

Mehr als zwei Drittel der Studienanfänger bleiben im eigenen Bundesland. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte, nahmen im Wintersemester 2025/26 insgesamt 69 Prozent ihr Studium in dem Bundesland auf, in dem sie auch die Hochschulreife erworben haben. Je vielfältiger das Studienangebot, desto mehr junge Menschen bleiben demnach zum Studium nahe der Heimat.

Mathe ist überall – man muss nur hinsehen

Studienkreis zeigt mit kostenlosen Mathevideos wie Mathematik im Alltag Spaß machen kann

Schülerproteste in Frankreich: Jugendlichem wird von Polizei-Granate die Hand abgerissen

Bei den Schülerprotesten in Frankreich ist ein Jugendlicher nach Behördenangaben schwer verletzt worden. Dem 15-jährigen Schüler sei am Montag bei einer Demonstration in Lens von einer Polizei-Granate die Hand abgerissen worden, hieß es aus Kreisen der Polizeigewerkschaft. Er habe die mit Gummigeschossen gefüllte Granate offenbar aufgehoben und zurückwerfen wollen, als diese in seiner Hand explodiert sei. Solche Geschosse werden bei Demonstrationen eingesetzt, um Menschenansammlungen aufzulösen.

Textgröße ändern: